Tänzer Haye im Vorteil gegen Dampfwalze Chisora
Von Christoph Lother
München - "Rüpel-Duell", "Hass-Gipfel", "Freak-Show": Bei der Titulierung des Kräftemessens zwischen David Haye und Dereck Chisora überboten sich die internationalen Medien im Vorfeld selbst.
Ob die beiden Skandal-Boxer die hohen Erwartungen des seit Wochen verbal befeuerten Aufeinandertreffens am Samstag im Londoner Upton Park aber auch wirklich erfüllen können, ist doch sehr fraglich.
Immerhin liefen Haye und Chisora schon bei ihren letzten Auftritten jeweils nur ausserhalb der Ringseile zur Höchstform auf, innerhalb bestimmte überwiegend der Rückwärtsgang das Geschehen.
Haye enttäuscht gegen Wladimir
Besonders der damalige WBA-Weltmeister Haye enttäuschte bei seiner Niederlage gegen Wladimir Klitschko im Juli vergangenen Jahres auf ganzer Linie und musste sich nach Punkten klar geschlagen geben.
Ähnlich wie bei seinem sensationellen Erfolg über den russischen Hünen Nikolaj Walujew 20 Monate zuvor hatte der einst aus dem Cruisergewicht aufgerückte Haye auch gegen Klitschko eine defensivere und auf Konter ausgerichtete Taktik gewählt - dieses Mal aber ohne Erfolg.
Stattdessen kassierte der "Hayemaker" die zweite Niederlage seiner Profilaufbahn und die aufgrund seiner vollmundigen Vorankündigungen wohl bitterste Lektion seiner Karriere.
Chisora scheitert an Vitali
Auch Chisora wurde Mitte Februar von einem Klitschko unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, und zwar von Wladimirs älterem Bruder Vitali.
Gegen den körperlich klar überlegenen "Dr. Eisenfaust" fand der über weite Strecken behäbig wirkende Chisora kein adäquates Mittel und verlor klar nach Punkten.
Seinen markigen Sprüchen und dem provokativen Verhalten, das in einer Ohrfeige an Vitali beim offiziellen Wiegen sowie dem Bespucken von Wladimir unmittelbar vor dem Kampf gegipfelt hatten, liess der "Del Boy" dabei nicht mal ansatzweise die entsprechenden Taten folgen.
Gemeinsamer Hass auf die Klitschkos
Vielmehr begannen bereits bei der skandalösen Pressekonferenz im Anschluss an Chisoras Niederlage in der Münchner Olympiahalle die Vorbereitungen auf die Battle of Britain .
Aus Rivalen, die sich einst gut verstanden und die der schier unbändigen Hass auf die Klitschko-Brüder einte, sind längst erbitterte Feinde geworden.
Doch wer behält bei all den verbalen Giftpfeilen auch im Ring den Durchblick?
Hayemaker physisch im Vorteil
Für den 31-jährigen Haye sprechen nicht nur seine über drei Jahre mehr Erfahrung, sondern auch seine Grösse und Reichweite.
Auch hinsichtlich Beweglichkeit und Kondition dürfte der teils aufreizend lässig durch den Ring tänzelnde "Hayemaker" seinem zwei Jahre jüngeren Widersacher überlegen sein.
K.o.-Bilanz spricht für Haye
Selbst in punkto Schlagkraft steht Haye Chisora in nichts nach, wie seine bislang 23 K.o.-Siege eindrucksvoll untermauern.
So gilt Chisora zwar als defensiv stark und solide. Dennoch sucht er immer wieder den Weg nach vorne, erinnert dabei aufgrund seines überschaubaren Variantenreichtums aber oftmals eher an eine Dampfwalze als an einen Profiboxer.
SPORT1











