Bolt-Rekord - dann Party bis 4.30 Uhr nachts
Zürich/Köln - Erst riss Usain Bolt die 25.000 Leichtathletik-Fans im Züricher Letzigrund zu Beifallsstürmen hin, dann war bis 4.30 Uhr nachts Party angesagt.
"Ich hätte auch 19,45 laufen können, wenn ich durchgezogen hätte", sagte der sechsmalige Olympiasieger und verwies nach dem 200-m-Stadionrekord von 19,66 Sekunden auf den angeschlagenen Rücken.
Doch Stunden später störte dieser nicht. Im Club Mascotte schwang er bei Hip-Hop und Reggae die Hüften, heizte zum Schluss als DJ die Stimmung an.
Auch Blake mit Stadionrekord
Bolt und sein jamaikanischer Sprint-Rivale Yohan Blake waren auch in Zürich die halbe Dollar-Million Gage wert.
Der 100-m-Weltmeister rannte in 9,76 Sekunden ebenfalls Stadionrekord, dagegen steckte Kenias 800-m-Olympiasieger David Rudisha als dritter Star des Meetings statt des vierten Weltrekordes der Karriere die erste Niederlage der Saison ein.
Deutsche nur in Nebenrollen
Deutschlands Leichtathleten spielten beim ersten Finale der Diamond League nur eine Nebenrolle. Wie bei Olympia in London blieb Björn Otto nur Platz zwei hinter Frankreichs Stabhochsprung-Star Renaud Lavillenie (5,70).
Dazu reichten dem Dormagener 5,55 m in einem regengeschädigten Wettkampf, bei dem sieben der zwölf Springer ihre Anfangshöhe rissen, darunter bei 5,55 m der Wattenscheider Malte Mohr, bei 5,40 m der Olympiadritte Raphael Holzdeppe und Karsten Dilla.
Mit dem Diskus kam die WM-Zweite Nadine Müller nicht über 60, 72 m und Rang fünf hinaus.
Bolt hat Heimweh
Die Helden sind müde. Auch Usain Bolt würde die Saison am liebsten schon jetzt beenden, nicht erst nach dem zweiten Finale der Diamond League am Freitag kommender Woche in Brüssel.
"Ich zähle die Tage, bis ich zuhause auf Jamaika wieder meine Familie und Freunde sehe", meinte der 26-Jährige, der bei seiner üblichen Show vor dem 200-m-Start durch Gesten signalisierte: "Ich friere."
Doch dann rannte er bei Jamaikas Vierfach-Erfolg in 19,66 seine drittbeste Saisonzeit, deutlich schneller war er 2012 nur beim Olympiasieg in 19,32.
Blake über Gays Fehlstart: "Schade"
"Wir sind keine Athleten von einem anderen Stern, wir haben über Jahre hart für den Erfolg gearbeitet. Und nächstes Jahr werde ich noch stärker sein", meinte Blake, der eine Woche nach der Steigerung von Lausanne (9,69) auf nasser Piste die drittbeste Zeit der Karriere lief.
Zuvor hatte der 22-Jährige den grössten Rivalen durch Fehlstart verloren. Wie Bolt beim WM-Missgeschick 2011 wurde diesmal Ex-Weltmeister Tyson Gay (USA) disqualifiziert.
"Schade, mit ihm wäre es interessanter geworden", meinte Blake über den Mann, der in 9,69 mit ihm gleichauf an Position zwei der "ewigen" Weltrangliste liegt, nur in zwei Läufen übertroffen von Weltrekordler Bolt (9,58).
Rudisha zerknirscht
David Rudisha war traurig bis zerknirscht. "Meine Beine waren etwas müde, ich kann bei Regen einfach nicht optimal laufen. Dabei hatte ich im letzten Saisonrennen so viel erwartet.", meinte der 23-Jährige, den ein Tempomacher mit idealer Durchgangszeit (49,5) auf den halben Weg zum vierten Weltrekord der Karriere gezogen hatte.
Doch am Ende ging Rudisha (1:42,81) die Kraft aus und der Äthiopier Muhammed Aman bescherte ihm genau wie 2011 in Mailand im letzten Saisonrennen die erste Niederlage.
Der erst 18 Jahre alte Hallen-Weltmeister, im Olympiafinale Sechster bei Rudishas Weltrekord (1:40,91), lief in 1:42,53 Landesrekord und kündigte an: "Nächstes Jahr möchte ich Jagd auf den Weltrekord machen."
SPORT1
