Zappelstopp lässt Spiegelburg fliegen
Monaco/München - Dem Trauerspiel von Jelena Issinbajewa folgten die Freudensprünge der Silke Spiegelburg:
Überglücklich hüpfte die 26 Jahre alte Leverkusenerin vor 16.000 Zuschauern in Monte Carlo durch das Stade Louis II.
Die EM-Vierte bezwang beim letzten Diamond League-Meeting vor Olympia in London die fast vollständig anwesende Stabhochsprung-Elite. 4,82 m bedeuteten für sie unter freiem Himmel erstmals deutschen Rekord, es war zugleich eine von vier Jahres-Weltbestleistungen .
"Ich habe drei Jahre darauf gewartet, so hoch zu springen und mir den Rekord zu holen", sagte Spiegelburg, die ihre Emotionen nach dem Triumph im zweiten Versuch in die Nacht hinaus schrie.
Strutz muss frühzeitig passen
Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits alle Gegnerinnen gerissen.
Auch die WM-Zweite Martina Strutz (Neubrandenburg), die im Winter bereits den deutschen Hallenrekord an Spiegelburg (4,77 m) verloren hatte - und jetzt auch ihre Freiluft-Bestmarke (4,81), mit der sie 2011 in Daegu/Südkorea WM-Silber gewonnen hatte.
"Sie ist nicht mehr so zappelig"
Doch grösste Verliererin des Abends war beim Testlauf für das erhoffte dritte Olympia-Gold Jelena Issinbajewa.
Russlands Weltrekordlerin, die nach drei WM-Fehlschlägen binnen zweieinhalb Jahren seit dem Winter stabil zurück schien, hatte in ihrer Wahlheimat zu hoch gepokert, scheiterte an der selbst gewählten Anfangshöhe von 4,70.
Nach nur einem Wettkampf zuvor (4,75) wird die 30-Jährige nicht gerade vor Selbstsicherheit strotzend nach London fliegen.
"Natürlich ist dieser Sieg für Silke vor Olympia auch eine Belastung. Alle schauen auf sie. Aber Silke kann mit dem Druck jetzt anders umgehen als noch vor zwei Jahren. Sie ist selbstbewusster, nicht mehr so zappelig", sagt Trainer Leszek Klima nach einer Serie zweiter und vierter Plätze seines Schützlings bei den letzten Grossereignissen.
Nr. 1 wegen Umrechnungsfehler?
Pech hatte das einzige Mädchen einer Stabhochsprung-Familie - auch Bruder Richard war Deutscher Meister - Ende Juni, als sie im EM-Finale von Helsinki von Krämpfen geplagt einen Platz hinter Bronze landete.
"Bis auf Jennifer Suhr waren alle da", sagte Silke Spiegelburg zum Stelldichein der Weltelite.
Ausgerechnet die US-Amerikanerin fehlte, die vom Weltverband IAAF noch immer als Nummer eins der Weltrangliste geführt wird. Doch offenbar nur wegen eines Umrechnungsfehlers des in Fuss und Inch erzielten Resultates von Champagne (4,81 m statt 4,83).
Bayer enttäuscht
Im Diskuswurf verlor die WM- und EM-Zweite Nadine Müller (Halle/Saale) mit 64,64 m erneut ein Duell mit Kroatiens Europameisterin Sandra Perkovic (65,29).
Nur Fünfter im Weitsprung wurde mit schwachen 7,94 m Europameister Sebastian Bayer (Hamburg).
US-Staffel schneller als Bolt-Team
Für weitere Jahres-Weltbestmarken sorgten im grandiosen 1500-m-Lauf der vor einem zweiten Olympia-Gold stehende Kenianer Asbel Kiprop in 3:28,88 Minuten (noch der Siebte lief 3:31,61) und fünf US-Amerikaner.
Die 4x100-m-Staffel mit Justin Gatlin und Tyson Gay war in 37,61 Sekunden schneller als Jamaikas Olympiafavoriten um die in Birmingham trainierenden Jamaika-Stars Usain Bolt Yohan Blake in ihrem schnellsten Saisonrennen.
Merritt in Topform
Danach brachte Olympia-Favorit Aries Merritt über 110 Meter Hürden das Kunststück fertig, binnen drei Wochen jeweils an einem Freitag in jeweils 12,93 Sekunden so schnell zu sein wie kein anderer 2012.
"Nicht so schlimm, nur eine Vorsichtsmassnahme", meinte der nach 250 Metern aus dem Rennen gegangene London-Favorit LaShawn Merritt nach dem 400-m-Lauf, den der Belgier Jonathan Borlee in 44,74 gewann.
Böse daneben ging mit Platz sieben in 2:01,67 Minuten über 800 m die Olympia-Generalprobe von Südafrikas Ex-Weltmeisterin Caster Semenya.
Sensationell stark dagegen der erst 17 Jahre alte Kenianer Conselus Kipruto als 3000-m-Hindernis-Sieger in 8:03,49 Minuten.
SPORT1
