Was nun? D-Will lässt die Mavericks abblitzen
Von Eric Böhm
München - Das seit Dezember befürchtete Szenario ist eingetreten: Deron Williams kehrt nicht in seine Heimatstadt Dallas zurück.
Der All-Star zieht lieber mit den Nets und einem 98-Millionen-Dollar-Vertrag im Gepäck nach Brooklyn um und lässt Dirk Nowitzkis Mavericks in einer Sackgasse zurück
Denn der Verpflichtung des Lokalhelden war neben dem halben Meisterkader von 2011 und der abgelaufenen NBA-Saison auch die mittelfristige Planung geopfert worden.
"Es hatte sich schon im letzten Dezember so angefühlt, als hätten wir auf eine einzige Karte gesetzt. Das kann auch schiefgehen", hatte Nowitzki schon vor D-Wills Entscheidung vermutet.
Cubans Plan geht nicht auf
Der Superstar, der sich aktuell im fernen Wimbledon bei dem Grand-Slam-Turnier amüsiert, dürfte sich ebenso wie Beobachter und Fans eine Frage stellen: Hat sich Teameigentümer Mark Cuban verpokert?
Nach der Meisterschaft 2011 opferte er Publikumslieblinge wie Tyson Chandler und J.J. Barea seiner Vision eines Super-Teams um Nowitzki, Spielmacher Williams und Dwight Howard.
Den ersten Rückschlag erlitten die Mavs als der Center seine Ausstiegsklausel nicht nutzte, um vorläufig in Orlando zu bleiben. Vor diesem Hintergrund muss sich Cuban fragen lassen, warum er in Los Angeles eine TV-Serie dreht, statt D-Will in einem persönlichen Gespräch zu bearbeiten.
Da der All-Star nun nicht kommt, stehen die Texaner vor einem Scherbenhaufen. Es bleiben zwei Möglichkeiten - keine ist sonderlich attraktiv.
Nash bringt sich ins Gespräch
Am wahrscheinlichsten ist, dass Cuban und General Manager Donnie Nelson nun versuchen werden, einen der beiden prominenten Point Guards Steve Nash und Jeremy Lin zu verpflichten.
Der Jungstar der New York Knicks wäre aufgrund seines Alters die langfristige aber auch risikoreichere Lösung. Ob er nach seiner Meniskusoperation sofort wieder so auftrumpfen wird wie im Februar ist fraglich.
Nash würde sportlich und charakterlich passen und am ehesten die Williams-Depression aus der texanischen Metropole vertreiben.
"Dallas wäre sicher eine gute Geschichte. Ich würde gern mit ihnen sprechen", zeigt sich der 39-jährige Kanadier nicht abgeneigt.
Roy als Terry-Ersatz gehandelt
Das Problem ist, dass Toronto ihm bereits einen lukrativen Dreijahresvertrag über 36 Millionen Dollar vorgelegt hat. Auch die Knicks wollen ihn unbedingt. Trotz unbestrittener Klasse wäre Nash zudem ein weiterer betagter Akteur in einem Kader, der dringend athletischer werden müsste.
Da auch Jason Kidd und Jason Terry - wohl nach Boston - vor dem Absprung stehen, müssten auch ein Shooting Guard und ein Ersatz-Spielmacher von entsprechendem Format geholt werden.
Der vor einem Comeback stehende dreimalige All-Star Brandon Roy soll nicht abgeneigt sein, zu den Mavericks zu kommen.
Center-Stars kaum noch zu bekommen
Die grösste Lücke besteht aber seit der vergangenen Saison in der Mitte. Howard wird mindestens bis 2013 ein Wunschtraum bleiben, die anderen Center-Kandidaten stecken schon tief in Verhandlungen mit anderen Teams.
Auch deshalb rächt sich die Williams-Fixierung. Indianas Roy Hibbert liegt bereits ein Mega-Angebot aus Portland vor. Auch Ömer Asik (Chicago Bulls) wird schon weit über Marktwert umworben.
Draft rächt sich
Letztendlich bleiben als realistische Varianten der 38-jährige Abwehrspezialist Marcus Camby oder der deutsche Nationalspieler Chris Kaman.
Selbst der fast schon entlassene Brendan Haywood könnte nun sein fürstliches Gehalt noch ein weiteres Jahr in Dallas einstreichen.
Damit fällt dem Team die Draft-Taktik richtig auf die Füsse.
Anstelle eines potenziellen Superstars im Aufbau, auf dem Flügel oder unter dem Korb wurden drei Entwicklungsprojekte verpflichtet, die ähnlich floppen könnten wie Dominique Jones oder Roddy Beaubois.
Aufrüstung auf 2013 verschieben?
Risikoreicher wäre eine Neuauflage der vergangenen Saison. Demnach würde der Kader erneut mit billigen Ergänzungsspielern aufgefüllt, um im Sommer 2013 Jagd auf die Top-Stars Chris Paul, James Harden und Howard zu machen.
Damit haben die Mavs im vergangenen Jahr oder die New York Knicks während der letzten Dekade keine guten Erfahrungen gemacht.
Ein weiteres verschenktes Jahr wäre auch Nowitzki nur schwer zu vermitteln. Er ist dann 35 und hat nur noch ein Jahr Vertrag.
"Das ist eigentlich keine Option für Dallas. Sie haben jetzt finanziellen Spielraum und müssen Dirk ein Team ohne einen grossartigen, aber mit einigen guten Spielern bauen", betonte TV-Experte Jalen Rose.
SPORT1










