''Keine Vertrauensbasis'': Teamchef Kühnen wirft hin
Köln - Patrik Kühnen hat die Brocken hingeschmissen und ist ab 2013 nicht mehr Davis-Cup-Teamchef des DTB. .
"In den vergangenen Wochen habe ich den Eindruck gewonnen, dass mir die nötige Unterstützung und Rückendeckung des Deutschen Tennis Bundes fehlt. Ich sehe deshalb keine Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit und beende an dieser Stelle die Gespräche über die Fortsetzung meiner Tätigkeit mit dem DTB", teilte der 46-Jährige am Mittwoch in einer per Mail versandten Presseerklärung mit.
Ein Nachfolger steht noch nicht fest, gehandelt werden unter anderem die früheren Davis-Cup-Spieler Rainer Schüttler, Alexander Waske und Michael Kohlmann sowie der ehemalige Profi Carsten Arriens.
"Wir werden jetzt schnellstmöglich die Gespräche aufnehmen und rechnen mit einer Entscheidung noch vor Weihnachten", sagte DTB-Präsident Karl Altenburg.
Der DTB wird auf Basis eines klaren Anforderungsprofils Gespräche mit geeigneten Kandidaten führen. Eine besondere Rolle soll dabei auch die Erweiterung des Tätigkeitsbereichs auf den Nachwuchs spielen.
Becker hat klare Vorstellungen
Boris Becker hat derweil konkrete Vorstellungen über Kühnens Nachfolge.
"Er muss sich im Spannungsfeld mit den Spielern, Beratern und dem DTB-Präsidium bewegen. Er sollte vor allem ein gutes Händchen haben", sagte Becker:
"Dazu sollte er selbst ein Weltklassespieler gewesen sein, der sich auf den Plätzen auf der Welt auskennt. Ausserdem sollte er nicht zu alt sein, um die Sprache der Spieler zu sprechen."
Einen persönlichen Favoriten hat Becker allerdings nicht: "Ich möchte niemanden ins Feuer werfen."
Absage von Stich
Michael Stich wird allerdings nicht zurückkehren. Der 44-Jährige hatte das Team vor Kühnen ein Jahr lang geführt.
"Ich habe nicht die Zeit dafür", sagte der Wimbledonsieger von 1991 der "Bild" und bedauerte Kühnens Rücktritt:
"Patrik hat zehn Jahre seine Zeit und Energie zur Verfügung gestellt und das Optimale daraus gemacht. Die Spieler sollten sich fragen, ob sie immer das Beste im Daviscup geleistet haben."
Altenburg nicht überrascht
Der zuletzt heftig umstrittene Kühnen kam mit seinem Rücktritt möglicherweise einer Entscheidung des DTB zuvor, den Ende 2012 auslaufenden Vertrag mit ihm nicht mehr zu verlängern.
"Sein Schritt kommt nicht überraschend, da sich in vielen Gesprächen mit Patrik Kühnen und den Spielern abgezeichnet hat, dass ein Neuanfang die beste Lösung für das deutsche Herrentennis ist", sagte Altenburg.
Der dreimalige Wimbledonsieger Becker verteidigte seinen ehemaligen Weggefährten:
"Ich kann seinen Schritt absolut nachvollziehen und halte ihn für ehrlich und direkt. Wenn man keine Rückendeckung vom Präsidium mehr hat, gibt es gar keine Alternative, ausser sich zurückzuziehen."
"Schwierige Charaktere" als Problem
Becker sieht auch das Verhältnis zu den Spielern als Grund für die Trennung.
"Patrik musste mit schwierigen Charakteren wie Kohlschreiber, Mayer und Petzschner umgehen und hat es geschafft, in all der Zeit die Kräfte zu bündeln. Er konnte sich nie nur auf das Sportliche konzentrieren, sondern musste auch immer Politik betreiben. Das finde ich a la bonne heure."
Vor allem das Votum der Spieler, an der Spitze Deutschlands Nummer eins Philipp Kohlschreiber, hatte den DTB in eine Zwickmühle gedrängt.
"Kohli" versteht Kühnens Schritt
Bei einem internen Treffen in Paris wollte sich in der vergangenen Woche kein Profi eindeutig pro Kühnen äussern.
Kohlschreiber hatte gar seine Teilnahme am Davis-Cup-Auftakt 2013 in Argentinien vom Abschied Kühnens abhängig gemacht.
"Ich kann die Entscheidung von Patrik nachvollziehen und verstehen", sagte Kohlschreiber am Mittwoch:
"Jetzt hoffe ich, dass schnell ein Nachfolger gefunden wird und wir mit dem bestmöglichen Team im Februar nach Argentinien reisen können."
Streit schwelt seit Februar
Der Streit im Davis-Cup-Team schwelt bereits seit der Erstrundenniederlage im Februar in Bamberg gegen Argentinien.
Die Auseinandersetzung Kühnen gegen Kohlschreiber spitzte sich immer weiter zu. Zuletzt hatte in dem Theater um Kühnen der Hauptsponsor der deutschen Davis-Cup-Mannschaft, der Lebensversicherer Atlanticlux, sein Engagement fristlos gekündigt.
Die FWU Group, zu der auch Atlanticlux gehört, sponsorte den DTB und Kühnen persönlich.
SPORT1










