Meister am Abgrund: Must-Win für Mannings Giants
Von Eric Böhm
München - Immerhin haben sie es noch selbst in der Hand: Mit zwei Siegen ziehen die New York Giants in die Playoffs ein.
Der Druck für den Titelverteidiger ist jedoch gewaltig. Am 16. Spieltag steht der schwere Gang zu den Baltimore Ravens auf dem Programm.
Nach der 0:34-Blamage in Atlanta - die erste Zu-Null-Niederlage seit 2006 - sind die Giants heiss auf Wiedergutmachung.
"So eine Leistung ist nicht akzeptabel. In der entscheidenden Phase der Saison ist das besonders bitter, aber das motiviert uns für diese Woche", sagt Quarterback Eli Manning.
Manning fehlt Konstanz
Der zweimalige Super-Bowl-MVP hat die Hoffnung auf das Endspiel in seiner Heimatstadt New Orleans noch nicht aufgegeben.
Dennoch plagen ihn und sein gesamtes Team in dieser Saison rätselhafte Aussetzer. In vier der vergangenen sieben Spiele warf Manning keinen einzigen Touchdown. Auch die 2011 so nervenstarken Angriffszüge in den Schlussvierteln fehlen heuer.
"Das gilt für das ganze Team. Hoffentlich kann uns Eli durch diese Inkonstanz führen", meint Head Coach Tom Coughlin.
Wie 2011?
Hoffnung macht vor allem die vergangene Spielzeit. Auch damals mussten unbedingt zwei Siege her, um die K.o.-Runde zu erreichen - der Lauf führte dann sogar zum Titel.
"Das kann man nicht vergleichen. Wenn wir nur an das letzte Jahr denken, werden wir ganz schnell scheitern. Das zählt jetzt nicht mehr", betont Cornerback Antrel Rolle.
Für die Divisionsmeisterschaft in der NFC East brauchen die "G-Men" (8 Siege - 6 Niederlagen) ohnehin Hilfe. Denn Washington und Dallas (auch 8:6) hätten bei gleicher Bilanz die Nase vorn.
Bradshaw vor Comeback
Der direkte Vergleich und die Bilanz in der eigenen Staffel sprächen gegen New York. Immerhin stehen die drei Stars Ahmad Bradshaw, Prince Amukamara und Kenny Philips vor der Rückkehr.
Der Running Back und die beiden Passverteidiger mussten in Atlanta verletzt aussetzen. Allerdings gelang bisher nur ein Sieg über Baltimore.
Im Super Bowl XXXV vor zwölf Jahren behielten die Ravens mit 34:7 die Oberhand. Aus diesem Team ist bei Baltimore Ray Lewis immer noch dabei.
"Jammern bringt nichts"
Der Linebacker muss mit seiner Bizeps-Verletzung aber nach wie vor zuschauen. Die Welle an Ausfällen macht den Gastgebern zu schaffen.
Lewis' Kollegen Terrell Suggs und Jameel McClain fehlen ebenso wie Cornerback Jimmy Smith. Top-Receiver Torrey Smith laboriert noch an den Folgen einer Gehirnerschütterung.
Trotz dem gebuchten Playoff-Ticket droht den Ravens (9:5) ihre vierte Pleite in Folge. Die AFC north ist noch nicht unter Dach und Fach.
"Es bringt nichts, jetzt zu jammern. Wir haben noch Arbeit vor uns, um das Team zu werden, das wir sein können. Unsere Träume liegen direkt vor uns", motiviert Trainer John Harbaugh seine angeschlagene Mannschaft.
SPORT1 blickt auf eine weitere Partie des 16. Spieltages der NFL:
* Pittsburgh Steelers - Cincinnati Bengals
Is es das Jahr der Cincinnati Bengals? Mit einem Sieg über die Pittsburgh Steelers könnten sie die jahrelange Vorherrschaft der Schwergewichte in der AFC North brechen.
Denn die Steelers (7:7) wären dann aus dem Playoff-Rennen. Mit etwas Schützenhilfe würde den Bengals (8:6) am letzten Spieltag gegen Baltimore sogar noch der Divisionstitel winken.
"Wir haben das Momentum auf unserer Seite. Sie haben Probleme. Das müssen wir dringend ausnutzen. Es ist überfällig", meint Safety Chris Crocker.
Wer stoppt Green?
Damit spielt er auf die ernüchternde Bilanz an. Seit zehn Partien warten sie auf einen Sieg über einen der beiden Rivalen. Aktuell wurden jedoch fünf von sechs Partien gewonnen.
In die entgegengesetzte Richtung geht es bei den Steelers. Nur eines der vergangenen fünf Spiele wurde siegreich bestritten. Gleich fünf Cornerbacks plagen Verletzungsprobleme, das könnte gegen Cincinnatis A.J. Green zum entscheidenden Nachteil werden.
"Wir schauen nur auf uns. Zwei Siege bringen uns in die Playoffs. Wir sind diesen Durck gewohnt", bleibt Spielmacher Ben Roethlisberger cool.
* Seattle Seahawks - San Francisco 49ers
Im Westen der NFC steht das Spitzenspiel an. Die San Francisco 49ers haben die Chance, mit einem Erfolg bei den Seattle Seahawks im zweiten Jahr hintereinander Rang eins klarzumachen.
Allerdings kämpfen die Gastgeber (9:5) auch um die Playoff-Teilnahme und verloren keines ihrer bisherigen sechs Heimspiele.
"Die Seahawks sind momentan richtig heiss. Die Abwehr ist verdammt stark und sie machen viele Punkte", sagte Quarterback Colin Kaepernick.
Wilson trumpft auf
Der Jungstar lieferte in New England zuletzt eine glanzvolle Vorstellung ab. Seattle schenkte den vergangenen beiden Gegnern aber jeweils gleich 50 Punkte ein.
Neben Running Marshawn Lynch (1379 Yards) beeindruckt vor allem Rookie-Spielmacher Russell Wilson (21 Touchdowns, 9 Interceptions) mit seiner Abgeklärtheit.
"Wir haben einen wahnsinnigen Lauf. Am College hatte ich Teams, die viele Punkte machen konnten, aber in der NFL ist das ein aussergewöhnliches Gefühl", sagt Wilson.
SPORT1
