Superman verzückt L.A.
Von Eric Böhm
München/Los Angeles - Die Gänsehautatmosphäre hatte Dwight Howard schon vor dem Tipoff gepackt.
"Bei mir sind bei der Vorstellung sogar einige Tränen geflossen. Ich habe sehr lange nicht gespielt und war sehr emotional", sagte "Superman".
Das mit Spannung erwartete Debüt des Centers brachte den sieglosen Los Angeles Lakers beim 92:99 gegen die Sacramento Kings zwar die sechste Testspiel-Pleite ein, erlaubte aber gleichzeitig einen Blick auf die rosige Zukunft.
Sechs Monate nach seiner Bandscheibenoperation dominierte Howard mit 19 Punkten, zwölf Rebounds sowie vier Blocks sofort die Körbe im Staples Center.
Howards Rücken hält
Der riesige Hype in der ausverkauften Arena war einer Playoff-Atmosphäre würdig und wurde durch den Auftritt des sechsmaligen All-Stars gerechtfertigt.
Howard wirkte in seinen 33 Minuten schon erstaunlich beweglich und schonte seinen Rücken in den harten Duellen mit Sacramentos DeMarcus Cousins nicht.
"Ich habe mich sehr gut gefühlt und nichts gespürt. Einmal bin ich hart auf dem Boden gelandet. Das ist meine Spielweise. Es war cool", sagte der 26-Jährige.
Lob von Nash
Trotz einiger logischer Missverständnisse an der Seite der neuen Kollegen war die Klasse der runderneuerten Lakers besonders in der ersten Hälfte zu erahnen.
Ex-Center Andrew Bynum war zwar beileibe kein Schwachpunkt, mit Howard erlangt das Starensemble jedoch eine Qualität wie davor nur zu Shaquille O'Neals Zeiten.
"Es ist ein Geschenk, mit ihm spielen zu dürfen. Seine Präsenz macht es für uns alle viel leichter", lobt Point Guard Steve Nash.
Bis zum Saisonstart am 30. Oktober gegen die Dallas Mavericks - ohne Dirk Nowitzki - wird die Abstimmung noch deutlich besser werden.
Gegner staunen
Die Kontrahenten können sich nicht mehr exklusiv auf Kobe Bryant oder Pau Gasol konzentrieren. Nash findet ohnehin aus jeder Position den freien Mann.
"Sie sind wie die Avengers. Du findest kein Matchup, das für dich spricht", verglich Chuck Hayes den Topfavoriten schon mit den Comic-Superhelden des Marvel-Universums.
Neben den vom Publikum gefeierten Alley-Oops hilft der dreimalige Abwehrspieler des Jahres besonders der in den vergangenen Jahren oftmals löchrigen Verteidigung.
Präsenz hilft in der Abwehr
Die krachenden Monster-Blocks sind dabei aber nur ein Aspekt, mindestens ebenso wichtig ist die Vermeidung gegnerischer Schnellangriffe.
In der Preseason liefen die Gegner den alternden Stars Bryant, Nash oder Metta World Peace bisher regelmässig davon.
Mit Howard gibt es nun im Angriff durch grössere Effizienz weniger Fehlwürfe. Zudem erlauben es die vielen Freiwürfe für "D12" der Truppe von Coach Mike Brown, sich in der Defensive richtig zu positionieren.
"Deswegen wollten wir ihn ja unbedingt haben. Er verleiht uns in der Mitte eine unglaubliche Stabilität. Das war heute schon zu sehen", sah sich Brown bestätigt.
Bryant will sich zurückhalten
Darüber hinaus dürften Bryants One-Man-Shows zumindest deutlich seltener werden. Gegen die Kings gaben Howard und die "Black Mamba" jeweils zwölf Würfe ab. Dahinter folgten World Peace (11) und Gasol (8).
"Wir haben jetzt so viel Talent auf dem Court. Dadurch haben wir eine bessere Raumaufteilung und können den Ball bewegen. Ich werde den Ball nicht mehr lange in den Händen halten", bestätigt Bryant.
Bank bleibt Schwäche
Dennoch sollte das 17. NBA-Meisterschaftsbanner noch nicht bestellt werden. Denn eine grosse Schwachstelle der vergangenen Saison besteht auch mit Howard.
Die Bank bietet in Jordan Hill nur einen halbwegs erfahrenen Big Man. Neuzugang Antawn Jamison ist der einzige namhafte Forward. Ein guter Backup für den 38-jährigen Nash fehlt.
Die Oklahoma City Thunder - als mutmasslich grösster Konkurrent im Westen - sind diesbezüglich besser aufgestellt.
Dem Howard-Hype in Hollywood wird das keinen Abbruch tun. Das Scheinwerferlicht haben die Lakers den aufstrebenden Clippers in jedem Fall wieder abgejagt.
