NBA-Draft: Mavericks haben die Qual der Wahl
Von Eric Böhm
München - In Zeiten des neuen Tarifvertrages sind die Dallas Mavericks gezwungen, ihre Strategie in Bezug auf den NBA-Draft zu ändern.
In früheren Jahren betrachtete die Mannschaft um Dirk Nowitzki das Auswahlverfahren entweder als lästige Pflicht oder als Möglichkeit, eigene Picks gegen erfahrene Haudegen einzutauschen.
Die strengeren finanziellen Bestimmungen veranlassten nun sogar Eigentümer Mark Cuban, der in der Nacht auf Freitag stattfindenden Talentshow mehr Beachtung zu schenken.
"Der Draft ist definitiv wichtiger geworden. Zur Abwechslung würde uns ein Pick guttun, der sofort weiterhilft", sagt Cuban.
"Kaffeemaschinen laufen"
Das Timing der Mavericks könnte deshalb kaum besser sein, schliesslich sind sie in diesem Jahr als 17. am Zug - so früh war der Ex-Meister seit 2000 nicht mehr dran.
Die qualitativ sehr gute Klasse bietet auch in der Mitte der ersten Runde vielversprechende Talente, die sich schon als Rookies signifikante Spielzeit erarbeiten könnten.
"Die Kaffeemaschinen laufen auf Hochtouren. Wir schauen uns jede Kleinigkeit zu den Kandidaten an. Hoffentlich wird es ein Spieler, der es gleich in die Rotation schafft", hofft Teampräsident Donnie Nelson beim "Forth Worth Star-Telegram".
Trade unwahrscheinlich
Ein Trade des Auswahlrechts ist zwar immer möglich, angesichts der möglichen Verpflichtung von All-Star Deron Williams sind die Mavs aber eher darauf bedacht, die Gehaltsliste möglichst klein zu halten.
Da aktuell neben Nowitzki nur sechs Spieler für die nächste Saison unter Vertrag stehen, bestünde auf nahezu jeder Position Handlungsbedarf.
SPORT1 stellt mögliche Kandidaten vor.
* Point Guard/Shooting Guard
Die meisten Experten prognostizieren in ihren "Mock Drafts" einen neuen Aufbauspieler für Dallas. Kendall Marshall könnte deshalb eine lohnende Investition sein. Die phänomenale Übersicht ist seine grosse Stärke.
Der 20-jährige spielte wie Michael Jordan, Vince Carter oder SPORT1-Experte Ademola Okulaja an der renommierten University of North Carolina und pulverisierte in der vergangenen Saison nahezu jeden Assist-Rekord.
Defizite hat der nicht sehr athletische Marshall jedoch im Distanzwurf und in der Verteidigung.
Mehr Scoring-Power und Dynamik könnte Austin Rivers bringen. Der Sohn von Bostons Coach Doc Rivers trumpfte bei Marshalls Erzrivalen Duke unter US-Nationaltrainer Mike Krzyzewski auf.
In nur einer Saison für die Blue Devils stellte er seine Kaltschnäuzigkeit mit einigen grossen Crunch-Time-Auftritten unter Beweis. In der NBA wird der 19-Jährige eher als Shooting Guard auflaufen.
Ein Mann für die zweite Aufbau-Position ist Jeremy Lamb. Der ehemalige Teamkollege von DBB-Talent Niels Giffey bei den UConn Huskies ist robuster als Rivers und hat deutliche Grössenvorteile.
Nach einer starken Saison und dem Meistertitel an der Seite von Charlottes Kemba Walker kam er 2011/2012 nicht mit der Rolle als Anführer klar. Bisweilen neigt der Scharfschütze zum Phlegma.
* Small Forward
Nowitzki ist als Power Forward gesetzt, einen Backup oder Nachfolger für den Finals-MVP von 2011 werden die Mavs wohl nicht in Betracht ziehen.
Die kleine Flügelposition bietet ohnehin mehr Potenzial. Der 1,98 Meter grosse Terrence Ross spielte an der Alma Mater der deutschen Legende Detlef Schrempf für die Washington Huskies.
Er bewies sich dort als sehr guter Shooter und Verteidiger. Seine Vielseitigkeit macht ihn auch zu einer Alternative auf der Position des Shooting Guards - als Typ erinnert er an den jungen Shawn Marion.
Ross' Namensvetter Terrence Jones hat exzellente körperliche Voraussetzungen. Mit 2,06 Meter und 114 Kilogramm ist er bereits in jungen Jahren ein echter Schrank.
Er ist extrem athletisch und hat ein gutes Händchen aus der Mitteldistanz. Im Trikot der Kentucky Wildcats gewann der 20-Jährige im April die College-Meisterschaft. Jones könnte auch als Power Forward eingesetzt werden. Ein Fragezeichen steht hinter seiner Einstellung, manchmal taucht er völlig ab.
Vor der Haustür der Mavs spielten zudem Perry Jones und Quincy Miller für die Baylor University in Waco, Texas. Sie werden ebenfalls in Dallas gehandelt und stellen eine Mischung aus Ross und Jones dar.
* Center
Wenn es im Draft nur um den Namen ginge, wäre der brasilianische Hüne Fab Melo gewiss die richtige Wahl. Der Center ist schon jetzt ein echter Abwehrspezialist, der für die Syracuse Orange im Schnitt fast drei Blocks pro Spiel sammelte.
Sein Repertoire im Angriff ist dagegen äusserst beschränkt. Zudem verpasste er Teile der Saison wegen akademischer Probleme und spielte ausschliesslich in einer Zonenverteidigung. Er könnte zum Volltreffer oder Flop a la Hasheem Thabeet werden.
Leichtfüssiger und spielintelligenter ist Meyers Leonard. Der 20-Jährige aus Illinois erinnert von seiner Spielweise an Tyson Chandler. Er verteidigt, holt Rebounds und kann unter dem Korb abschliessen.
Vier Jahre College-Erfahrung bringt Tyler Zeller mit. Marshalls Teamkollege bei den UNC Tar Heels ist ein ausgereifter Center, der aber nicht so viel Potenzial wie Melo oder Leonard besitzt.
Auch Forward/Center Arnett Moultrie wäre eine Möglichkeit. In der gleichen Liga wie der designierte Top-Pick Anthony Davis holte er für Mississippi State mehr Rebounds als der Jungstar.
SPORT1










