Zu respektlos? Sagans Jubelposen verärgern Konkurrenz
Rouen - Man nennt ihn den Terminator, den Kannibalen, aber auch den Messi des Radsports: Peter Sagan ist bislang die grosse Nummer der 99. Tour de France , doch der erst 22 Jahre alte Slowake polarisiert wie kein Zweiter.
Die einen halten ihn für überheblich mit Hang ins Flegelhafte, die anderen geraten geradezu ins Schwärmen ob der Art, wie Sagan derzeit die Konkurrenz in Grund und Boden fährt.
Nach seinem zweiten Tour-Etappensieg am Dienstag verneigte sich selbst das gegnerische Lager und scheute dabei keine Superlative.
"Es ist, als würde man Messi Fussball spielen sehen. Er gewinnt mit einer so offensichtlichen Leichtigkeit, das ist einfach phänomenal", sagte David Brailsford, Teamchef von Sagans grösstem Sprint-Rivalen Mark Cavendish bei Sky.
Basso fühlt sich an sich selbst erinnert
Das eigene Lager feiert den Überflieger freilich überschwänglich.
Den routinierten Kapitän Ivan Basso, zweimaliger Giro-Sieger, erinnert Sagan in aller Bescheidenheit an den jungen Ivan Basso: "Ich erkenne mich in ihm wieder. Er sorgt mit seiner verrückten Art für eine tolle Atmosphäre im Team."
Mit seinen nassforschen und teils leicht respektlosen Auftritten macht sich Sagan aber nicht nur Freunde. Im Finale der 1. Etappe nach Seraing klebte er am Hinterrad von Fabian Cancellara, beteiligte sich aber auch nach mehrmaliger Aufforderung des Schweizer Olympiasiegers nicht an der Tempoarbeit und schnappte ihm letztlich den Sieg weg.
Den feierte Sagan dann recht unbescheiden in der "Balotelli-Pose". Sagan und den nahezu gleichaltigen italienischen Fussballstar eint ein riesiges Ego.
Jubelposen verärgen die Konkurrenten
Dementsprechend legte Sagan auch den Jubel nach seinem zweiten Etappenerfolg aus - bereits beim Abendessen am Vorabend mit Freunden, versteht sich.
Sagan nannte den rennenden Forrest Gump als Vorbild, die Analogie hält er für eindeutig: "Wenn man ihm sagt: Lauf!, dann läuft er. Wenn man mir sagt: Gewinne!, dann gewinne ich."
Manchem war dies zu viel des Schauspiels, von mangelndem Respekt war die Rede. "Dass er so seinen Gegnern ins Gesicht jubelt, das hat mir nicht gefallen", sagte beispielsweise der südafrikanische Sprinter Robert Hunter (Garmin-Sharp).
Dessen Teamkollege David Millar meinte: "Er ist erst 22. Da hat er noch genug Zeit, um erwachsen zu werden und ein wenig mehr Achtung zu zeigen."
Siegeszug mit Ansage
Sagans Siegeszug durch die Tour kam mit Ankündigung.
Schon im vergangenen Herbst war er mit drei Etappensiegen bei der Vuelta explodiert, seit Anfang Mai ist der Mann aus Zilina praktisch nicht mehr zu stoppen: Fünf Tagessiege bei der Kalifornien-Rundfahrt, vier bei der Tour de Suisse, nun schon zwei bei der Tour.
Und das 1,84 m grosse, drahtige Kraftpaket ist noch lange nicht satt. "Zwei Etappensiege sind schon mal gut für mich. Aber jetzt will ich auch das Grüne Trikot in Paris", sagt Sagan.
Slowaken schütteln Statistenrolle ab
Und plötzlich ist die Slowakei, bislang im Radsport eine Randnotiz, bei der Tour präsent.
Im Zielraum von Boulogne-sur-Mer liessen Fans am Dienstag die Landesfahne mit dem Patriarchenkreuz wehen, am Wegesrand jubelten Fans in Weiss, Blau und Rot.
Bei Liquigas mischen neben Sagan in den Zwillingsbrüdern Martin und Peter Velits zwei weitere Slowaken mit, letzterer sogar mit Ambitionen im Gesamtklassement.
Weitere Etappensiege möglich
Zumindest in den Flachetappen bis Freitag wird aber weiter Peter Sagan Hauptdarsteller auf der Tour-Bühne sein.
Wahrscheinlich hat er schon den Plan für die nächsten Jubel-Choreografien in der Tasche.
Vielleicht gibt es dann ja auch bald mal etwas in Richtung Lionel Messi, mit erhobenen Zeigefingern und dem Blick gen Himmel gerichtet. Respektvoller wirken würde es allemal.
SPORT1










