Hostessen-Schreck: ''Absolut unglaublich!''
Logrono/Köln - Die blonde Hostess konnte sich nur durch einen beherzten Sprung vor dem feierwütigen John Degenkolb retten, die Sektduschen-Attacke des Triumphators ging knapp am erschrockenen Vuelta-Mannequin vorbei.
Doch ansonsten gelingt dem jungen Spurt-Ass aus Gera bei der Spanien-Rundfahrt derzeit fast alles: Bei den bisherigen Massenspurts der 67. Spanien-Rundfahrt war Degenkolb das Mass der Dinge - und wird damit immer mehr zum deutschen Hoffnungsträger für die Strassen-WM Ende September.
"Zwei Siege bei so einer grossen Rundfahrt binnen fünf Tagen, das ist absolut unglaublich", sagte Degenkolb, nachdem er dem Sieg in Viana am Sonntag am Mittwoch den nächsten Coup in Logrono folgen liess.
"Wahnsinnig schnell, unglaublich"
Und dies höchst eindrucksvoll: Den Italiener Daniele Bennati kassierte er forsch-fresch praktisch auf der Ziellinie, dabei ist der 32-Jährige mit allen Wassern - auch unsauberen (2005 positiv auf Steroide getestet) - gewaschen, gewann bereits sieben Vuelta-Etappen.
"Dass ich mit soviel Geschwindigkeit an Bennati vorbeiziehen konnte, hatte ich nicht erwartet", wunderte sich Degenkolb, "der ganze Sprint war ja wahnsinnig schnell, unglaublich. Ich würde gerne wissen, wie schnell genau."
Die letzten drei Kilometer auf dem Rundkurs in der Provinz La Rioja lagen bei einem Durchschnitts-Speed um 65 km/h, über den Zielstrich drosch Degenkolb mit über 80 km/h.
Hunger nicht gestellt
Der Hunger des Youngsters ist längst nicht gestillt: Mehr als ein halbes Dutzend weiterer Sprintankünfte wird auf dem Weg nach Madrid erwartet, die nächste am Freitag in Alcaniz.
Mit seinem zweite Etappensieg hat Degenkolb seinen Team- und Sprintkollegen Marcel Kittel bereits übertroffen.
Der Arnstädter, der nach seiner unglücklichen Tour de France diesmal fehlt, hatte im Vorjahr dem Team Argos noch unter dem Namen Skil-Shimano den ersten Vuelta-Sieg beschert.
Auf Altigs und Zabels Spuren
Die Rundfahrt wird damit immer mehr zum Lieblingsrennen der niederländischen Truppe mit dem starken deutschen Einschlag.
Degenkolb schielt derweil auf den Gewinn der Punktewertung - als sechster Deutscher nach Rudi Altig (1962), Didi Thurau (1976), Uwe Raab (1990, 1991), Erik Zabel (2002-2004) und Andre Greipel (2009).
"Ein Trikot bei einer grossen Rundfahrt zu gewinnen, das wäre es natürlich", sagte Degenkolb, der das Grüne Jersey seit Mittwoch wieder trägt, "ich werde jetzt um jeden Punkt kämpfen."
Traum von der Tour
Die Chancen stehen gut: Degenkolb scheint der mit Abstand schnellste Mann im Feld zu sein. Mit dem kleinen Makel allerdings, dass die besten Sprinter der Welt auf der iberischen Halbinsel fehlen.
Greipel und der Brite Mark Cavendish bestreiten derzeit die Dänemark-Rundfahrt, der Belgier Tom Boonen bereitet sich auf das Strassenrennen bei der WM in Valkenburg (23. September) vor.
Nach dem Verzicht des dreimaligen Tour-Etappensiegers Greipel soll es aus deutscher Sicht in der Provinz Limburg Youngster Degenkolb richten - die Strecke kommt ihm entgegen, der Geraer ist ein starker Klassikerfahrer.
Doch auch der Kampf ums Regenbogentrikot soll nur eine Durchgangsstation sein: "Kommendes Jahr will ich bei der Tour glänzen", kündigte Degenkolb an, "dort das Grüne zu holen, ist mein absoluter Traum."
SPORT1
