'Der gelbe König ist jetzt nackt'
Nach dem deutlichen UCI-Urteil gegen Lance Armstrong zeigt sich die internationale Presse erleichtert und begrüsst den Mut, dem Ex-Tourminator seine sieben Tour-Titel abzuerkennen. Nur aus den USA kommen wehmütige Töne.
SPORT1 fasst die internationalen Pressestimmen zusammen.
Frankreich:
"L'Equipe": "Die UCI wird ihre Glaubwürdigkeit nach dieser Geschichte nicht wiederbekommen, solange sie sich damit begnügt, die Siegerliste der Tour de France auszuradieren. Der Weltverband muss seine Arbeitsweise, seine Organisation und seine eigenen Verantwortlichen in Frage stellen."
"Le Parisien": "Am Montag, 22. Oktober, ist die Rad-Legende gefallen. Der amerikanische Held ist nicht mehr als ein zerschlagener Mythos."
Spanien:
"Sport": "Die grosse Lüge. Armstrong wird ein Leben lang gesperrt und hat keinen Tour-Titel mehr. Der tiefe Fall eines Idols."
"Marca": "Die Tour der Lügen. Die Liste der Titelträger von 1999-2005 ist leer wie eine Wüste."
Italien:
"Gazzetta dello Sport": "Game Over. Armstrong in der ganzen Welt verbannt. Pat McQuaid hat zwar die Kraft gehabt, über die Regeln hinaus Armstrong aus dem goldenen Album der Tour de France zu löschen, es hat ihm jedoch der Mut zu einem weiteren Schritt gefehlt: Er hat sich nicht entschuldigt und nicht die Verantwortung für die Unfähigkeit des internationalen Radsportverbandes übernommen, Doping einschneidender zu bekämpfen."
"Corriere dello Sport": "Der gelbe König ist jetzt nackt. Der Radsport war jahrelang eine Art unabhängige Republik oder ein Privatklub mit Geheimnissen. Niemand hat es bisher komisch gefunden, dass auch eine Muskelsammlung wie Armstrong sieben Mal die Tour de France gewonnen hat. "
"Tuttosport": "Armstrong ist vom Doping-Tsunami hinweggefegt worden. Der Ex-Held ist zum Dieb, zum Fälscher geworden. Der Texaner hat den Radsport zerstört und ihm Schäden in katastrophalem Ausmass zugefügt. Er hat einen Mythos vernichtet: Jenen eines Menschen, der eine schreckliche Krankheit wie Krebs besiegt und nicht nur normal, sondern sogar unbesiegbar zurückkehrt".
USA:
"Washington Post": "Lance Armstrongs Rekord von sieben Tour-Siegen machte eine Nischensportart weltweit bekannt. Er besiegte den Hodenkrebs und überschritt die Grenze des Sports, indem er Millionen von Menschen inspirierte, gesundheitliche Probleme zu überwinden. Am Montag sagte der Chef des Radsport-Weltverbandes, ein langjähriger Verteidiger Armstrongs, dass der Sport besser ohne ihn dran ist."
"Chicago Tribune": "Die Entscheidung zerstört Armstrongs letzte Hoffnung auf eine Säuberung seines Namens, nachdem er als enttarnter Dopingsünder eine Welle von Verurteilungen und Gerichtsprozessen ausgelöst hat."
England:
"The Sun": "Lance Armstrong wird Mega-Millionen verlieren, genau wie seine sieben Tour-de-France-Titel nach seiner widerlichen Doping-Schande."
Belgien:
"De Standaard": "Armstrongs beste Tour de France? Ein 36. Platz im Jahr 1995."
Niederlande:
"De Telegraaf": "Der Besen, mit dem der Weltverband gefegt hat, ging zur Enttäuschung vieler nicht durch die eigene Organisation."
"Algememeen Dagblad": "Nur auf Armstrong zu zeigen: Die UCI lässt alles beim alten. Und so verpasste McQuaid die einmalige Chance, alle Fenster und Türen zu öffnen, sodass ein frischer Wind wehen kann. Da sich McQuaid und seine verrosteten Kollegen weigern, Konsequenzen zu ziehen, müssen andere das Wort führen. In diesem entscheidenden Augenblick ist der gesamte Radsport für eine Veränderung verantwortlich."
"NuSport.nl": "Es geht ums Erkennen, Erkunden, Anpacken und Versöhnen. Vergessen ist etwas für Dummköpfe."










