Lieblingsfarbe Grün - Degenkolb kriegt nicht genug
Sanxenxo/München - John Degenkolb siegt und siegt und siegt, doch genug hat er noch lange nicht.
"Man könnte ja meinen, dass es irgendwann langweilig wird, wenn man so oft gewinnt. Immer das Gleiche, sprinten, jubeln, Champagner verspritzen. Aber weit gefehlt. Es ist etwas ganz Besonderes", schrieb der Radprofi nach seinem vierten Triumph bei der 67. Vuelta auf seiner Homepage.
Mit langem Anlauf zum kraftvollen Sprint - der 23-Jährige vom Team Argos ist derzeit einfach unwiderstehlich.
Vier Tagessiege auf zehn Etappen lautet die Zwischenbilanz von John Degenkolb auf dem Weg zum Rekord. Viermal hatte auch der Kölner Marcel Wüst 1999 bei der Spanien-Rundfahrt gewonnen. Degenkolb bleiben nun noch elf Teilstücke für Triumph Nummer fünf.
Harter, langer Sprint
Und der scheint programmiert. Der Geraer weiss, dass er sich dabei auf seine Mannschaft verlassen kann. "Es ist schon toll zu wissen, dass man die stärkste Mannschaft bei den Sprintankünften und mit mir den stärksten Sprinter hat", sagte Degenkolb.
Auf dem 190 km langen Teilstück von Ponteareas nach Sanxenxo am Dienstag stellte Argos seine Klasse erneut unter Beweis.
Degenkolb wurde von seinen Kollegen für den harten, langen Sprint auf die ansteigende Zielgerade gezogen, und dort zeigte der junge Deutsche der Konkurrenz mit einem Spitzentempo um die 75 Stundenkilometer erneut das Hinterrad.
In die Berge
"Wir wussten wieder, dass uns die Ankunft liegen kann. Die Jungs waren auch wieder toll. Trotzdem war ich sehr nervös", gestand Degenkolb. Entsprechend wurde gefeiert. "Beim Essen haben wir schon eine Runde Bier hinter uns und jetzt gibt es noch Champagner", teilte er mit.
Die nächsten Tage sind allerdings nicht die des John Degenkolb.
Nach dem Zeitfahren am Mittwoch, bei dem der Olympiazweite Tony Martin aus Cottbus auf einen Erfolg hofft, geht es in die Berge. Da wollen die Sprinter lediglich durchhalten.
Sterne auf dem Oberrohr
Zudem will er sein Grünes Trikot für den besten Sprinter verteidigen. Grün - das ist derzeit die Lieblingsfarbe des Thüringers, der verriet: "Ich will es nicht einfach hergeben, zumal ich auch schon mit Helm, Brille und bald noch Lenkerband grün durchgestylt bin."
Sollte Degenkolb die Vuelta im Grünen Trikot beenden, wäre er der sechste Deutsche nach Rudi Altig (1962), Didi Thurau (1976), Uwe Raab (1990, 1991), Erik Zabel (2002-2004) und Andre Greipel (2009), dem dieses Kunststück gelingen würde. Und dies ist auch sein Ziel.
"Ein Trikot bei einer grossen Rundfahrt zu gewinnen, das wäre es natürlich", sagte Degenkolb. Eine zusätzliche Motivation haben sich seine Mechaniker ausgedacht. Degenkolb: "Auf meinem Oberrohr prangt inzwischen auch schon der vierte Stern. Die Mechaniker haben mir für jeden Sieg einen draufgeklebt."
Degenkolbs Traum
Die Vuelta soll für John Degenkolb aber nur der Aufgalopp für weitere Grosstaten sein. Zunächst steht das Strassenrennen bei der WM in Valkenburg (23. September) an.
Doch nach dem Kampf ums Regenbogentrikot winkt 2013 das vollkommene Glück.
"Kommendes Jahr will ich bei der Tour glänzen", kündigte Degenkolb an, "dort das Grüne zu holen, ist mein absoluter Traum." Und jeder Sieg bei der Vuelta ist für das Team ein weiterer Schritt hin zur Tour.
Wenn das keine Motivation ist.










