Petkos Wiederauferstehung: ''Bin wieder die alte''
München/Luxemburg - Die Monate voller Zweifel sind vorbei, die Gewissheit ist zurück.
Andrea Petkovic feierte ihre Halbfinal-Niederlage in Luxemburg, bei der sie nur knapp mit 7:5, 4:6, 4:6 gegen die frühere Weltranglistenerste Venus Williams (USA) verlor, wie eine persönliche Wiederauferstehung.
"Das war das erste Turnier seit meinem Comeback, bei dem ich mich wie die alte Andrea Petkovic gefühlt habe. Ich habe gemerkt, dass ich wieder das hohe Level erreichen kann, das ich schon einmal hatte", sagte die Darmstädterin.
Rittner ist stolz
Das letzte offizielle Match von Petkovic in ihrem Seuchenjahr mit zwei schweren Verletzungen und über siebenmonatiger Pause wurde zum Hoffnungsschimmer für die kommende Saison.
"Petko wird 2013 zurückkommen, da bin ich mir ganz sicher. Da ist noch so viel, was sie erreichen kann", sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner und teilte ihrer ehemaligen Nummer eins mit: "Ich bin stolz auf dich."
"Habe an mir gezweifelt"
Die sichtlich bewegte Petkovic liess nach der wohl schönsten Niederlage ihrer Karriere tief blicken.
"Dieses Gefühl jetzt ist sehr wichtig für mich. Ich habe die letzten Wochen an mir gezweifelt. Aber mit meinem Spiel war ich hier richtig zufrieden", sagte die 25-Jährige, 2012 wegen Rückenverletzung (Januar) und Sprunggelenk-OP (April) von Weltranglistenplatz zehn zwischenzeitlich bis auf Rang 192 abgestürzt .
Fotoshooting statt Interviews
Nach ihrem Comeback im August hatte "Petko" nur zwei der ersten sieben Matches gewinnen können - und viel Lehrgeld bezahlt.
In Luxemburg kam jetzt die Wende. Exakt ein Jahr, nachdem die Einser-Abiturientin zuletzt in einem WTA-Endspiel gestanden hatte und danach als Ersatzspielerin zum Saisonabschlussturnier der besten Acht nach Istanbul gereist war.
Die "harten Zeiten" (Petkovic) haben bei der Frohnatur Spuren hinterlassen. Die sonst so eloquente Hessin zog sich zurück und lehnte ausführliche Interviews zum Thema Tennis ab.
Stattdessen nahm sie an einem Fotoshooting eines Frauen-Magazins teil, bei dem Charakterköpfe porträtiert wurden.
Petkovic mit viel Humor
Dass sie ihren Humor während der Durststrecke nicht verloren hat, bewies Petkovic unmittelbar nach dem verpassten Finale der mit 220.000 Dollar dotierten Hallenveranstaltung.
Ein Foto ihrer völlig abgelaufenen Tennisschuhe "twitterte" sie mit folgendem Kommentar: "Turnierstatus: Ich bin viel gerannt."
Nur ein paar Tage zuvor hatte sich die Eintracht-Frankfurt-Anhängerin noch ein Tape mit der Aufschrift "Don't ask" (Frag' nicht) auf die Stirn geklebt.
Grosse Anerkennung von Williams
Venus Williams, die am Sonntag im Endspiel von Luxemburg auf die Rumänin Monica Niculescu traf, glaubt an die Rückkehr von Petkovic in die Weltspitze.
"Sie ist so eine starke Gegnerin. Andrea hat überragend gespielt und immer attackiert", sagte die Amerikanerin.
Trainer Petar Popovic rechnet damit, dass Petkovic "mindestens zwölf Monate" brauchen wird, um wieder dorthin zu kommen, wo sie schon mal war: Auf Platz neun des Rankings.
Neues Jahr - "alte Petko"
Petkovic wird jetzt erstmal nach Indien fliegen und das Seuchenjahr Revue passieren lassen.
Kurioserweise scheinen die Verletzungen die konstanteste Grand-Slam-Spielerin von 2011 abseits des Courts wieder zurück auf den Pfad der Tugend geführt zu haben.
"Aus schlechten Dingen können gute werden. Ich bin als Mensch gewachsen. Ich war zuletzt egozentrisch und selbstsüchtig geworden", sagte die Fernstudentin.
2013 soll alles anders werden - mit der "alten Petko".
SPORT1










