Stab-Artistin Strutz trotzt allen Schicksalsschlägen
Helsinki - Vor der Weltmeisterschaft in 2011 in Südkorea erlitt ihr Trainer einen Herzinfarkt und lag anschliessend im Koma, im März brannte ihre Trainingshalle in Schwerin ab.
Schicksalsschläge scheinen Martina Strutz ganz besonders zu motivieren.
Nach ihrem zweiten Platz bei der WM im Vorjahr sicherte sich die kleine Stabhochspringerin mit dem grossen Kämpferherzen jetzt bei der Leichtathletik-EM in Helsinki die zweite Silbermedaille der Karriere.
"Was einen nicht umbringt, macht einen härter", sagte die 30-Jährige.
Widrige Bedingungen können Strutz nicht stoppen
Zuletzt hatte das nur 1,60 m grosse Energiebündel auch noch mit Achillessehnenproblemen zu kämpfen.
Doch zur EM brachte sich die Mecklenburgerin noch rechtzeitig in Form, trotzte Wind und Wetter und nutzte ihre Chance eiskalt aus.
"Wenn es darauf ankommt, schalte ich meinen Kopf aus und lasse mein Gehirn im Schrank", sagte Strutz, nachdem sie mit 4,60 m zu Silber geflogen war.
Den Titel sicherte sich die Tschechin Jirina Ptacnikova, Bronze ging an die Griechin Nikolia Kiriakopoulou (beide ebenfalls 4,60).
Diskus-Legende kocht
Nach der so turbulent verlaufenen Vorbereitung hatte kaum jemand Strutz eine erneute Medaille zugetraut. Nach dem Verlust der Trainingshalle musste sie nach Neubrandenburg ausweichen und lebte vorübergehend in einem kleinen Zimmer des Sportinternats.
Trainer Thomas Schuldt (51) konnte Strutz, die im vergangenen Jahr den deutschen Rekord beim WM-Silber auf 4,80 m geschraubt hatte, nur sporadisch unterstützen.
Dafür kümmerte sich die dreimalige Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch um die Exil-Neubrandenburgerin. "Franka hat oft für mich gekocht, lecker Fleisch mit Gemüse. Sie war wie eine Mutti für mich", sagt Strutz.
Tattoo und drittes Silber?
Mittlerweile lebt und trainiert Spätstarterin Strutz wieder in ihrem geliebten Schwerin. Und hofft bei Olympia in London (27. Juli bis 12. August) auf die nächste Medaille.
"Vielleicht kann ich ja die Silberserie fortführen", meinte sie. Dann will sie sich auch ein weiteres Tattoo stechen lassen. Einen knallroten Doppelstockbus, der durch die olympischen Ringe saust.
Krämpfe bremsen Spiegelburg
Silke Spiegelburg war die grosse Verliererin. Die favorisierte Weltranglistenzweite (4,76 m) wurde mit 4,50 nur Vierte.
"Ich habe Krämpfe. Es hat mit der Wade angefangen, jetzt ist das ganzes Bein in Krampf", sagte die 26-Jährige und kämpfte mit den Tränen. Siebte wure die Ludwigshafenerin Lisa Ryzih (4,40).
SPORT1
