Aus dem Knast in die NFL? Banks lebt seinen Traum
Von Eric Böhm
München - Einen Vertrag hat er noch nicht in der Tasche, aber Brian Banks könnte trotzdem kaum glücklicher sein.
In den vergangenen Wochen nahm das Leben des einstigen Linebacker-Talents eine wundersame Wendung, die ihn in ein NFL-Trikot führte.
Für eine Tat, die er nicht begangen hatte, verlor der damals 17-Jährige zehn Jahre seines Lebens. Am 24. Mai wurde Banks endlich von einem Gericht rehabilitiert und absolvierte seitdem für diverse Teams Probetrainings.
"Es ist mehr als ich mir je vorstellen konnte. Es hat mich überwältigt. Ein Helm und ein Trikot mit meinem Namen auf dem Rücken zu tragen, war ein fantastisches Gefühl", sagte der 26-Jährige nach seinem Tryout für die Seattle Seahawks.
Unfassbarer Rat eines Anwalts
Vor zehn Jahren war er von einer Mitschülerin der Vergewaltigung bezichtigt worden und bekam eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren aufgebrummt.
Banks hatte zwar immer seine Unschuld beteuert, aber ein skandalöser Rat seines Anwalts bewegte ihn letztendlich zu einem Teilgeständnis.
Trotz fehlender DNS-Beweise oder anderer Indizien prophezeite ihm sein Rechtsbeistand aufgrund seiner Statur, seines Alters und seiner Rasse eine Strafe von mindestens 40 Jahren.
"Ich habe mich immer wieder geweigert. Dann habe ich schliesslich zugestimmt. Ich wollte nicht mein ganzes Leben im Gefängnis verbringen", erklärte Banks.
Facebook bringt die Wende
Letztlich sass er etwas mehr als fünf Jahre ab. Danach trug er eine elektronische Fussfessel und musste sich als Sexualstarftäter registrieren lassen.
Vor etwas mehr als einem Jahr traf Banks ein Paukenschlag. Das angebliche Opfer schickte ihm eine Facebook-Anfrage. Sie wollte "die Vergangenheit ruhen lassen" und sich mit ihm treffen.
Banks engagierte daraufhin einen Privatdetektiv, der das Gespräch aufzeichnen sollte. Dabei bestätigte Wanetta Gibson, dass er sie nicht vergewaltigt hatte.
"Sie hat es ganz klar gesagt. Ich glaube, sie wollte wieder mit mir zusammenkommen. Einen anderen Grund habe ich nicht gefunden", vermutete der unschuldig Verurteilte.
Mit Hilfe des "California Innocence Project" erreichte Banks eine Wideraufnahme seines Verfahrens und wurde tatsächlich rehabilitiert.
Carroll erinnert sich
All die Jahre hatte er seinen Traum von der NFL nicht aufgegeben und seit Oktober allein hart trainiert. Nur wenige Tage nach seiner Aufsehen erregenden Verhandlung meldeten sich gleich mehrere Teams und boten ein Probetraining an.
Die Seattle Seahawks bemühten sich besonders stark um den Kalifornier. Deren Coach Pete Carroll hatte das Ausnahmetalent 2002 als damaliger Trainer der USC Trojans für seine College-Mannschaft rekrutieren wollen.
Nach einer guten Trainingseinheit durfte der Middle Linebacker sogar an dem offiziellen Minicamp der Seahawks teilnehmen und zog sich hervorragend aus der Affäre.
"Ob er einen guten ersten Eindruck gemacht hat? Er hat einen grossartigen ersten Eindruck gemacht. Er bringt viel Spielintelligenz mit und merkt sich alles", lobte Linebacker-Coach Ken Norton Jr. den speziellen Rookie.
"Würde mir die Welt bedeuten"
Für einen Vertrag reichte es in Seattle, San Diego, Kansas City oder San Francisco zwar nicht, aber die Einladung in ein Vorbereitungscamp im Juli scheint wahrscheinlich - unter anderem zeigt Washington Interesse.
"Es ist eine Ehre, ernst genommen zu werden. Mir fehlen natürlich noch die Automatismen. Ich habe ja seit fast elf Jahren nicht gespielt, aber ich gebe nicht auf", betonte Banks.
Seine Klage gegen den Staat - er fordert 100 Dollar für jeden Tag seiner Gefängnisstrafe - wird ihn wohl aller wirtschaftlichen Probleme entledigen, aber darum geht es ihm nur in zweiter Linie.
"Ich glaube, den Moment zu geniessen, ist für mich die wichtigste Lektion. Ich habe meine Freiheit wieder. Aber ein Tag oder eine Saison als NFL-Spieler würde mir die Welt bedeuten", betonte Banks. Es gibt wohl kaum jemanden, der ihm das nicht gönnen würde.
SPORT1










