Glitzerwelt statt Provinz-Mief: Nets läuten neue Ära ein
Von Eric Böhm
München - Selbst die Website versprüht einen auf Hochglanz polierten Charme und empfängt den Besucher mit: "Welcome to Brooklyn."
Für die jahrelang im Keller der Eastern Conference darbenden Nets ist die Ankunft im Stadtteil New Yorks mehr als ein Umzug - es ist die Chance für einen dringend benötigten Imagewechsel.
Trotz zweier Teilnahmen an den NBA-Finals (2002, 2003) und der temporären Anwesenheit von Kris Humphries' Ex-Frau Kim Kardashian haftete dem Team in New Jersey das Vorurteil des Provinz-Miefs an.
"Brooklyn ist für das Team eine neue Welt. Die Arena, die Fans. Wir haben hier fast unbegrenzte Möglichkeiten", tönt Mitbesitzer Jay-Z.
Jay-Z als Werbeträger
Dem aus Brooklyn stammenden Rapper gehört zwar nicht einmal 1/15 Prozent, dennoch ist er das Gesicht der neuen Marke.
Er designte sogar die neuen Logos, eines trägt bezeichnenderweise New York im Namen. Die Nets sollen im stylischen Schwarz-Weiss-Look cool werden und die Glitzerwelt der VIPs anlocken.
Der russische Mehrheitseigner Michail Prochorow hält sich lieber im Hintergrund und unterschreibt die dicken Schecks für das mittlerweile hochkarätige Personal.
Teure Verlängerungen
"Superman" Dwight Howard wollte zwar beim Angriff auf die Vormachtstellung der New York Knicks nicht mitmachen, der Kader kann sich trotzdem sehen lassen.
Es wurden nämlich nicht nur Mavericks-Wunschkandidat Deron Williams, Gerald Wallace, Humphries und Center Brook Lopez mit Verträgen für insgesamt 241 Millionen Dollar gehalten.
Der Kader wurde durch All-Star Joe Johnson (kam aus Atlanta), Reggie Evans (L.A. Clippers) und den Bosnier Mirza Teletovic - wechselte von Tibor Pleiss' Klub Caja Laboral - verstärkt.
Viel Qualität
Dazu kommt die letztjährige Rookie-Entdeckung MarShon Brooks, der zum neuen sechsten Mann aufgebaut werden soll. C.J. Watson, Josh Childress und Andray Blatche sind andere wertvolle Alternativen von der Bank.
"Billy (Manager King, Anm. der Red.) und ich hatten eine Vision vom Kader für diese neue Ära. Es ist eine fantastische Grundlage, um ein erfolgreiches Team zu bauen", sagt Coach Avery Johnson.
Prassen statt Flexibilität
Angesichts des neuen Tarifvertrages gehen die Nets genau den umgekehrten Weg im Vergleich zu Johnsons ehemaligem Arbeitgeber in Dallas.
Während dessen Eigentümer Mark Cuban seine Meistermannschaft um Dirk Nowitzki auseinanderriss und gebetsmühlenartig die finanzielle Flexibilität predigt, prassen die Nets.
In den nächsten fünf Jahren zahlen sie ihren Spielern 332 Millionen Dollar und liegen für die nächsten vier Jahre mit einer Handvoll Akteuren schon über der Gehaltsobergrenze - Spielraum bei Verletzungen oder Fehlgriffe gibt es nicht.
"Wir sind uns des Risikos bewusst, aber unsere Eigentümer sind mit im Boot und wollen so schnell wie möglich an der Spitze mitmischen", weist King kritische Stimmen zurück.
Johnson als Baumeister
Mit Jay-Z, dem 18.000 Zuschauer fassenden Prachtbau und einer Mannschaft voller All-Stars ist Aufmerksamkeit in jedem Fall garantiert.
Johnson hat nach nur 46 Siegen in zwei Jahren endlich die Vollblüter für seinen aggressiven Stil und soll die sportlichen Highlights setzen. Die Playoffs sind das Minimalziel - sein Vertrag läuft nach der Saison aus.
Neben der Teamchemie muss der kleine General, der Nowitzkis Team 2006 in die NBA-Finals führte, vor allem an der Siegermentalität der chronischen Loser arbeiten.
"Ich kann die Saison kaum erwarten. Alle Spieler sind gesund. Das erste Heimspiel macht Appetit auf mehr", freut sich Point Guard Williams.
Potenzial ist vorhanden
Gegen die Washington Wizards wurde das brandneue Barclays Center mit viel Show und einem standesgemässen Sieg eröffnet.
Das erste Profiteam in Brooklyn seit 1957 - damals zogen die Dodgers an die Westküste - hat das Potenzial für die erhoffte schillernde Zukunft, nur schnelle Erfolge können die Vision jedoch Wirklichkeit werden lassen.
SPORT1










