Davis-Cup: Ferrer in der Höhle des Löwen
Prag/Frankfurt - In diesen Tagen schickt Rafael Nadal immer wieder Fotos durchs weltweite Web.
Es sind Hoffnungsschimmer, die den Dauerpatienten beim Aufbautraining auf Mallorca zeigen. Seit Ende Juni hat Nadal wegen einer chronischen Sehnenentzündung im Knie kein Match mehr bestritten.
Der French-Open-Sieger leidet - und er wird von Freitag bis Sonntag noch ein bisschen mehr leiden.
Wenn seine spanischen Kumpels im 100. Finale der Davis-Cup-Geschichte gegen Gastgeber Tschechien in Prag auf einem Turbocourt versuchen werden, den Titel zu verteidigen, bleibt Nadal nur die Rolle als Zuschauer und Edelfan.
Fünf Titel seit dem Jahr 2000
Vor knapp 14.000 frenetischen Fans in der Arena muss es für das dominante Team dieses Jahrtausends (fünf Titel seit 2000) diesmal also ein anderer richten.
Irgendwie passend erscheint da eine in Spanien veröffentlichte Fotomontage, die David Ferrer als römischen Gladiator Spartacus zeigt. Bereit, in der Höhle des Löwen gegen Tomas Berdych und Co. alles zu geben.
Ferrer liebt den Davis Cup
"Siege im Davis Cup verschaffen mir seit jeher die grösste Zufriedenheit. Es ist der Wettbewerb, der mich schon als Kind am meisten fasziniert hat", meinte Ferrer, der Weltranglistenfünfte, der auch irgendwie eine Nummer eins ist.
Der Beste vom Rest sozusagen - hinter den fantastischen Vier ("Fab Four") mit Novak Djokovic, Roger Federer, Andy Murray und eben Nadal.
Sieben Titel hat Ferrer in dieser Saison gewonnen, so viele wie kein anderer. Der 30-Jährige, der im Davis Cup eine Einzelbilanz von 21:4 Siegen aufweist, ist aber trotzdem so etwas wie der Schattenmann der Szene.
Unbekannt und glücklich darüber
"Ich werde nicht so oft erkannt. Die Leute kennen eben eher Roger oder Djokovic, weil sie die wichtigen Trophäen gewonnen haben und nicht ich", sagte Ferrer. Der nur 1,75 Meter grosse Mann mit dem grossen Kämpferherz versichert dennoch glaubhaft: "Das ist perfekt für mich und macht mir nichts aus."
Am Wochenende wird er im bedeutendsten Mannschafts-Wettbewerb des Tennissports im Blickpunkt stehen.
Zwei Einzelsiege von Ferrer, der am Freitag zum Auftakt auf Radek Stepanek trifft, haben die Spanier eingeplant.
Dazu noch ein Erfolg des Doppels Marcel Granollers/Marc Lopez, das in London gerade den World-Tour-Titel gewann, und die Armada wäre auch ohne Anführer Nadal ihrem Namen gerecht geworden.
Erinnerung an 2009
Doch die Tschechen setzen nach der bitteren 0:5-Finalpleite gegen Spanien 2009 in Barcelona drei Dinge dagegen: Den Heimvorteil, einen ultraschnellen Court namens "Novacrylic Ultracushion" und eben das Fehlen von Nadal.
"Das alles spricht für uns. Und es sind grosse Vorteile", meinte Tomas Berdych, Spitzenspieler des tschechischen Quartettes und Nummer sechs der Welt: "Wir sind bereit zu kämpfen und werden unsere Chance zur Revanche bekommen."
Da die tschechischen Frauen jüngst den Fed Cup holten, wäre es das erste Mal seit 1990 (damals die USA), dass eine Nation in einer Saison die beiden bedeutendsten Teamwettbewerbe im Tennis gewinnt.
Ivan Lendl fungiert als Glücksbringer
Als Glücksbringer stattete Ivan Lendl dem Gastgeber-Team in dieser Woche einen Besuch ab.
Die Ikone stand in der Mannschaft der damaligen Tschechoslowakei, die 1980 den bislang einzigen Davis-Cup-Titel für das Land holte.
"Das Finale ist völlig offen", sagt Novak Djokovic. Der Weltranglistenerste hatte 2010 mit Serbien den vierstöckigen Silber-Cup gewonnen und die spanische Vorherrschaft zumindest für ein Jahr unterbrochen. Rekordsieger sind die USA mit 32 Titeln.
Die Psychospielchen in Prag jedenfalls sind schon in vollem Gange. Berdych stichelte gegen die spanische Nummer zwei Nicolas Almagro: "Er hat nicht das gewisse Etwas, was einen grossen Spieler ausmacht", sagte der Tscheche über die Nummer elf des Rankings.
Berdych/Stepanek im Doppel
Für die Gastgeber wird neben Berdych Radek Stepanek (ATP-37.) im Einzel antreten, wahrscheinlich kommen die beiden auch statt des nominellen Doppels Lukas Rosol/Ivo Minar zum Einsatz.
Ihre bislang einzige Niederlage in zwölf Davis-Cup-Matches kassierten Berdych/Stepanek ausgerechnet vor drei Jahren im Palau Sant Jordi von Barcelona. Sie besiegelte den spanischen Triumph.
"Doch alles, was damals gegen uns war, haben wir jetzt auf unserer Seite", erklärte Berdych siegesgewiss.
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