Die Rückkehr des ''traurigen Clowns''
Bagneres-de-Luchon - Cadel Evans' Glanz verblasste in der Gluthitze der Pyrenäen.
Der strahlende Held des Vorjahres, dem auf dem Siegerpodest in Paris die Tränen kamen und der als erster Tour-Sieger seines Landes Australien ein gelbes Radsport-Sommermärchen schenkte, ist auf der Königsetappe am Mittwoch nach Bagneres-de-Luchon eingebrochen und hat die Titelverteidigung 2012 endgültig abgeschrieben.
Der 35-Jährige, aufgrund seiner markanten Gesichtszüge und oft knappen Niederlagen bis zum Tour-Triumph spöttisch oft als "trauriger Clown" tituliert, ist zum wiederholten Male der grosse Verlierer bei der Frankreich-Rundfahrt.
"Das Rennen ist für mich vorbei", sagte Evans nach der bitteren Niederlage.
Evans fällt zurück
Schon am vorletzten Anstieg des Tages zum Col d'Aspin liess sich das Elend erahnen, als Evans nach einer Tempoverschärfung den Favoriten nicht folgen konnte.
Bei Etappenende waren es ganze 4:47 Minuten, die er auf den britischen Gesamtführenden Bradleys Wiggins eingebüsst hatte. (SERVICE: Das Ranking der Favoriten)
"Ich hatte schon vor dem Start Magenprobleme. Ein bis zwei Stunden vor dem Rennen gibt es nicht viel, was man dagegen tun kann", sagte Evans:
"Ich habe nicht geglaubt, dass es mich im Rennen beeinflussen wird, aber das war sicherlich nicht mein normales Niveau."
Grosse Schwächen bei Evans
Doch auch körperlich unversehrt wäre Evans wahrscheinlich chancenlos gewesen. Schon in den Alpen hatte er Mühe, verlor auf dem Weg nach La Toussuire über eine Minute.
Seine gedrungene Haltung im Wiegetritt, im vergangenen Jahr noch Ausdruck und Symbol seines unermüdlichen Kampfgeistes, wirkte zuletzt wie ein letztes Aufbäumen gegen die offensichtliche Unterlegenheit.
Der verkrampfte Versuch eines alternden Stars, sich gegen die eigene Schwäche und die Dominanz des Teams Sky um den designierten Titelerben Wiggins zu stemmen.
Tour der Leiden
Für Evans bleibt das grösste Radrennen der Welt damit trotz seines versöhnlichen Erfolges im Jahr 2011 auf ganz persönliche Art und Weise eine Tour der Leiden.
2007 musste er sich mit nur 23 Sekunden dem Spanier Alberto Contador geschalgen geben, 2008 fehlten 58 Sekunden auf Carlos Sastre.
Zwei Jahre später brach Evans bei einem Sturz der Ellbogen, er verlor das Gelbe Trikot nach nur einem Tag und konnte nicht mehr mit den Besten mithalten.
Gute Voraussetzungen
Dabei waren die Voraussetzungen für eine erneute Erfolgsgeschichte 2012 durchaus gegeben.
Die Teamstrategie bei BMC Racing war nur auf ein Ziel ausgerichtet: Den zweiten Tour-Titel für Cadel Evans.
Doch die Equipe, in der auch der Zschopauer Marcus Burghardt für den Gelben Traum schuftete, kam in tragischem Einklang mit den Leistungen des Kapitäns nur selten an das Niveau des britischen Überteams Sky heran.
Van Garderen als Nachfolger
Im kommenden Jahr, bei der 100. Tour de France, will Evans noch einmal an den Start gehen. Dass er dann allerdings erneut um den Titel mitfahren wird, ist eher unwahrscheinlich.
Nicht, weil er es mit dann 36 Jahren nicht mehr könnte. Vielmehr steht in Tejay Van Garderen sein designierter Nachfolger im eigenen Team schon bereit.
Der 23-jährige Amerikaner stand Evans bei den Bergetappen zur Seite und machte dabei stets den besseren Eindruck.
Weisses Trikot für Van Garderen
Van Garderen trägt derzeit das Weisse Trikot des besten Jungprofis.
Sollte er es auch auf dem Podium in Paris übergestreift bekommen, dürfte Evans den bis dato grössten Erfolg seines Adjutanten vermutlich auf der Prachtstrasse Champs-Elysees live miterleben.
Und dabei mit etwas Wehmut an die Freudentränen des Vorjahres denken.
SPORT1










