''Grösster Moment!'' King James vor der Krönung
Von Eric Böhm
München - So nah war er noch nie dran: LeBron James fehlen noch 48 Minuten, um seinen grossen Makel zu beseitigen.
Der Superstar der Miami Heat hat gegen die Oklahoma City Thunder endlich seine Unfähigkeit in NBA-Finalspielen abgelegt und ist im neunten Anlauf nur noch einen Sieg von der ersehnten Meisterschaft entfernt.
Entsprechend unternimmt James auch keinen Versuch, die Bedeutung von Spiel 5 für ihn persönlich herunterzuspielen.
"Es könnte der grösste Moment werden. Dafür habe ich gearbeitet. Ich habe einen Job zu erledigen, er ist noch nicht vorbei", betont der dreimalige MVP.
Lob von Barkley
Mit dem vierten Sieg in Folge gegen die jungen und zuletzt mental überforderten Thunder würden "Miami Thrice" und speziell James ihre zahlreichen Kritiker auf einen Schlag verstummen lassen.
Der Ballast der mühsamen Jahre in Cleveland, der heute selbst von LBJ bereute Wechsel-Zirkus nach Miami und die verlorenen Finals 2011 gegen Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks würde der Vergangenheit angehören.
"Wir alle haben ihn kritisiert. Sobald er aber eine Meisterschaft gewinnt, gehört er zu den zehn besten Spielern aller Zeiten. Es gab nie einen Spieler, der physisch so begünstigt war und nahezu alles kann. Es ist eine Ehre, ihn spielen zu sehen", eröffnet die keineswegs zimperliche NBA-Legende Charles Barkley schon die Laudatio auf den "King".
Krämpfe kein Problem mehr
Der in den USA unmittelbar nach der vierten Partie zum Heldenmythos verklärte Kampfgeist des von Krämpfen geplagten Forwards trägt zur neuen Wahrnehmung bei.
Solchen Ausnahmesituation zu trotzen, kommt gut an - obwohl die Dehydrierung auf das Konto von James und seiner Betreuer geht.
Für Spiel 5 besteht keine Besorgnis. "Ich fühle mich schon viel besser und werde in jedem Fall spielen", kündigt LBJ an.
Viel Unterstützung
Nicht nur der Heimvorteil spricht für das schnelle Ende der Serie. Neben James' allumfassender Dominanz als Scorer, Ballverteiler und Defensiv-Stopper werden auch seine Teamkollegen immer stärker.
Dwyane Wade hat seine Schwächephase aus den Conference Finals überwunden. Chris Bosh neutralisiert Oklahomas Stärke unter den Körben.
Dazu kommen - ähnlich wie bei Nowitzkis Mavericks 2011 - überraschende Auftritte einiger Nebenakteure wie der Guards Mario Chalmers und Norris Cole oder des Scharfschützen Shane Battier.
"Wir haben uns über die gesamte Saison als Team enorm verbessert. Jetzt fühlt sich jeder in seiner Rolle wohl. Trotzdem denke ich, wir haben unser bestes Spiel noch nicht gezeigt", meint Wade.
"Eine Chance haben wir noch"
Das grösste Problem für die Thunder ist aber die ausgezeichnete Verteidigung Miamis.
Das gefährliche Duo Kevin Durant und Russell Westbrook muss für seine respektablen Punktausbeuten hart arbeiten, wird aber dadurch zermürbt und in Foulprobleme (Durant) oder Ballverluste (Westbrook) gezwungen.
Der Rest der in den Playoffs der Western Conference noch so ausgeglichenen Truppe kommt im Angriff ohnehin nicht zum Zug.
Sixth Man James Harden läuft in der Abwehr James oder Wade hinterher. Auch deshalb kann er seine grosse Dynamik im Angriff nie ausspielen und produziert zu viele Fahrkarten.
"Wir wollen nicht der rote Teppich zum Titel für sie sein. Wir kämpfen bis zur letzten Schlusssirene weiter. Eine Chance haben wir noch", verspricht Scoring-Champion Durant.
Perkins sauer
Zweifel bleiben: Selbst komfortabelste Führungen bringen keine Ruhe ins Thunder-Spiel. Stattdessen macht sich auf der grössten Bühne die Nervosität bemerkbar.
Das trifft auch auf Coach Scott Brooks zu. Zwang er nacheinander Dallas, den L.A. Lakers und San Antonio seine grosse und athletische Aufstellung auf, richtet er sich nun zu stark nach Miami.
Das wurde in Spiel 4 besonders deutlich. Trotz einer 17-Punkte-Führung brachte Brooks plötzlich Guard Derek Fisher für Center Kendrick Perkins. Die Heat nutzten das, um den Rückstand in Rekordzeit aufzuholen.
"Ich verstehe nicht, warum wir plötzlich umgestellt haben. Alles lief super. Danach gewannen sie alle drei Viertel. Wenn etwas nicht kaputt ist, sollte man es nicht reparieren", meckerte Perkins.
Geschichte spricht gegen OKC
Die Nerven liegen bei OKC blank. Auch die Historie weckt keine Hoffnung. Einen 1:3-Rückstand drehte in den Finals noch kein Team - immer war spätestens nach sechs Partien Schluss.
"Auf Zahlen gebe ich nicht so viel. Wir betrachten es wie ein Spiel 7. Sie werden alles versuchen, aber wir setzen noch einmal auf unsere bitteren Erfahrungen von 2011. Sie haben uns durch die gesamte Saison getragen. Jetzt können wir uns rehabilitieren", erklärt Miamis Trainer Erik Spoelstra.
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