Poolparty zum Abschluss eines Fabel-Jahres
Istanbul - Am Ende einer atemberaubenden Saison musste Angelique Kerber erst einmal tief Luft holen.
Mit einem mitternächtlichen Sprung in voller Montur in einen Istanbuler Hotelpool feierte die ansonsten eher zurückhaltende Kielerin ihren Durchmarsch in die Weltspitze.
Dass Kerber die Krönung eines Traumjahres durch das vorzeitige Scheitern beim WTA-Masters am Bosporus versagt blieb, ging im kalten Chlorwasser fast unter.
An ihrem ersten offiziellen Urlaubstag nach 82 Matches sass die Wimbledon-Halbfinalistin bestens gelaunt im Spielerinnen-Hotel Polat und konnte sich ihren Höhenflug von Platz 32 bis auf Rang fünf der Weltrangliste auch noch nicht erklären.
"Ich brauche noch ein bisschen Zeit, um alles zu realisieren, was in diesem Jahr passiert ist", sagte Kerber und schaute verträumt aufs Mittelmeer.
Auch als die 24-Jährige am Abend zuvor mit ihrem Team zusammengesessen hatte, "kamen wir zu keinem Entschluss, warum alles so schnell ging."
Mädels-Urlaub vor dem "Bestätigungsjahr"
Vielleicht kommt die Erleuchtung im anstehenden Mädels-Urlaub mit Schwester Jessica und einer Freundin.
Wohin es für gut eine Woche geht, darf Kerber entscheiden. Die Malediven sind wohl der Favorit.
Das Racket lässt sie zuhause, "die Laufschuhe", berichtet Kerber, "die kommen aber mit."
Schon am 15. November beginnt die Saisonvorbereitung mit einem ersten Trainingscamp in Polen.
2013 wird ein "Bestätigungsjahr", wie die Fed-Cup-Spielerin sagt.
Kerber erarbeitet sich Respekt
Dass sie endgültig angekommen ist im Konzert der Grossen, hat die Linkshänderin aber besonders in den Tagen von Istanbul deutlich gespürt - trotz ihrer drei Niederlagen in drei Matches .
"Sogar Maria Scharapowa hat drei Sätze zu mir gesagt. Unter anderem: Willkommen in Istanbul", erzählte Kerber ehrfürchtig über die Kontaktaufnahme der grossen Russin.
Scharapowa, Serena Williams und Co. respektieren die sympathische Deutsche mittlerweile.
"Die reden jetzt anders mit einem", sagt sie, nicht ohne sich über das Denken in Platzierungs-Kategorien zu wundern: "Für mich ist jeder Mensch gleich."
Aufschlag und Fitness sollen verbessert werden
Mit allzu grossspurigen Zielsetzungen für das nächste Jahr hält sich Kerber, die sich in den vergangenen Monaten von einer schüchternen zu einer offenen jungen Frau entwickelt hat, zurück.
"Wenn man sich zum Beispiel auf einen Grand-Slam-Sieg oder die Nummer eins fokussiert, klappt es nicht. Ich will mich dort beweisen, wo ich jetzt bin", sagte die Kopenhagen-Gewinnerin.
Kerber sieht noch viel Verbesserungspotenzial.
Allen voran am Aufschlag und der Fitness soll in der Off-Season gefeilt werden, die diesmal wegen ihrer Masters-Teilnahme kürzer ausfällt als im letzten Jahr.
Ein Konditions-Block mit Andrea Petkovic (Darmstadt) ist im Gespräch.
Mit professionellerem Umfeld zum Erfolg
Ausserdem will sie ihr Umfeld weiter professionalisieren, um den grossen Wurf zu realisieren.
Kerber: "Ich möchte in zehn Jahren sagen, ich habe alles probiert."
In den vergangenen Wochen gehörte in Andre Kreidler erstmals ein Physiotherapeut zum Team.
Zum 1. Dezember wechselt Kerber, die auch immer wieder mit Mentaltrainer Holger Fischer arbeitet, zudem das Management.
Wahrscheinlich ist, dass eine Agentur den Zuschlag erhält, in der die Kielerin als einziger Tennisprofi vermarktet wird. Kerber erhofft sich davon auch mehr Werbeverträge.
"2013 wird kein leichtes Jahr"
Die Zeit, in der sie sich ob ihrer Erfolge wie "Angie im Wunderland" fühlt, ist langsam vorbei .
Druck spüre sie derzeit zwar noch nicht, "aber 2013 wird kein leichtes Jahr", sagt der Blondschopf - und verabschiedete sich hoch erhobenen Hauptes aus Istanbul.
Die Insel ruft.
SPORT1










