Cortese vor Matchball am Pranger
München - Eine Woche nach seinem viel kritisierten Wutausbruch in Japan kann der Motorrad-Pilot aus Berkheim beim Grossen Preis von Malaysia (Training, Fr., ab 7 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) den Gesamtsieg aus eigener Kraft perfekt machen.
"Ich bin bereit, darum zu kämpfen", sagt der 22-Jährige.
Er wäre der erste Champion in der neuen Moto3-Serie.
Rang zwei reicht zum vorzeitigen Titelgewinn
Die Chancen auf den vorzeitigen Gesamstieg im 15. von 17 WM-Läufen sind bestens in Sepang, es ist der erste echte Matchball für Cortese.
Wird er mindestens Zweiter, ist ihm der Titel nicht mehr zu nehmen. Mit derzeit 56 Punkten Vorsprung führt er das Klassement an .
Einzig Maverick Vinales (FTR) und Luis Salom (Kalex) haben noch Chancen, den KTM-Piloten abzufangen. Kommt Cortese vor den beiden Spaniern ins Ziel, ist er in jedem Fall Champion.
Professionelle EInstellung
Von zu viel Rechnerei hält der Berkheimer jedoch nichts.
"Wir dürfen nicht vergessen, dass noch drei Grand Prixs zu fahren sind", sagt Cortese: "Wir versuchen, nicht allzuviel über die Meisterschaft nachzudenken, sondern einfach professionelle Arbeit abzuliefern, vom ersten Training an."
Cortese wütet nach Sturz
Dass er den Gesamtsieg nun selbst in der Hand hat, verdankt er auch seinem sechsten Platz im vergangenen Rennen, den "wichtigsten sechsten Platz seiner Karriere", wie er es bei SPORT1 formuliert.
Nach dem Sturz in Motegi, der ihn Sieg und vorzeitigen Titel kostete, hatte er seine Maschine noch ins Ziel gerettet.
Wütend wie selten zuvor erlebte man Cortese im Anschluss dennoch. Die Schuld sah er bei seinem britischen Teamkollegen Danny Kent, dem späteren Sieger, der ihn vor dem Sturz überholt hatte.
Gegenwind aus dem Fahrerlager
Im Fahrerlager sorgte diese Reaktion für grosses Unverständnis.
"Der Fehler lag klar bei Cortese, Kent hat nichts falsch gemacht", sagte der neunmalige Weltmeister und MotoGP-Pilot Valentino Rossi aus Italien.
Der Brite Cal Crutchlow wurde noch deutlicher. "Ich weiss nicht, welches Problem er hat", sagte Rossis Serien-Konkurrent: "Danny hat sauber überholt. Für mich ist Cortese ein schlechter Verlierer."
Sogar Corteses Kumpel Stefan Bradl hatte darauf hingewiesen, dass "da draussen jeder für sich kämpft. Sandro weiss das genau."
Cortese bittet um Verständnis
Der Gescholtene zeigte sich bald einsichtig.
"Mein Verhalten tut mir wirklich leid. Ich hatte den Titel vor Augen und war danach sehr enttäuscht, dann habe ich einfach überreagiert", teilte Cortese mit. im Gespräch mit SPORT 1 zeigte er sich selbstkritisch: "Da muss man sich vielleicht beherrschen."
Gleichzeitig warb er auch um Verständnis: "Wenn man mit so viel Emotionen dabei ist, ist es normal, dass es einfach rauskommt."
Zweiter deutscher Titel in Serie
In Sepang bietet sich nun die nächste, die noch grössere Chance.
Es wäre ein wichtiger Sieg auch für den Motorrad-Standort Deutschland.
Nach Stefan Bradls Moto2-Triumph im vergangenen Jahr wäre es der zweite Titel eines Deutschen in Folge. Das gab es zuletzt 1982, als Toni Mang sogar seinen vierten WM-Erfolg feierte.
