Rebensburg: Bode Miller war gestern
Are/München - Weihnachten wird im Hause der Olympiasiegerin "ganz klassisch" gefeiert. "Das volle Programm. Kirche, Bescherung, und dann Fondue, Fleischfondue", berichtet Viktoria Rebensburg.
Das mit der Bescherung wird ihr in diesem Jahr vielleicht nicht ganz so wichtig sein, denn die war für sie schon am Mittwochabend in Are/Schweden.
Es ging dabei weniger um das undefinierbare Fell, das ihr bei der Siegerehrung von einem Weihnachtsmann überreicht wurde.
Am Mittwochabend gewann Viktoria Rebensburg zum ersten Mal in dieser Saison ein Rennen (Bericht Rebensburg siegt in Are)
Weltcup-Sieg Nummer acht
Die Erleichterung darüber war derart gross bei der 23-Jährigen, dass ihr jetzt egal ist, was am Heiligen Abend vielleicht noch unter dem Christbaum liegt: "Es gibt kein schöneres Geschenk", sagte Rebensburg.
Und ihr herzhaftes Lachen verriet, wie gross die Freude über ihren achten Riesenslalom-Sieg im Weltcup war.
Auch, weil sie dabei Seriensiegerin Tina Maze aus Slowenien deklassiert hatte.
Gute Erinnerungen an Are
Rebensburg fuhr gerne nach Are. Sie hat dort 2007 als gerade 17-Jährige den WM-Riesenslalom bestreiten dürfen - und gleich Mal mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang Rang acht belegt.
Als sie am Montag dort ankam, sind "schon ein paar Erinnerungen hochgekommen. Das war damals auch ein Nachtriesenslalom und was ganz Besonderes", berichtete sie.
Diesmal: Riesenslalom unter Flutlicht, anhaltendes Schneetreiben, eine Rebensburg in bestechender Verfassung.
Sturz geschickt vermieden
Der erste Lauf auf der Piste Olympia war eine Demonstration der aussergewöhnlichen Fähigkeiten von Rebensburg, mehr als eine Sekunde betrug ihr Vorsprung.
Im zweiten Lauf stürzte sie fast, rettete sich mit bemerkenswerter Körperbeherrschung und war trotzdem komfortable 0,62 Sekunden schneller als Anna Fenninger (Österreich).
Tina Maze, fünffache Saisonsiegerin, Gewinnerin aller vier Riesenslaloms, wurde Dritte (0,91 Sekunden zurück).
Erleichterung gross
"Richtig, richtig schön", fand Rebensburg das Ergebnis. Wie sie es sagte, mit mehr Emotionen als sonst in der Stimme, dazu mit einem glücklichen, entspannten Lächeln, das verriet: Ihr fiel in Are schon ein grosser Stein vom Herzen.
Denn: Gemessen an ihren Fähigkeiten war die Saison bislang überhaupt nicht rund gelaufen für die zweimalige Weltcup-Gewinnerin: Ausfall in Sölden, Rang drei in Aspen, Rang zwei in St. Moritz, Rang 15 am vergangenen Sonntag in Courchevel.
Umstellung auf neue Ski gelungen
"Ich bin stolz, dass ich nach seinem vermeintlichen Rückschlag gewonnen habe, das ist richtig, richtig schön", betonte Rebensburg.
In der Tat scheint sie sich erst jetzt so richtig anzufreunden mit den neuen Ski, die im Riesenslalom nun vorgeschrieben sind.
Diese Ski sind länger und schwieriger zu fahren, die Läuferinnen können nicht wie bisher bei den stärker taillierten Brettern einfach "auf Zug" durch die Kurven fahren. Früher ging das fast von selbst.
Bode-Miller-Style klappt nicht mehr
"Die Skiumstellung bereitet ihr Probleme", hatte Alpindirektor Wolfgang Maier zuletzt festgestellt.
Früher habe sich Rebensburg ja mit ihrer "Bode-Miller-Art einfach draufgestellt und der Ski hat zugemacht - der Ski jetzt macht einfach nicht zu."
Die Umstellung war auch eine Sache der Einstellung, Rebensburg werde "verstehen müssen, dass es ein gewisses Invest braucht", sagte Maier, "Vicky muss analysieren, warum sie nicht mehr so souverän fährt."
Die ehrgeizige Rebensburg hat offensichtlich begriffen, und so hofft Maier, dass sie sich nun nicht mehr so extrem "zwischen Licht und Schatten, zwischen sauschnell und amateurhaften Fehlern" bewegt.
Weihnachten jedenfalls kann kommen. Bescherung war schon. Und die 28.925 Euro Preisgeld sind auch nicht zu verachten.
SPORT1
