Quartett fliegt! Bulls gewinnen Schlacht um New York
Von Eric Böhm
München - Die Chicago Bulls haben im Madison Square Garden eine Schlacht wie zu Michael Jordans Zeiten für sich entschieden.
Bei den New York Knicks kam der sechsmalige Champion zu einem 110:106 (54:39). Dabei flogen insgesamt vier Spieler oder Coaches vorzeitig vom Court - darunter auch New Yorks Superstar Carmelo Anthony.
"Ich war schon in der Kabine. Plötzlich hörte ich die Leute buhen, und Woody (Coach Mike Woodson, Anm. der Red.) kam rein. Dann ging ich unter die Dusche, kam zurück und sah Tyson dasitzen. Ein verrücktes Spiel", sagte Anthony.
Thibodeau verspricht Nachspiel
Zunächst hatte noch alles nach einer klaren Angelegenheit ohne viel Zündstoff ausgesehen. Die Bulls führten im dritten Viertle bereits mit 25 Punkten.
Dann folgte jedoch ein verrückter Schlussabschnitt. Anthony (29 Punkte) holte sich knapp sieben Minuten vor Schluss sein zweites technisches Foul wegen Meckerns ab.
"Wenn du gegen ein gutes Team so klar führst, musst du dich anders präsentieren. Die Einstellung und fehlende Disziplin wird noch ein Thema sein", versprach Chicagos Trainer Tom Thibodeau.
Chandler sauer
Kurz nach "Melo" musste Woodson vorzeitig in die Kabine. Auch er hatte Entscheidungen der Schiedsrichter lautstark kritisiert - insgesamt gab es neun technische Fouls.
Schliesslich lieferten sich die beiden Center Tyson Chandler und Joakim Noah eine Rangelei und durften ebenfalls duschen gehen.
"Es war einfach ein ekliges Spiel. Da gibt es Emotionen. Das war kein Fight. Noah und ich hätten nicht vom Platz gestellt werden dürfen", meinte Chandler.
Noah fürchtet keine Sperre
Beim Kampf um einen Rebound gerieten die Giganten aneinander. Nach einem Wortgefecht starrten sie sich Stirn an Stirn wie zwei Boxer an, ehe die Streithähne getrennt wurden.
"Solche Dinge passieren. Ob ich eine Sperre fürchte? Wofür denn? Was habe ich getan?", hatte sich der Franzose auch nach der Patie noch nicht beruhigt.
Knicks wachen zu spät auf
Diese plötzlich so aufgeheizte Atmosphäre schien die Gastgeber zu beflügeln. Die Knicks drehten angeführt von Raymond Felton (21 Zähler) und Anthonys Ersatzmann Chris Copeland auf.
Felton verkürzte auf 104:108, ehe der starke Luol Deng (29 Punkte) ihre zweite Heimpleite von der Freiwurflinie besiegelte.
"Ich glaube, sie waren von Beginn an das physischere Team. Das hat uns vielleicht etwas frustriert. Als wir aggressiver wurden, war es zu spät", bilanzierte Anthony.
Miami neuer Spitzenreiter
Sein Team sammelte 45 Punkte im letzten Viertel. Sixth Man J.R. Smith (26 Punkte, 10 Rebounds) lieferte eine starke Leistung.
Aufseiten der Bulls überzeugten neben Deng auch Marco Belinelli (22 Zähler) und Noah, der bis zu seinem Abgang 15 Punkte, zwölf Rebounds und sechs Assists gesammelt hatte.
New York (19 Siege - 7 Niederlagen) verlor somit die Spitzenposition in der Eastern Conference an Miami. Chicago (15:10) ist Vierter.
SPORT1 fasst weitere Partien aus der NBA zusammen:
* Los Angeles Clippers - Sacramento Kings 97:85
Die Los Angeles Clippers brachen dank des zwölften Sieges hintereinander ihre 38 Jahre alte Bestmarke.
Gegen die Sacramento Kings gelang ein 97:85 (53:39). Chris Paul (24 Punkte, 13 Assists) ragte heraus. Blake Griffin verbuchte 21 Zähler sowie 13 Rebounds.
"Viele Leute haben hier die schlechten Zeiten mitgemacht. Einige Dauerkartenbesitzer haben auf den Aufschwung 25 oder 30 Jahre gewartet. Es macht Spass, aber wir haben noch mehr vor", sagte Paul.
Cousins sorgt für Ärger
Den alten Rekord hatte 1974/1975 noch Vorgängerteam Buffalo Braves aufgestellt. Coach Vinny Del Negro war damals acht Jahre alt. "Das Talent ist entscheidend, das haben wir jetzt", meinte der Ex-Spieler.
Die Kings waren bei ihrer elften Auswärtsniederlage chancenlos. Ersatz-Guard Jimmer Fredette erzielte 16 Punkte.
Starter DeMarcus Cousins blieb die gesamte zweite Hälfte auf der Bank. "Ich will nicht näher darauf eingehen, aber wir haben hier einen Verhaltenskodex", sagte Trainer Keith Smart.
* Boston Celtics - Milwaukee Bucks 94:99 n.V.
Die Milwaukee Bucks fügten den Boston Celtics beim 99:94 (88:88, 43:46) nach Verlängerung eine Heimniederlage zu.
Center Larry Sanders (20 Punkte, 17 Rebounds) dominierte. Topscorer Monta Ellis verbuchte 27 Zähler.
"Ich liebe es, hier gegen Kevin Garnett zu spielen. Er war immer eines meiner Vorbilder. Das ist ein toller Erfolg für uns", sagte Sanders.
Sanders blockt Pierce
Der Center blockte am Ende den Dreier zum möglichen Ausgleich durch den überragenden Paul Pierce (35 Punkte). Der Kapitän hatte die Celtics aus der Distanz erst in die Overtime gebracht.
"Er war bei uns der einzige Spieler, der wirklich gut drauf war. Das reicht nicht", haderte Cheftrainer Doc Rivers.
Ex-Maverick Jason Terry traf nur einen von 15 Würfen. Bei Garnett waren es sechs von 22. Rajon Rondo war trotz elf Assists kein Faktor.
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