Nächste NFL-Tragödie: Cowboy stirbt bei Auto-Unfall
Von Eric Böhm
München - Der zweite Todesfall innerhalb einer Woche erschüttert die NFL: Jerry Brown von den Dallas Cowboys ist bei einem Auto-Unfall ums Leben gekommen.
In der vergangenen Woche hatte Kansas Citys Jovan Belcher seine Freundin erschossen und anschliessend sich selbst umgebracht.
Die Tragödien sind zwar nicht vergleichbar, aber auch Browns Tod wirft ein schlechtes Licht auf die so auf ihr Image bedachte Liga.
Ein Teamkollege verursachte den Unfall: Josh Brent verlor offenbar alkoholisiert die Kontrolle über den Wagen, der einen Abhang hinunterstürzte.
"Ich bin am Boden zerstört. Der Verlust meines Freundes und Teamkollegen Jerry Brown macht mich tief traurig. Meine Gebete gelten seiner Familie", hiess es in einem Statement von Brent, das sein Berater veröffentlichte.
Rettungsaktion vergeblich
Der Defensive Tackle hätte am 14. Spieltag in Cincinnati für die Cowboys spielen sollen, stattdessen wurde er wegen fahrlässiger Tötung unter Alkoholeinfluss festgenommen.
Wie die Polizei von Irving - einem Vorort von Dallas - mitteilte, durchbrach das Fahrzeug am frühen Samstagmorgen die Begrenzung eines Highways und überschlug sich.
"Als die Kollegen eintrafen, versuchte der Verdächtige den Beifahrer aus dem brennenden Wagen zu ziehen", sagte Polizeisprecher John Argumaniz.
Überhöhte Geschwindgikeit
Brown, der zum Trainingskader der Cowboys zählte, wurde im Anschluss in ein Krankenhaus gebracht, erlag dort aber seinen schweren Verletzungen.
Die Beamten führten bei Brent einen Alkoholtest durch und nahmen ihn in Gewahrsam. Am Sonntag sollte seine Kaution festgesetzt werden.
"Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nur sagen, dass das Fahrzeug deutlich zu schnell unterwegs war. Dessen sind sich die Ermittler sicher", erklärte Argumaniz.
Cowboys wieder
Brent droht bei einer Verurteilung eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren. Der 24-Jährige und Brown waren seit College-Zeiten in Illinois sehr gut befreundet und unternahmen viel zusammen.
"Die NFL war Jerrys Traum und Josh hat ihn dabei sehr stark unterstützt. Das ist eine Tragödie", sagte ihr ehemaliger College-Coach Ron Zook.
Bereits 2003 war ein Cowboys-Spieler in einen tödlichen Auto-Unfall verstrickt gewesen. Dwayne Goodrich wurde damals wegen Fahrerflucht mit zweifacher Todesfolge verurteilt und sass bis 2011 im Gefängnis.
Psychologin fliegt mit Team zum Spiel
Das Team erfuhr unmittelbar vor dem Abflug zum Bengals-Spiel vom Tod Browns und wird von der Teampsychologin betreut.
"Wir versuchen, uns auf das Spiel zu konzentrieren. Wir müssen uns an Jerry erinnern, aber unsere Saison steht auf dem Spiel", sagte Linebacker Alex Albright.
Bereits 2009 hatte Brent in Illinois eine zweijährige Bewährungsstrafe wegen Alkohol am Steuer erhalten und 60 Tage im Gefängnis verbracht.
NFL gefordert
Die NFL muss sich nun neue Vorwürfe gefallen lassen. Commissioner Roger Goodell geht energisch gegen Gehirnerschütterung, Hundekämpfe oder Kopfgelder vor.
Waffenbesitz, häusliche Gewalt und Fahren unter Alkoholeinfluss scheinen in den New Yorker NFL-Büros nicht so wichtig zu sein.
Ein jährlicher Benimm-Vortrag für die Rookies muss reichen. Unzählige Vorfälle dieser Art werden kaum sanktioniert oder wahrgenommen, weil sie oftmals glimpflich ausgehen.
"Schweigeminuten reichen nicht"
Natürlich existieren diese Probleme auch in der Gesellschaft jenseits des Football-Feldes, eine besondere Verantwortung für die Handlungen ihrer Athleten kann die erfolgreichste Liga der Welt aber nicht abstreiten.
Stattdessen werden Dramen wie der Tod Steve McNairs im Jahr 2009 - ihn erschoss seine Geliebte - mit warmen Worten als Einzelfälle abgetan. Das ständige Fehlverhalten spottet der viel zitierten Vorbildwirkung.
Dass Medikamente oder unzureichend behandelte Kopfverletzungen dabei eine Rolle spielen, wurde bisher noch nicht nachgewiesen und bleibt reine Spekulation.
"Viele Profis haben sich aber offenbar nicht unter Kontrolle. Die Liga muss sich hinterfragen. Schweigeminuten allein reichen nicht", schrieb NFL-Experte Jeffri Chadiha bei "ESPN.com". Davon gab es in den vergangenen Jahren deutlich zu viele.
SPORT1










