Weltrekord-König Eaton: ''Der Beste der Besten!''
Eugene - Die letzten 600 Meter auf seinem ganz eigenen Planeten erlebte Ashton Eaton wie in einem Traum.
"Ich war in meiner Welt, ich wusste, dass der Rekord mir gehört, ich habe es gespürt, gefühlt, ich konnte es sehen, riechen, schmecken", sagte der Mann, der dem Tschechen Roman Sebrle nach elf Jahren den Zehnkampf-Weltrekord entriss.
Nach seinen 9039 Punkten bei den US-Trials in Eugene, 13 mehr als Sebrle im Mai 2001 in Götzis erzielt hatte, kommt Eaton als König der Athleten zu Olympia nach London.
Zwei Weltrekorde
Aus sieben der zehn Disziplinen ging der Hallenweltmeister aus Oregon, der wenige Kilometer vom Hayward Field entfernt aufwuchs, als Sieger hervor.
In 10,21 Sekunden über 100 m und mit 8,23 m im Weitsprung hatte Eaton gleich zu Beginn seines Zweitagesprogramms im strömenden Regen Weltrekorde im Rahmen eines Zehnkampfes aufgestellt.
"Ich liebe das Laufen und Springen, es ist meine ganze Welt", sagte der Mann vom Oregon Track Club: "In meiner Welt jetzt der Beste der Besten zu sein, macht mich unfassbar glücklich."
Am Ende persönliche Bestzeit
20.000 Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzen, um den Vizeweltmeister von Daegu auf seinem abschliessenden 1500-m-Lauf frenetisch zu unterstützen.
Mit unbändiger Kraft stürmte Eaton als Sieger in persönlicher Bestzeit von 4:14,48 Minuten ins Ziel und liess seinen Tränen freien Lauf. "Es ist nicht so, dass ich jetzt am Ende des Weges angekommen bin, aber ich habe eine Königsetappe gewonnen", sagte er. Einer der ersten Gratulanten war Atlanta-Olympiasieger Dan O'Brien, 1992 selbst Weltrekordler im Zehnkampf.
Rekord trotz Regen
Selbst der Regen des ersten Wettkampftages in Eugene hatte den in Portland/Oregon geborenen Eaton nicht vom Weltrekordkurs abgebracht. "Das Wetter ist wie die elfte Disziplin, die muss man eben zusätzlich absolvieren, aber das geht allen so", sagte Eaton.
Beim Stabhochsprung schien zum ersten Mal die Sonne, und als Eaton 5,30 m überquerte, war Roman Sebrle klar, dass sein Rekord in Gefahr war.
Trainer überrascht
"Ich wusste, dass er stark ist. Aber niemand konnte ahnen, dass er so stark in den Wettkampf startet", sagte Eatons Coach Harry Marra. Bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr in Daegu hatte er sich erst im 1500-m-Lauf die Silbermedaille gesichert, und auch in Eugene musste die letzte Disziplin entscheiden.
"Ich brauchte keinen Tempomacher, ich habe meinen Lauf einfach durchgezogen", sagte Eaton. Seine starken 4:14,48 widmete er dem Publikum: "Die Zuschauer haben mich getragen."
Clay nicht nach London
Olympiasieger Brian Clay strauchelte im Hürdenlauf und lieferte drei ungültige Versuche im Diskuswurf ab. Damit verpasste er seine dritte Olympiateilnahme. Glücklich beendete hingegen der lange verletzte Weltmeister Trey Hardee seinen Zehnkampf (8383).
Mit der Freundin zu Olympia
Ashton Eaton darf sich bei seinem Kampf um olympisches Gold in London über ganz besondere persönliche Unterstützung vor Ort freuen. Seine kanadische Verlobte Brianne Theisen, die ebenso wie Eaton an der Universität von Oregon studiert, hat als Siebenkämpferin ihr Ticket nach London bereits in der Tasche.
Die übrigen Entscheidungen am Samstag gingen im Trubel um den Weltrekord fast unter. Im 100-m-Sprint der Frauen setzte sich Weltmeisterin Carmelita Jeter in 10,92 Sekunden durch.
Jeter ist nervös
"Ich bin schon jetzt aufgeregt, unsere Mannschaft in London zu vertreten", sagte die zweitschnellste Frau der Geschichte, die zum ersten Mal bei Olympia dabei ist.
Zweite wurde die frühere Weitsprungweltmeisterin Tianna Madison (10,96), Platz drei teilten sich nach Fotofinish die junge Jeneba Tarmoh und Staffel-Olympiasiegerin Allyson Felix (beide 11,07).
Harper stark über die Hürden
Den Hürdensprint gewann bei Gegenwind Olympiasiegerin Dawn Harper in 12,73 Sekunden. In London starten ausser ihr Kellie Wells (12,77) und Lolo Jones (12,86). In ihren Vorläufen über 100 Meter setzen sich Dopingsünder Justin Gatlin (9,90) und Tyson Gay (10,00) problemlos durch.
Mit Spannung wird das 400-m-Finale der Frauen erwartet. Halbfinal-Schnellste waren Sanya Richards-Ross (50,81) und Francena McCorory (50,55).
Zu den bekanntesten Ausfällen gehörte im Kugelstossen der Olympiazweite von 2000 und 2004, Adam Nelson (18,47), sowie im Hürdensprint Athen-Olympiasiegerin Joanna Hayes (12,98).
SPORT1
