Mammut-Olympiateam dank Sonne und neuem Training
München - Speerwurf-Weltmeister Matthias de Zordo und Hochsprung-Star Ariane Friedrich sind bisher gescheitert.
Doch 52 deutsche Leichtathleten haben die Olympia-Normen für London (27. Juli bis 12. August) bereits geknackt.
"Das übertrifft unsere kühnsten Träume. Wir hatten inklusive Staffeln mit 65 Athleten gerechnet, jetzt werden es wohl 75 bis 80. Und bei der EM in Helsinki stellen uns rund 100 Teammitglieder wohl vor organisatorische Probleme", sagt Herbert Czingon, Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), vor der DM am Wochenende in Wattenscheid.
Gutes Wetter verhilft zu Top-Leistungen
Angesichts des Termin-Dilemmas, das durch die Einführung einer zusätzlichen EM in Olympiajahren entstand (27. Juni bis 1. Juli in Helsinki), haben die deutschen Leichtathleten um den zweimal mit 70-m-Weiten auftrumpfenden Diskus-Weltmeister Robert Harting (Berlin) die gerade mal drei Saisonwochen vor der DM (16./17. Juli) ideal genutzt.
"Es war Glück, dass meist schönes Wetter war, das hat am Wochenende in Mannheim nochmal zu einer kleinen Leistungsexplosion bei den Sprintern geführt", sagt Czingon.
Menga mit Spitzen-Zeit
Hallen-Europameisterin Carolin Nytra kehrte nach langer Verletzungspause in hochkarätigen 12,74 Sekunden über 100 m Hürden zurück, 100-m-Europameisterin Verena Sailer (beide Mannheim) egalisierte nach ähnlichen Problemen in 11,19 Sekunden die beachtliche deutsche Saisonbestmarke des erst 19 Jahre alten Talentes Tatjana Pinto (Münster).
Zudem rannte Aleixo-Platini Menga (Leverkusen) in 20,33 Sekunden eine 200-m-Zeit, die in deutschen Breiten Seltenheitswert besitzt, und nur ein Hauch zu starken Rückenwindes trieb über 100 m den Berliner Lucas Jakubczyk zu 10,17 Sekunden.
Trainingsqualität macht den Unterschied
"Unsere gute Vorbereitung wird bestätigt. Das alles darf sich nicht in der Normenjagd erschöpfen und am Ende kein Strohfeuer sein. Ziel ist es, dass die Leistungen in der zweiten Saisonhälfte nach DM und EM noch entwickelt werden", sagt Czingon.
Der für Sprung, Wurf und Mehrkampf zuständige Cheftrainer spricht von erhöhter Trainingsqualität durch stärkere Nutzung der Biomechanik im Trainingslagern, besserer Einbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und optimiertem Teamwork.
"Werden die Statistik schlagen"
Czingon stand auch schon in der Verantwortung, als der DLV 2008 in Peking mit 63 Athleten die grösste Olympiapleite der Geschichte erlebte.
Nach zuvor zwei Medaillen 2004 in Athen gab es vor vier Jahren nur ein einziges Bronze durch Speerwerferin Christina Obergföll.
"Rein von der Statistik her haben wir beste Chancen auf Null Medaillen. Aber wir werden die Statistik schlagen", sagt Czingon, der für das Team auf eine ähnliche Ausbeute hofft wie bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea.
Damals gab es für das 75-köpfige Team dreimal Gold durch Harting, de Zordo und Kugelstosser David Storl, dazu dreimal Silber, einmal Bronze.
Noch weitere Chancen für London
Damit der DLV alle Chancen nutzen kann, erlaubte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf Antrag, dass Mittel- und Langstreckler über den 2. Juli hinaus bis 6. Juli (Tag vor Meldeschluss in London) die Olympia-Norm erfüllen dürfen.
Damit könnten über 800, 1.500, 5000 m und 3.000 m Hindernis auch Athleten wie Vize-Europameister Carsten Schlangen (Berlin) noch ihre Chance bei Meetings in Reims (3. Juli), Paris und Bottrop (jeweils 6. Juli) nutzen.
Neben de Zordo und Friedrich fehlen auch noch Hochspringer Raul Spank (Dresden) und Hammerwerfer Markus Esser (Leverkusen) im Olympiateam.
SPORT1

