Terminator Kuhn: Vom Klinkenputzer ins Football-Mekka
New York - Es war eine gehörige Portion Unwissenheit gepaart mit einem Hauch Ahnungslosigkeit, die Markus Kuhns Football-Märchen wahr werden liessen.
2006 flog der deutsche Amateurspieler aus Weinheim ohne echten Plan mal eben über den grossen Teich.
Ein Stipendium an einer US-Universität war sein grosser Traum.
"Zum Glück", sagt Kuhn heute, "waren wir ignorant genug, um nicht zu verstehen, was für eine grosse Sache Hochschul-Football in den USA ist. Andernfalls wäre ich wohl nicht hier."
Angekommen im Football-Mekka
Hier, das ist das Football-Mekka NFL. Hier, das ist die Star-Truppe des Super-Bowl-Champions New York Giants.
Wenn am Mittwoch (20.30 Uhr Ortszeit) in New York die neue NFL-Saison mit dem Duell des Titelverteidigers gegen Erzrivale Dallas Cowboys startet, wird der Defensive Tackle wohl als erst dritter deutscher Feldspieler in der besten Football-Liga der Welt debütieren.
Klinkenputzen für den Traum
Vor sechs Jahren war daran allerdings noch nicht zu denken. Sein amerikanischer Traum begann für den heute 26-Jährigen mit Klinkenputzen.
Mit einer DVD seiner besten Szenen im Gepäck und seinem Vater Wolfgang flog Markus Kuhn damals nach Washington, tingelte an der Ostküste von Hochschule zu Hochschule.
Mit den Worten "Tag, hier bin ich. Kann ich mal mit den Trainern sprechen", habe er sich an den diversen Universitäten vorgestellt. "Sehr blauäugig" seien sie damals gewesen, sagte Kuhn junior dem "Mannheimer Morgen": "Die Leute dort waren viel zu nett, um uns auszulachen."
Stipendium ergattert, im Draft gezogen
Der 140 kg- und 1,93 m-Koloss bekam schliesslich an der North Carolina State University in Raleigh ein Football-Stipendium.
Im vergangenen Jahr machte Kuhn, der drei Sprachen spricht und in der German Football League für die Weinheim Longhorns spielte, seinen Abschluss in Betriebswirtschaft.
Ende April wurde er von den Giants um Star-Quarterback Eli Manning in Runde sieben gedraftet.
Platz im Meister-Kader erkämpft
In der Sommer-Vorbereitung erkämpfte sich Kuhn schliesslich einen Platz im endgültigen Saison-Kader des Meisters.
"Er hat erst spät mit Football begonnen und muss noch viel lernen", sagt Giants-Geschäftsführer Jerry Reese, "aber er ist ein Trainings-Fanatiker - gross, stark, zäh. Es macht Spass, ihm zuzuschauen. Er ist wie eine Kreissäge."
Kreissäge muss noch justiert werden
Die allerdings muss noch justiert werden. Talent habe Kuhn, sagt Trainer Tom Coughlin, Willen und Ehrgeiz auch. Was Kuhn fehlt, ist die Erfahrung.
Erst als Teenager fing er mit dem Football an, zuvor spielte er Fussball. Der Sinneswandel kam im Familien-Urlaub in Florida, als der damals 14-Jährige zwischen Besuchen in Disney World und am Strand im Fernsehen Football für sich entdeckte.
"Da wusste ich: Den Sport muss ich machen", sagt Kuhn. Warum, das kann sein Vater Wolfgang beantworten: "Markus war immer mehr an Zweikämpfen mit dem Gegner als am Ball interessiert."
Auf Schwarzeneggers Spuren
Bei seinen Teamkollegen hat der Neuling schon Eindruck hinterlassen.
Den "Terminator" nennen sie ihn - allerdings eher wegen seines an Arnold Schwarzenegger erinnernden Akzentes.
Und sollte Markus Kuhn am Mittwoch doch noch nicht zu seinem Debüt-Einsatz kommen, wird er nicht aufgeben. Eben wie der Terminator.
Der wurde auch mit jedem Mal besser.
SPORT1
