Miami Thrice: Geläutert auf dem Olymp
Von Eric Böhm
München/Miami - So gern hat LeBron James vermutlich noch nie an einer Pressekonferenz teilgenommen.
Vom Champagner-Duschen bis auf die Knochen durchgeweicht und mit einem breiten Grinsen im Gesicht stellte sich der Superstar der Miami Heat den Fragen der Journalisten.
Kurz zuvor hatte er sein Team mit einem überragenden Triple-Double im fünften Finale gegen die Oklahoma City Thunder zum deutlichen 121:106 und dem langersehnten NBA-Titel geführt.
"Es bedeutet mir alles und mehr. Ich habe von diesem Moment und dieser Möglichkeit lange geträumt. Jetzt ist es Wirklichkeit geworden. Ich habe mich nie besser gefühlt", gestand der 27-Jährige.
"Es wurde verdammt nochmal Zeit"
Nach neun langen Jahren durfte er endlich die Larry O'Brien Trophy in die Luft stemmen und wurde darüber hinaus auch hochverdient zum MVP der Finalserie gekürt.
Ähnlich dominant trat zuletzt Tim Duncan von den San Antonio Spurs 2003 auf - er wurde ebenfalls zum MVP der Saison gewählt und schaffte in der entscheidenden Partie ein Triple-Double.
"Ich bin ein NBA-Champion. Es wurde verdammt nochmal Zeit. Es wurde verdammt nochmal Zeit", schrie LBJ seinen über Jahre angestauten Frust des Versagens heraus.
Durchbruch als Team
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass James seinen persönlichen Knoten in den wichtigen Spielen erst durchbrach, als das gesamte Team endlich gut funktionierte.
In den Finals 2011 ging er als mental labiler Einzelkämpfer noch ähnlich unter wie 2007 mit den Cleveland Cavaliers.
Der ganz grosse Triumph gelang nun einem zusammengewachsenen Team, das zwar immer noch hauptsächlich auf seine drei All-Stars James, Dwyane Wade und Chris Bosh vertraut, aber einige wertvolle Rollenspieler besitzt.
Mavs-Taktik als Schlüssel
Von Shane Battier in den ersten beiden Finals über Mario Chalmers und Norris Cole in Spiel 4 bis hin zu Mike Miller, der den Thunder trotz ständiger Knieprobleme im entscheidenden Duell gleich sieben Dreier einschenkte - immer überraschte ein anderer Nebendarsteller.
Dieses Erfolgsrezept haben ihnen Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks 2011 vorgemacht. Während James oder Wade ihre Aktionen vor der Mavs-Bank feierten oder Nowitzkis Erkältung nachahmten, führte Dirkules sein Team konzentriert und nüchtern zum Titel.
"Wir hatten es uns leichter vorgestellt, aber im letzten Jahr war es Dallas' Zeit und nicht unsere. Diese bittere Erfahrung hat uns nun zu Champions gemacht", bestätigte Wade.
"Er ist ein Phänomen"
Entsprechend geläutert präsentierte sich Miami schon in den Conference Finals gegen die Celtics. James' cooler 45-Punkte-Auftritt in dem Must-Win-Spiel in Boston ist bereits legendär.
Erst in einem funktionierenden Team konnte James seine Blockade lösen und seine herausragende Übersicht optimal ausspielen, ohne immer der Mittelpunkt des statischen "Hero-Ball" sein zu müssen.
In den Finals kam der Forward durchschnittlich auf fantastische 7,4 Assists pro Partie - der gegnerische Aufbauspieler Russell Westbrook kam nur auf 6,6.
"Jetzt sind die Finals rum. Also kann ich sagen, dass LeBron wirklich hervorragend gespielt hat. Auf dem Feld konnte ich spüren, wie konzentriert und fokussiert er war. Er ist ein Phänomen", musste auch sein grosser Konkurrent Kevin Durant anerkennen.
Neuer Zusammenhalt
Zudem kam er in den Playoffs im Schnitt auf über 30 Punkte sowie zehn Rebounds, gab der herausragenden Verteidigung halt und überzeugte auf drei oder vier verschiedenen Positionen.
Der neue Teamgeist zeigte sich auch in den letzten Minuten der Saison, als das Team einen Einsatz des Veteranen Juwan Howard forderte, der so nach 18 NBA-Jahren seine erste Meisterschaft auf dem Feld feiern durfte. Bosh, Wade und Miller bissen sich trotz Verletzungen durch.
"Wir haben unsere Lektion auf die harte Tour gelernt. Es war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben uns mit Leidenschaft und Wille durchgesetzt", bilanzierte Coach Erik Spoelstra.
Zu viele Fehler
Den Thunder blieb dagegen nur die Erkenntnis, dass diese Bühne für sie noch zu gross war.
Einfache Ballverluste, zu viele Sprungwürfe und eine durchschnittliche Verteidigung gegen eine Mannschaft ohne Center liessen sich nur in Spiel 1 kompensieren, als Miami mit wenig Erholungszeit nach Oklahoma City kam.
Wenn sie dieses Team zusammenhalten können, werden sie in den kommenden Jahren mit zunehmender Cleverness weitere Titelchancen bekommen - das Potenzial der jungen Truppe ist unbestritten.
"Sie waren einfach das bessere Team. Wir haben vor und während der Spiele alles getan, um sie zu schlagen, aber es hat nicht gereicht. Wir wollen besser zurückkommen", meinte Westbrook.
SPORT1










