Charr fordert Klitschko mit Ghandi-Weisheit
Moskau/Berlin - Grosser Bahnhof für Vitali Klitschko und Herausforderer Manuel Charr in Moskau:
150 Journalisten und 180 Kamera-Teams verfolgten am Dienstag den Auftritt der beiden Kontrahenten, die am Samstag in der russischen Hauptstadt (23.00 Uhr) um die WBC-Krone im Schwergewicht boxen.
Klitschko gab sich trotz der ständigen Provokationen seines 14 Jahre jüngeren Rivalen äusserst gelassen und zeigte sogar Respekt vor dem Aufsteiger.
"Manuel ist ein Sportler, der der neuen Generation angehört. Als Weltmeister darf ich ihn nicht unterschätzen. Er ist jung, aggressiv und stark", sagte der Ukrainer.
Während Klitschko bislang 44 seiner 46 Profikämpfe gewinnen konnte, ist Charr in 22 Profikämpfen ungeschlagen.
Klitschko vor Wechsel in die Politik
Für Schwergewichts-Weltmeister Klitschko könnte es der letzte Kampf sein. Der WBC-Champion hat angekündigt, dass er in seinem Heimatland Ukraine in die Politik wechseln wolle.
Als Vorsitzender der Oppositionspartei Ukrainische Demokratische Allianz (UDAR) nimmt er an den Parlamentswahlen am 8. Oktober teil. Bei derzeitigen Umfragen kommt seine junge Partei auf 12 bis 15 Prozent und hat gute Chancen, den Einzug ins Parlament zu schaffen.
Klitschko hatte zuletzt mehrfach Korruption und Misswirtschaft in seinem Heimatland angeprangert.
Haye weiterhin interessiert
Lediglich ein Kampf gegen den Briten David Haye könnte den älteren der Klitschko-Brüder wohl noch zum Weitermachen bewegen.
Der Ukrainer würde das britische Grossmaul noch gern K.o. schlagen, bevor er seine Karriere beendet. Er hat die T-Shirt-Aktion des Briten mit den enthaupteten Klitschko-Brüdern noch nicht vergessen.
Und auch Haye, der im Sommer 2011 gegen Wladimir Klitschko nach Punkten unterlag, zeigte Interesse an einem Kampf: "Ich würde ihm liebend gerne den Titel entreissen."
"Am Ende gewinnst Du"
Doch zunächst muss Klitschko den aufstrebenden Deutsch-Syrer Charr aus dem Weg räumen.
Der 27 Jahre alte Newcomer, der sich selbst "Koloss aus Köln" nennt, gab sich betont selbstbewusst und machte sich ausgerechnet mit einem Zitat des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi für Samstag Mut.
"Zuerst ignorieren sie Dich, dann lachen sie über Dich, dann bekämpfen sie Dich und am Ende gewinnst Du", skizzierte Charr seine Situation vor dem Kampf seines Lebens.
Erst Gandhi, dann Ford
Doch damit nicht genug. Charr beliess es nicht bei Gandhi. Einmal warm geredet nahm der gebürtige Libanese auch eine sprachliche Anleihe beim US-amerikanischen Automobil-Pionier Henry Ford, um seinen Ehrgeiz trotz schwieriger Lage zu demonstrieren.
"Es gibt viel mehr Menschen die kapitulieren, als solche, die scheitern", sagte Charr.
Sdunek verspricht K.o.-Sieg
Charr ist bekannt für seine grosse Klappe und seine guten Nehmerqualitäten im Ring, die auch Klitschko rühmte.
"Er ist eine harte Nuss. Ich muss körperlich fit sein, um diese harte Nuss zu knacken", sagte "Dr. Eisenfaust". Trainer Fritz Sdunek fügte selbstbewusst an: "Vitali wird vorzeitig gewinnen, durch K.O.. Ich kenne Manuel Charr sehr gut. Und deshalb wissen wir auch, wie wir ihn nehmen müssen."
Bestes Angebot aus Russland
Der Mega-Fight am Samstag wird in 150 Länder übertragen.
Als Austragungsort waren zunächst auch Städte in Deutschland oder in der Ukraine vorgesehen, "doch aus Russland hatten wir einfach das beste Angebot", sagte Klitschko.
Ein Konglomerat aus russischen Geschäftsleuten liess den Rubel rollen und schnürte das grösste Millionen-Angebot, das beiden Boxern eine üppige Gage garantiert.
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