Neuer Vertrag? Kühnen braucht Argumente
Hamburg - In Österreich, das hat zumindest Tennis-Legende Thomas Muster einst so gesehen, darf sich der Davis-Cup-Teamchef nur um drei Dinge kümmern:
Wasser halten, Handtuch halten, Mund halten.
In Deutschland fallen Patrik Kühnen dagegen vor dem Relegationsduell mit Australien am Hamburger Rothenbaum (14. bis 16. September) existenzielle Aufgaben zu.
Um den Abstieg aus der Weltgruppe zu verhindern, muss Kühnen aus Einzelkämpfern ein Team formen. Und selbst, wenn diese Mission gelingt, ist sein Job nicht sicher.
Kaum Argumente für Kühnen
Nach zehn Jahren als Bundestrainer im Deutschen Tennis Bund (DTB) läuft Kühnens aktueller Vertrag am Jahresende aus.
Argumente für eine Verlängerung hat der Teamchef vor allem in diesem Jahr kaum gesammelt. Die Mannschaft verdient den Namen nicht mehr, die Spieler haben beim Power Horse World Team Cup in Düsseldorf offen gegen Kühnen geputscht, nun droht die zweite Liga.
Kühnen selbst will sich zu seiner Zukunft derzeit nicht äussern, überhaupt hat er lange geschwiegen.
"In dieser Woche ist die Vertragsverlängerung kein Thema. Es ist noch Zeit genug für alles, was besprochen werden muss", sagt der 46-Jährige, der während der US Open mit der Ausbootung seines besten Spielers ein lange erwartetes Zeichen setzte .
Unterstützung von Becker
Ohne Philipp Kohlschreiber sind die Chancen auf einen Sieg gegen Australien zwar gesunken, doch Kühnen hat an Profil gewonnen.
"Diese Entscheidung stärkt ihn eher. Patrik ist hundertprozentig der richtige Mann", sagt Boris Becker, und auch Verbandspräsident Karl Altenburg unterstützt seinen Teamchef: "Das Präsidium des Deutschen Tennis Bundes steht voll und ganz hinter der Nominierung für den Davis Cup gegen Australien."
Einen neuen Vertrag hat Kühnen dadurch allerdings noch nicht in der Tasche.
Waske steht bereit
In der Szene wird ausserdem längst ein neuer Name für Kühnens Job ins Spiel gebracht. Ex-Profi Alexander Waske trainiert erfolgreich mit Andrea Petkovic und Angelique Kerber in seiner Akademie auf der Offenbacher Rosenhöhe.
Der 38-jährige Waske hat Interesse an der Position des Bundestrainers.
"Wenn Patrik den Job irgendwann nicht mehr machen will, dann stehe ich bereit", sagte Waske. Gespräche mit dem DTB habe es allerdings noch nicht gegeben .
Aufgaben sind klar
Waske wäre ein Coach mit Konzept. Jemand, der nach eigener Aussage "brennen würde, für Deutschland auf der Bank zu sitzen".
Schon heute hat der frühere Doppelspezialist, der bei neun Davis-Cup-Einsätzen acht Siege feierte, klare Vorstellungen, welche Aufgaben ein Teamchef zu erfüllen hat.
"Er muss die Mannschaft das ganze Jahr über beisammenhalten und dafür sorgen, dass sich die Spieler als Team fühlen, wenn sie zusammenkommen", sagt Waske.
Genau das hat Kühnen bislang nicht geschafft.
Nationalhymne? Ein Muss
Unter Teamchef Waske dürfte sich auch niemand verstecken oder gar auf Olympia verzichten - im Gegenteil.
"Ich würde den Spielern vorschreiben, die Nationalhymne zu singen", sagt er: "Sie müssen es aus voller Lunge spüren, was es bedeutet, für Deutschland zu spielen."
Waske selbst "war immer der Lauteste, der gesungen hat".
Er wäre kein Teamchef nach Musters Geschmack. Wasser und Handtuch halten ja, aber ganz bestimmt nicht den Mund.
SPORT1










