1:1! Cooler Mayer gleicht aus und kritisiert DTB-Boss
Hamburg - Das Wetter in der Heimat des Deutschen Tennis Bundes (DTB) passte zur Gemütslage in der Nationalmannschaft.
Grau, trostlos und bedrückend hing der Himmel über der Anlage am Hamburger Rothenbaum.
Die Querelen um das Davis-Cup-Team wollen nicht abreissen, selbst am ersten Tag des wichtigen Relegationsspiels gegen Australien blieb die Aussendarstellung drittklassig.
Mayer bezwingt Hewitt
Florian Mayer liess sich davon nicht beeindrucken, glich ungewohnt beherzt zum 1:1 aus und bewahrte damit die Hoffnung auf den Klassenerhalt.
Zuvor war Youngster Cedrik-Marcel Stebe (Vaihingen/Enz) im unruhigen Umfeld seiner Aufgabe nicht gewachsen und verlor gegen Bernard Tomic 6:2, 3:6, 4:6, 6:7 (4:7).
Mayer, der in Abwesenheit der Topspieler Philipp Kohlschreiber und Tommy Haas die Bürde der Nummer eins trägt, setzte sich gegen den ehemaligen Weltranglistenersten Lleyton Hewitt mit 7:5, 6:3, 6:2 durch.
Kühnen lobt Mayer
"Das waren meine Bedingungen, kalt und langsam. Ich stand durch die Niederlage von Cedrik unter Druck, habe mich aber nach dem ersten Satz freigespielt", sagte Mayer, der ein grosses Lob von Teamchef Patrik Kühnen erhielt: `Ich bin erleichtert über den Ausgleich. Florian hat hervorragend gespielt, gekämpft und verdient gewonnen."
Petzschner/ Becker im Doppel
Immens wichtig für den Klassenerhalt ist nun ein Sieg im Doppel am Samstag (14 Uhr im LIVE-TICKER) zwischen Philipp Petzschner/Benjamin Becker und Lleyton Hewitt/Chris Guccione. "Das wird heissumkämpft", sagte Kühnen, "aber ich bin zuversichtlich."
Teamgeist gesucht
Vor der Partie hatte Patrik Kühnen unermüdlich versucht, Aufbruchstimmung zu erzeugen. Er hatte den formstarken Kohlschreiber als Stinkstiefel ausgemacht und ausgebootet, Gesellschaftsspiele sollten den lange vermissten Teamgeist zutage fördern.
"Nur im geschlossenen Team werden Kräfte frei", sagte Kühnen, und Florian Mayer ergänzte: `Alle Nebenkriegsschauplätze sind nun ausgeblendet."
Stich nennt das Ziel
Ex-Wimbledonsieger Michael Stich mahnte alle Beteiligten zur Besonnenheit. "Es geht doch hier nicht um die, die nicht da sind, es geht darum, Deutschland erstklassig zu halten", sagte er: "Nach der Partie sollten sich Patrik und natürlich auch der DTB mit allen an einen Tisch setzen und versuchen, die Probleme zu lösen."
Mayer kritisiert DTB-Boss
Mit der viel zitierten Ruhe und Konzentration auf die sportliche Aufgabe war es allerdings trotz aller gegenteiliger Beteuerungen schon vor dem ersten Aufschlag wieder vorbei. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" meldete sich ausgerechnet Mayer am Spieltag zu Wort und kritisierte Verbandspräsident Karl Altenburg.
"Das war nicht schön zu lesen"
Nach seiner Olympia-Absage sei er "sehr enttäuscht von den Aussagen von Herrn Altenburg" gewesen, sagte Mayer: "Das war nicht schön zu lesen. Ich habe Herrn Altenburg jetzt noch nicht darauf ansprechen können, und hier in Hamburg habe ich ihn auch noch nicht getroffen."
Altenburg hatte angeregt, nur noch Olympiastarter für den Davis Cup zu nominieren.
Waske greift Kühnen und Kohlschreiber an
Ex-Profi Alexander Waske tat derweil sein Übriges, um den trügerischen Frieden im deutschen Team nach Kräften zu stören. Im Gespräch mit der "FAZ" griff der frühere Doppelspezialist Kohlschreiber und Kühnen an und machte seinem Ärger über die Schieflage des deutschen Herren-Tennis Luft.
"Worüber reden wir? Wir reden über eine einzige Person: Philipp Kohlschreiber", sagte Waske: "Philipp Kohlschreiber macht seit Jahren, was er will."
Kapitän Kühnen, dessen Vertrag am Ende des Jahres ausläuft, warf er vor, nicht genug für den Teamgeist getan zu haben.
Keine Kultur
"Du brauchst die Bereitschaft aller Spieler, immer zu spielen, und das musst du dir über Jahre erarbeiten", sagte der 38-Jährige: "Es gibt keine Kultur bei uns, die das Miteinander pflegt."
Waske bereit als Kühnen-Erbe
Waske, der in seiner Akademie auf der Offenbacher Rosenhöhe erfolgreich mit Andrea Petkovic und Angelique Kerber trainiert, sagte ausserdem: "Der Teamchef muss das Team über das ganze Jahr beisammenhalten, damit sich die Spieler am Davis-Cup-Wochenende als Mannschaft fühlen."
Dabei brachte sich Waske sogar selbst als Kühnens Nachfolger ins Spiel: Wenn Patrik den Job irgendwann nicht mehr machen will, dann stehe ich bereit."
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