Resterampe Mavs: Quartett der Gescheiterten
Von Rainer Nachtwey
München/Dallas - So langsam nimmt der Kader bei den Dallas Mavericks Strukturen an.
Mit O.J. Mayo haben General Manager Donnie Nelson und Besitzer Mark Cuban ein weiteres Puzzleteil hinzugefügt. Zehn Namen umfasst die Mannschaft mittlerweile - ohne die Rookies Bernard James, Jared Cunningham und Jae Crowder.
Mayo, Darren Collison, Elton Brand, Chris Kaman - bei diesen Namen wären die Fans vor zwei, drei Jahren in Jubelstürmen ausgebrochen .
Aber mittlerweile haben sich die Ansichten geändert. Aus heissbegehrten Stars wurde NBA-Ramschware auf dem Wühltisch.
"Diese Spieler helfen vielleicht, Dallas' Playoff-Serie fortzusetzen. Aber diese Mannschaft ist kein Championship-Team", schreibt Kolumnist Jean-Jacques Taylor bei "ESPNDallas.com".
Mayo nicht gut genug
Blickt man auf die Karriere der vier Neuzugänge, lassen sich eindeutige Parallelen feststellen. Alle vier sind bei ihren Klubs gescheitert .
Mayo war den Memphis Grizzlies nicht gut genug, um dem Restricted Free Agent ein Angebot über 7,2 Millionen Dollar vorzulegen. Stattdessen liess der letztjährige West-Vierte den Dritten des Drafts 2008 ohne Gegenwert ziehen.
Collison-Verpflichtung fast umsonst
Auch Kaman fand nicht nur bei den New Orleans Hornets keine weitere Verwendung, 29 andere Teams liessen die Möglichkeit verstreichen, ihm einen langfristigen Vertrag anzubieten. Dallas schnappte mit einem Ein-Jahres-Angebot zu.
Das Lob von "ESPNDallas"-Kolumnist Tim MacMahon für Kaman, der ihn "schon jetzt als den besten Offensiv-Center der Mavs-Geschichte" bezeichnete, spricht weniger für die Qualität Kamans, sondern viel mehr über die der bisherigen Lowpost-Partner von Nowitzki.
Collisons Verpflichtung quasi für lau, schliesslich stand Ian Mahinmi nicht mehr bei den Mavericks unter Vertrag, war sicherlich ein cleverer Schachzug .
Ein junger Aufbauspieler, dessen Vertrag nach der Saison ausläuft und nur 2,3 Millionen Dollar des Salary Caps (58 Mio. Dollar) einnimmt.
Pacers agieren clever
Aber seine Leitungskurve zeigt deutlich nach unten.
Nachdem der Point Guard in der letzten Saison noch in 56 von 60 Spielen als Starter auflief und auf 31,3 Minuten kam, brachte ihn Indianas Coach Frank Vogel in den Playoffs nur noch von der Bank, seine Einsatzzeit sank auf 18,6 Minuten.
Mit dem Trade von Collison und Dahntay Jones für Mahinmi entledigten sich die Pacers des Aufbauspielers und schafften zudem Platz für Free Agent D.J. Augustin, den der Klub aus Indianapolis nur zwei Tage später verpflichtete.
Grosse Hilfe für Dallas?
Und Elton Brand? Der Nummer-Eins-Pick von 1999 wurde von den 76ers entlassen. Philly war zu der Überzeugung gekommen, dass er die 18,2 Millionen Dollar, die ihm vertraglich zustehen, nicht mehr wert ist.
Vier einstige Hoffnungsträger, vier Gescheiterte, die Dallas nun helfen sollen, im Westen im Konzert der Grossen mitzumischen?
Lakers holen Mavs-Wunschkandidat
Gegen Westchampion Oklahoma City, der seine komplette Starting Five um die Stars Kevin Durant und Russell Westbrook, sowie den besten sechsten Mann James Harden zusammengehalten hat?
Gegen die Los Angeles Lakers, die zum bisherigen Team um Kobe Bryant, Andrew Bynum und Pau Gasol noch Steve Nash - Dallas 1-B-Plan bei einer Absage Deron Williams' - hinzugefügt haben?
Gegen die San Antonio Spurs um Tony Parker, Tim Duncan, Manu Ginobili, die Memphis Grizzlies um Marc Gasol, Zach Randolph und Rudy Gay, die Los Angeles Clippers um Chris Paul und Blake Griffin?
Playoffs? "Mit Glück"
Eigentlich hatten Cuban und Nelson Nowitzki durch die Verpflichtung eines zweiten Superstars zum nur noch zweitbesten Spieler der Mavericks machen wollen, bisher gelang es dem Führungs-Duo jedoch nicht einmal, eine Nummer zwei hinter Nowitzki zu verpflichten.
"Vielleicht kommen wir mit etwas Glück die Playoffs", hatte GM Nelson noch vor den Verpflichtungen der letzten Tage tiefgestapelt.
Aber auch mit dem umgekrempelten Kader, in dem neben Nowitzki nur Shawn Marion von den Stützen des Meisterteams von 2011 übrig ist, wird es zu mehr wohl nicht reichen.
Jubelstürme werden deshalb in Dallas nicht ausbrechen.
SPORT1










