Rückkehr und Schelte: Nowitzki sofort im Brennpunkt
Von Eric Böhm
München/San Antonio - Eine Rückkehr mit angezogener Handbremse hätte auch nicht zu ihm gepasst: Dirk Nowitzki war sofort im Brennpunkt.
Völlig überraschend meldete sich der Superstar der Dallas Mavericks schon bei der 91:129-Klatsche in San Antonio zurück.
In nur 27 Sekunden nach seiner Einwechslung holte er einen Rebound, sah einen Ballverlust, einen Dunking der Spurs und musste wegen einer Auszeit wieder auf die Bank.
"Ich wollte eigentlich langsam wieder reinkommen und nicht im Weg rumstehen. Wir haben aber so schnell geworfen, dass ich manchmal gar nicht in die andere Hälfte kam", beschrieb Nowitzki seinen Einstand in die NBA-Saison.
Nowitzki übt beissende Kritik
Auch verbal war der Finals-MVP von 2011 beim ersten Auftritt seit der Knie-Arthroskopie im Oktober gleich gefordert. Denn eine derart blamable Leistung verhagelte ihm die Laune.
"In der Mitte des dritten Viertels lagen wir mit 80 Punkten hinten, da musste ich nun wirklich nicht wieder reingehen", sagte der 34-Jährige mit Galgenhumor.
Angesichts von Rang zwölf in der Western Conference und der dritten Pleite in Folge packte der Kapitän sofort die Rute aus.
"Es ist offensichtlich, dass die Verteidigung schlecht ist. Unsere Entscheidungen im Angriff sind aber schrecklich. Der Basketball-IQ ist durch Jason Kidds Abgang offenbar deutlich gesunken", kanzelte Nowitzki sein Team ab.
"Als wäre Superman durch die Tür gekommen"
Dabei hatte alles noch so filmreif begonnen. Nach fünfeinhalb Minuten streifte der Heilsbringer der Mavericks die Trainingsjacke ab und kam für Dahntay Jones ins Spiel.
"Es war, als wäre plötzlich Supermann durch die Tür gekommen", erzählte Jones. Mit Nowitzki gelang im zweiten Viertel sogar die 36:33-Führung. Das Raunen im Publikum wich aber sehr schnell dem Jubelsturm über die Spurs-Explosion - sie trafen 20 von 30 Dreiern.
Nicht zum ersten Mal liess sich Dallas von einem überlegenen Gegner abschiessen und lächerlich machen. Zuletzt hatte Miami ähnlich leichtes Spiel gehabt.
Guards im Fokus
Das ist Nowitzki nicht verborgen geblieben, der in ernsten Situationen nicht davor zurückschreckt, Klartext zu sprechen.
Im Meisterjahr forderte er beispielsweise einst von Busenfreund Jason Terry öffentlich eine deutliche Steigerung. Dennoch überraschen die aussergewöhnlich harten Aussagen nach nur einem Einsatz.
Die Bemerkung zum alten Spielmacher Kidd und den schnellen Abschlüssen dürfen sich vor allem die Guards zu Herzen nehmen.
"Es wird noch eine Weile dauern, bis wir uns mit Dirk abgestimmt haben. Unabhängig davon geht so ein Auftritt wie heute nicht", gelobte Darren Collison Besserung.
Keine Konstanz
Der Point Guard bleibt wohl selbst nach Fishers plötzlichem Abgang Reservist - Dominique Jones begann überraschend - ein neuer Spielmacher wird händeringend gesucht.
Der zuletzt stark nachlassende Topscorer O.J. Mayo versteift sich aktuell zu sehr auf Einzelaktionen. Coach Rick Carlisles ständig wechselnde Formationen tragen nicht zur Sicherheit bei.
"Wenn du nicht so talentiert bist, musst du das mit Einstellung und Wettkampfhärte wettmachen. Davon war heute nichts zu sehen. Es kann nur besser werden", stöhnte Nowitzki.
Vertrauen ins Knie ist da
Alle Probleme wird auch "Dirkules" nicht lösen können. Immerhin macht das Knie keine Probleme. Seine sechs Rebounds - kein Maverick hatte mehr - zeigen, dass der Forward sich nicht zurückhält und Vertrauen in seine Stabilität hat.
Zudem ist das Händchen noch da - drei seiner vier Würfe versenkte der Würzburger in gewohnter Manier.
"Für mich persönlich waren die 20 Minuten ermutigend. Ich habe mich sehr gut gefühlt, die Beine aber ganz schön schwer. Als Team haben wir noch viel Arbeit", bestätigte Nowitzki.
Straftraining an Heiligabend
Dass sieht auch Carlisle so. Der Meistertrainer setzte nach dem Debakel beim texanischen Rivalen kurzerhand ein Straftraining für Heiligabend an.
"Ich hätte gern zwei Tage freigegeben, aber das geht nicht. Ich muss härter arbeiten, um aus den Jungs ein Team zu formen. So eine Leistung ist nicht akzeptabel. Warum sollten wir also nicht trainieren", fragte Carlisle.
Ob die Einheit etwas bringt, wird sich beim nächsten beinharten Auswärtsspiel herausstellen. In der Nacht auf Donnerstag steht der Auftritt bei Kevin Durants Oklahoma City Thunder an.
SPORT1










