Neuer Dopingskandal droht
Dem deutschen Spitzensport droht ein neuer Dopingskandal, am Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland könnte sich ein neuer "Fall Erfurt" entwickeln.
Wie der "Bayerische Rundfunk" berichtet, ist die Schwerpunktstaatsanwaltschaft München im Kampf gegen Doping einen entscheidenden Schritt vorangekommen und hat bei der Aushebung von illegalen Doping-Laboren neue Verbindungen in den Leistungssport aufgedeckt.
"Die Spuren führen sowohl zu medizinischen Abteilungen und zu medizinischem Personal im Spitzensport als auch direkt zum Athleten - also, dass der Athlet direkt als Abnehmer auftaucht", sagte Kai Gräber, Leiter der Schwerpunktstaatsanwaltschaft, dem "BR".
Seit der Eröffnung der Schwerpunktstaatsanwaltschaft München im Jahr 2009 sollen rund 15 illegale Labore ausgehoben worden sein.
Eine der Spuren führt zu einem Sportmediziner und ehemaligen Mitarbeiter des Olympiastützpunktes Rheinland-Pfalz/Saarland. Dieser soll von einem inzwischen verurteilten Dealer aus Bayern mit Dopingsubstanzen beliefert worden sein.
"Während seiner Tätigkeit für den Olympiastützpunkt hat der Professor Vorträge zum Thema Ernährungsberatung in ausgewählten Sportarten für Bundeskaderathleten und deren Trainer gehalten sowie auch vereinzelt Bundeskaderathleten in spezifischen Ernährungsfragen individuell beraten", teilte Stützpunktleiter Steffen Oberst schriftlich mit.
Die Zusammenarbeit sei mit Bekanntwerden der Vorwürfe am 8. Juni beendet worden.
Der Professor, gegen den ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen Verstosses gegen das Arzneimittelgesetz eingeleitet worden sein soll, sei seit 2009 für den OSP tätig gewesen.
Der Fall wird inzwischen von der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) untersucht. Weder die NADA noch ein Vertreter der Staatsanwaltschaft waren am Sonntag für eine Stellungnahme zu erreichen.
Erhärten sich die Vorwürfe, wäre der OSP Rheinland-Pfalz/Saarland nach dem Thüringer Stützpunkt in Erfurt der zweite mit einem Doping-Problem. Der Fall um den Erfurter Mediziner Andreas Franke zieht sich schon seit Monaten hin.
Zuletzt hatte die NADA ein erstes Sportschiedsgerichts-Verfahren gegen einen Athleten eingeleitet, der vor dem umstrittenen Stichtag 1. Januar 2011 bei Franke gewesen war.
