Haas und Co.: Oldie-Attacke in New York
New York - Serena Williams klang neulich wie Carry Bradshaw aus dem amerikanischen Serienhit "Sex and the City".
Also recht passend vor Beginn der US Open in New York am Montag .
Sie holte kurz Luft - und plötzlich stand da ein Satz wie in Stein gemeisselt.
"30, das ist das neue 20", sagte Serena Williams und fuhr sich giggelnd wie ein Teenie durch die wallende Mähne.
Verbale Verjüngungskur der Marke Williams eben. Aber die derzeit kaum zu stoppende Olympiasiegerin hat recht.
Vor dem letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres dominieren vor allen Dingen die Profis die Schlagzeilen, die die 30er-Schallmauer schon durchbrochen haben.
"Das Alter ist nur eine Zahl"
So wie die mittlerweile viermalige Olympiasiegerin Williams (30) ist Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer (31) im Sommer Wimbledonsieger geworden.
Auch Cincinnati-Gewinnerin Li Na (30) und Tommy Haas, der mit 34 Jahren gerade seinen dritten Frühling erlebt, gehören zum Ü-30-Klub.
"Das Alter ist nur eine Zahl. Wichtig ist, dass du dich gut fühlst, dann ist noch viel möglich", sagt Haas, der im Juni 2011 nach insgesamt drei Schulter- und einer Hüft-OP nur noch die Nummer 896 des Rankings war.
Zum 15. Mal am Start
Inzwischen hat sich der Halle-Sieger von 2012 nach einem grossartigen Comeback auf Platz 22 des Rankings zurückgekämpft. Dank einer Zähigkeit und einer bis ins Detail geplanten Pflege des Körpers, auf die Haas in jüngeren Jahren nicht soviel Wert gelegt hat.
Aufs Altenteil zurückziehen will sich der gebürtige Hamburger mit Wohnsitz L.A. offenbar noch lange nicht. "Wenn ich am Ende der Saison zurückblicke auf dieses Jahr, werde ich wahrscheinlich denken: 'Holy Shit', was für ein Jahr habe ich da aus dem Nichts hingelegt", meinte der Finalist von Washington und Hamburg, der ab Montag in New York zu seinen insgesamt 15. US Open antritt.
Gegner in der Auftaktrunde ist Ernests Gulbis (Lettland). Das erste Mal schlug Haas 1996 in Flushing Meadows auf und verlor gleich gegen Michael Stich. Ein Match wie aus einer anderen Welt - zeitlich betrachtet.
Federer nimmt sich Agassi zum Vorbild
Ebenso wie Haas hat sich auch Roger Federer ein Beispiel an Steffi-Graf-Ehemann Andre Agassi genommen.
"Er hat uns vorgemacht, dass man auch mit 31 oder gar 34, 35 Jahren noch erfolgreich sein kann in diesem Sport", berichtete Federer über Vorreiter Agassi ("Die Entwicklung ist gut für das Tennis").
Jung Siegfrieds Zeiten scheinen vorbei
Der Schweizer ist gerade 31 Jahre alt geworden und hat sich dank seines 17. Major-Triumphs in Wimbledon an die Spitze der Weltrangliste zurückgekämpft.
Die Zeiten, in denen 17-jährige Leimener in die Rolle von Jung Siegfried schlüpfen und an der Church Road durchmarschieren, scheinen erstmal vorbei.
Sogar mit Olympia 2016 in Rio de Janeiro liebäugelt Federer, der im Gegensatz zu seinem Dauerrivalen Rafael Nadal wunderbar kraftsparend zu seinen Siegen zu schweben scheint.
Serena: Dramen für zwei Leben
Serena Williams wird altersmässig am 26. September zum "ewigen Roger" aufschliessen. Ihre Triumphe und Dramen reichen wahrscheinlich für zwei Leben. Nach einer Lungenembolie lag sie vor knapp zwei Jahren schon auf dem Sterbebett.
"Aber ich bin wieder aufgestanden und fühle mich fit wie selten zuvor", erklärte die älteste Wimbledonsiegerin seit Martina Navratilova 1990. Williams weiss, was die Stunde geschlagen hat. Sie hat gut lachen. Wohlwissend, dass 30 im Tennis das neue 20 ist.
SPORT1










