Vollmers Pats kämpfen gegen das Trauma
Von Eric Böhm
München - War es schon ein Vorgeschmack auf die angestrebte Rückkehr in den Super Bowl?
Die New England Patriots haben versucht, mit einer Trainingseinheit vor vollem Haus gegen die New Orleans Saints die erneute Endspiel-Niederlage in der NFL vergessen zu machen.
Diese ungewöhnliche Massnahme noch vor den Preseason-Testspielen macht deutlich, dass für das erneut mitfavorisierte Team mit dem deutschen Offensive Tackle Sebastian Vollmer mehr denn je nur der Titel zählt.
"Es war eine Niederlage, die du nicht so schnell vergessen kannst. Gleichzeitig ist sie eine riesige Motivation. Ich glaube, wir sind besser als im vergangenen Jahr", sagt Quarterback-Star Tom Brady.
Schock mit Folgen?
Es bleibt jedoch fraglich, ob der neuerliche Schock durch die New York Giants in dem knappen halben Jahr seit Februar vor allem mental verarbeitet wurde.
Nach der Super-Bowl-Pleite gegen New York vier Jahre zuvor, zog sich Brady im ersten Spiel der folgenden Saison einen Kreuzbandriss zu - die dann kopflose Truppe verpasste die Playoffs.
"Das kann man nicht vergleichen. Dass Tom ausfiel, hatte nichts mit der ersten Niederlage gegen die Giants zu tun. Verletzungspech kann dich immer erwischen. Wir sind gut vorbereitet", erklärt Coach Bill Belichick gewohnt nüchtern.
Lloyd und McDaniels als Trümpfe
In der Tat scheint seine Mannschaft sogar stärker aufgestellt zu sein als 2011. Zudem fungiert das 2011 zurückgekehrte Angriffsgenie Josh McDaniels jetzt wieder als Offensive Coordinator.
Im Vergleich zur vergangenen Saison mit nur drei Niederlagen - plus diejenige im Super Bowl - ist der Kader deutlich besser und tiefer geworden.
Die ohnehin schon spektakuläre Pass-Offensive um Brady, Rekord-Tight-End Rob Gronkowski (2011: 17 Touchdowns), Wes Welker, Deion Branch und Aaron Hernandez wurde durch Receiver Brandon Lloyd noch unberechenbarer.
"Brady hat so viele herausragende Waffen wie nie zuvor. Das sollte den Kontrahenten richtig Angst einjagen", vermutet TV-Analyst und Ex-Spielmacher Ron Jaworski.
Rookies drängen nach
Zwar ging Running Back BenJarvus Gren-Ellis nach Cincinnati, aber Stevan Ridley und Shane Vereen bringen genügend Potenzial mit.
Vielleicht kann sogar Sprinter Jeffrey Demps - er gewann bei Olympia Silber mit der US-Staffel - für eine Überraschung sorgen.
Die zuletzt so durchlässige Abwehr wird sich deutlich verbessert präsentieren, denn Rookie-Linebacker Donta Hightower - vom College-Meister Alabama - wird die Regie übernehmen.
Auch der neue Safety Steve Gregory ist ein Upgrade für die gescholtene Pass-Verteidigung. "Wir haben die Kritik nicht vergessen und werden uns neu beweisen", verspricht Cornerback Devin McCourty.
Glück mit dem Spielplan
Der auf der Grundlage der vergangenen Saison äusserst machbar entscheidende Spielplan - ein Auswärtsspiel in Baltimore ist die mit Abstand schwierigste Aufgabe - lässt manchen Fan schon von der perfekten Saison träumen.
Aus sportlicher Hinsicht ist das einzige Fragezeichen die Offensive Line. Ein wichtiger Grund dafür ist Vollmers Gesundheitszustand.
Vollmer bangt um Start
Der inzwischen 28-jährige Düsseldorfer leidet weiterhin an hartnäckigen Rückenproblemen, die ihn bereits zehn Partien der vergangenen Spielzeit kosteten.
Erst vor einer Woche stieg er wieder uns Training ein, ob es bis zum Auftakt in Tennessee (9. September) reicht, ist noch unklar.
"Ich habe keine Ahnung. Es ist schön, endlich wieder dabei zu sein. Ich mache Fortschritte und versuche alles", erklärt Vollmer.
Lineman in Schwierigkeiten
Er ist nicht der einzige Problemfall unter den Brady-Beschützern. Die designierten Starter Logan Mankins (Knieprobleme) und Brian Waters (persönliche Gründe) standen noch nicht einmal auf dem Platz.
Die beiden Tackles Matt Light und Robert Gallery haben ihre Karrieren inzwischen beendet. Der beste Lineman ist aktuell Nate Solder, der in seine zweite Saison geht und im vergangenen Jahr meist Vollmer vertrat.
"Wir werden schon fünf Jungs zusammenbekommen. Egal wer spielt, wir werden hart arbeiten und unsere Leistung abrufen", betont Solder.
SPORT1
