Martin will beim Highlight Lohn für die Qualen
Porrentruy - Tony Martin hat viel gelitten in der vergangenen Woche.
Jedes Schlagloch, jedes heikle Bremsmanöver und jeder Anstieg, der ihn bei der Tour de France in den Wiegetritt zwang, bereiteten dem Zeitfahr-Weltmeister nach seinem Kahnbeinbruch Schmerzen.
Martin hätte aussteigen können, wollte in manchen Momenten wohl auch.
Doch der Gedanke an das erste lange Zeitfahren am Montag in Besancon liess ihn weitermachen: Mit einem Sieg in seiner Spezial-Disziplin will er sich für seine Leidensfähigkeit belohnen.
Martin plant Angriff
"Ich will dort auf jeden Fall angreifen", hatte Martin bereits am vergangenen Montag, einen Tag nach seinem folgenschweren Sturz, gesagt.
Da hatte der 27-Jährige sogar noch das Gelbe Trikot im Sinn, das ihm wohl nur durch die Panne beim Prolog in Lüttich verwehrt blieb.
Inzwischen geht es zwar nur noch um seinen zweiten Etappenerfolg beim wichtigsten Radrennen der Welt, für Martin dennoch mehr als genug Ansporn.
Manschette hilft nur zum Teil
Durchhalten, die Qualen ertragen, egal, wie. So lautete seither die Parole.
Martins Teamärzte bei Omega Pharma-QuickStep gaben sogar eigens eine Spezialmanschette in Auftrag, die seit Mittwoch seine linke Hand stützt. Ein Aufwand, der sich laut Martin zumindest auf den Flachetappen gelohnt hat.
In den Mittelgebirgsetappen am Wochenende behinderten ihn die Manschette und die Schmerzen dann aber "doch mehr, als ich gehofft habe".
Beim Zeitfahren in Besancon sollte ihm das goldfarbene medizinische Hilfsmittel weniger hinderlich sein.
Rote Laterne zahlt sich aus
Zum Selbstschutz hielt sich der gebürtige Cottbuser zudem die meiste Zeit am Ende des Pelotons auf.
Die zahlreichen Stürze der vergangenen Tage zeigten: Es war eine kluge Entscheidung.
"Wenig spassig" sei dies dennoch, sagte Martin, der in jedem anderen Jahr wohl gegen die Fortsetzung der Grand Boucle entschieden und sie als "Seuchentour" abgehakt hätte.
Grosses Ziel Olympiagold
Doch da gibt es noch dieses eine, viel seltenere und für Martin bedeutsamere Rennen, das 2012 nach der Frankreich-Rundfahrt wartet und es nicht zulässt, sich aufs Auskurieren einer Verletzung zu konzentrieren:
Bei den Olympischen Spielen in London will Martin am 1. August Gold im Zeitfahren holen.
"Es ist mein grosses Ziel", sagt der Mann, für den die Tour von Beginn an auch die passende Vorbereitung auf das Grossereignis in der britischen Hauptstadt sein sollte.
Zweites Zeitfahren wohl ohne Martin
Den 41,5 Kilometer langen Kurs am Montag sowie das Einzelzeitfahren auf der 19. Etappe vor den Toren von Paris hatte sich Martin schon nach der ersten Analyse der Tour-Strecke markiert.
Zumindest auf letzteres wird er nun wohl verzichten. Es ist kaum vorstellbar, dass er sich über die Pässe der Alpen und Pyrenäen quälen wird.
Stattdessen wird er sich vermutlich in der Heimat individuell auf London vorbereiten und sich dabei nicht minder quälen.
Als Tour-Etappensieger dürfte ihm dies allerdings deutlich leichter fallen.
SPORT1










