Genervte Gössner: Neuner-Gerede muss aufhören
Aus Hochfilzen berichtet Andreas Kloo
Hochfilzen - Sechs Rennen haben die deutschen Damen in diesem Winter nun schon ohne Magdalena Neuner bestritten.
Und dennoch hören sie fast nach jedem Wettkampf deren Namen.
Immer wieder taucht die Frage auf: Wie sehr fehlt Neuner dem Team?
"Es wäre schön, wenn endlich einmal Ruhe einkehren und das ganze Neuner-Gerede aufhören würde", machte Gössner deshalb im Gespräch mit SPORT1 ihrem Ärger Luft.
"Wollen darüber nicht mehr reden"
"Wir haben in den letzten Jahren viele gute Biathletinnen verloren, nicht nur Magdalena Neuner. Wir wollen darüber auch gar nicht mehr reden", stellte sie stellvertretend für das Team klar.
Und fügte hinzu: "Ich finde die Leistung der Mädls bislang total gut."
Erst ein Podestplatz
Bundestrainer Gerald Hönig ist zwar anderer Meinung, er sieht - was das Schiessen angeht - noch viele Baustellen bei seinen Schützlingen.
Deshalb reichte es in dieser Saison auch erst zu einem Podestplatz durch Andrea Henkel für die Damen.
Hönig erklärt die noch schwankenden Leistungen aber dann doch wieder mit dem Namen Magdalena Neuner.
Hönig erklärt schwierige Situation
"Die Mädls werden dauernd danach gefragt, wie es denn läuft im Jahr eins nach Neuner. Das ist ein Hemmnis", hielt er fest.
Hönig bricht eine Lanze für seine Athletinnen: "Sie gehen doch raus und geben jeden Tag ihr Bestes. Sie wollen beweisen, dass sie ähnliche Leistungen bringen können wie die Generation vor ihnen."
"Und wenn dann die Leistungsfähigkeit dieser Mannschaft angezweifelt wird, weil die Lena nicht mehr dabei ist, dann ist das für die Mädls eine schwierige Situation", führt er weiter aus.
Kopfarbeit als Ursache
Vor allem Tina Bachmann tut sich schwer mit dem Nach-Neuner-Problem. In der Verfolgung stürzte die einstige Vize-Weltmeisterin auf Rang 54 ab. "Die Tina ist eine kopfbetonte Athletin, die sehr viel nachdenkt", erklärt Hönig bei SPORT1, was Bachmann derzeit von einer besseren Leistung abhält.
Bei Andrea Henkel, die in der Verfolgung auf einem für sie enttäuschenden 17. Rang landete, klingt Hönigs Analyse ähnlich.
"Sie will es momentan erzwingen, ihr fehlt ein Schuss Unbekümmertheit. Sie arbeitet zu sehr mit dem Kopf."
Auch Gössner patzt
Unbekümmertheit ist das Stichwort.
Gössner schien diese Lockerheit, die sie bei ihren Langlauf-Medaillen im Teenie-Alter auszeichnete, in Hochfilzen wiedergefunden zu haben.
In den Einzelrennen war sie die Beste des Teams, doch in der Staffel patzte auch die Garmischerin.
Nur Horchler bleibt cool
Positiv sticht Nadine Horchler hervor. Die 26-Jährige lässt sich von nichts aus der Bahn werfen und überzeugt am Schiessstand durch beeindruckende Coolness.
Mit zwei Rängen unter den Top 15 knackte sie in Hochfilzen die WM-Quali.
Vielleicht sollten sich Henkel und Bachmann die unerfahrenere Horchler zum Vorbild nehmen.
Den Namen Neuner werden sie sonst in Zukunft noch öfter hören.
SPORT1










