Strassen-WM: Degenkolb erwartet Krieg
Valkenburg - John Degenkolb ist kein ängstlicher Mensch.
Das beweist der 23-Jährige regelmässig, wenn er in geschlossenen Ortschaften mit eigentlich unzulässigem Tempo auf dem Rad über den Asphalt brettert und dem Ziel entgegensprintet.
Doch der Blick auf die Strecke des Strassenrennens zum Abschluss der Rad-WM am Sonntag lässt selbst Degenkolb nervös werden.
267 km, einschliesslich zehn Runden rund um Valkenburg, bei dem sich dem Feld immer wieder der berüchtigte Cauberg in den Weg stellt, sind zu bewältigen.
Giftiger Anstieg am Cauberg
Der kurze, aber giftige Anstieg dürfte zur Schlüsselstelle des Rennens werden. "Ich habe unheimlich viel Respekt davor, der Cauberg ist ein Monument des Radsports", sagte Degenkolb über den vom Frühjahrsklassiker Amstel Gold Race bekannten Hügel:
"Es wird ein sehr selektives und superschweres Rennen. Die letzten zwei Runden werden wirklich Krieg", so der gebürtige Geraer. Einer, in dem er sich auch selbst Chancen auf den Sieg ausrechnet.
Fünf Siege in Spanien
Degenkolb strotzt nach seiner starken Vorstellung bei der 67. Spanien-Rundfahrt, bei der er fünf Etappensiege feierte und einen deutschen Rekord aufstellte, vor Selbstvertrauen.
"Das war wünschenswert, aber auf keinen Fall zu erwarten. Wir waren im Flow und wollten beweisen, dass der Erfolg keine Eintagsfliege war. Ich habe meine Chance genutzt", sagte der Argos-Profi, der mit zwölf Etappensiegen nach Andre Greipel (20) der erfolgreichste deutsche Radprofi in diesem Jahr ist.
Greipel hatte bereits im August seinen Verzicht auf einen Start bei den Titelkämpfen bekanntgegeben.
Bergfester Sprinter
Am Sonntag den bedeutsamsten Saisonerfolg hinzuzufügen, wird für Degenkolb dennoch kein einfaches Unterfangen.
"Wir haben keinen wirklichen Top-Favoriten in unseren Reihen", sagte Degenkolb über das siebenköpfige Aufgebot des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) .
Doch sollte es Degenkolb schaffen, auch in der letzten Runde nach dem Cauberg zur Spitzengruppe zu gehören, hat der bergfeste Sprinter beste Medaillenchancen.
Zwei Joker in der Hinterhand
Im deutschen Meister Fabian Wegmann (Münster) oder Paul Martens (Rostock) hat der BDR jedoch weitere Joker in der Hinterhand, sollte die Karte Degenkolb nicht stechen.
"Das ist ja das Schöne am Radsport, dass so viele Fahrer eine Chance auf den WM-Titel haben", sagte Wegmann. Zudem schickt der BDR Christian Knees (Bonn), Marcus Burghart (Zschopau), Simon Geschke (Berlin) und Johannes Fröhlinger (Gerolstein) ins Rennen.
Spanien mit Vuelta-Spitzentrio
Das Geschehen diktieren werden die deutschen Fahrer aber vermutlich nicht, zu stark sind die Aufgebote anderer Nationen.
Spanien etwa geht mit dem kompletten Spitzentrio der Vuelta um Gesamtsieger Alberto Contador, Alejandro Valverde und Joaquin Rodriguez an den Start. Auch Oscar Freire zählt zu den Favoriten.
Belgien hat in Tom Boonen und Philippe Gilbert zwei echte Klassikerspezialisten in seinen Reihen, Grossbritannien bietet neben Tour- und Olympiasieger Bradley Wiggins auch Titelverteidiger Mark Cavendish auf. "Wir können dennoch für eine Überraschung sorgen", sagte Degenkolb.
Doppelpack von Martin und Arndt
Nach den beiden Goldmedaillen im Zeitfahren von Judith Arndt und Tony Martin wäre ein Podestplatz der gelungene Abschluss einer ohnehin schon erfolgreichen WM für die deutsche Equipe - und würde den positiven Trend der vergangenen Monate bestätigen.
"Ich denke, wir befinden uns im Aufwind. Ich hoffe auch, dass es dadurch in Zukunft wieder ein oder mehrere deutsche Profiteams geben wird und wir mit guten Leistungen dazu beitragen können", sagte Degenkolb.
Der WM-Erfolg wäre ein weiterer Schritt.
SPORT1










