Skeptischer Baur: 'Es hat überall gehapert'
Krefeld - Die Abwehr wacklig, der Angriff harmlos: Die lange Mängelliste der deutschen Nationalmannschaft bereitet auch Junioren-Bundestrainer Markus Baur grosse Sorgen.
Denn mit Heilsbringern aus dem Nachwuchsbereich ist auf absehbare Zeit wohl nicht zu rechnen - trotz der "hohen Qualität" der jungen Spieler.
Der A-Nationalmannschaft stellte Baur zwei Monate vor der WM in Spanien ein vernichtendes Zeugnis aus.
"Im Endeffekt hat es in beiden Spielen überall gehapert. Wir haben es im Angriff nicht geschafft, uns gegen die offensivere Deckungsvariante durchzusetzen. In der Abwehr haben wir die Bereitschaft vermissen lassen, zusammenzuarbeiten", sagte Baur: "Wenn ein Grossteil des Kaders die Form nicht findet, ist es schwer zu bestehen."
Nach der Blamage in der EM-Qualifikation gegen das international bislang als zweitklassig geltende Montenegro (27:31) war das Team von Bundestrainer Markus Heuberger im zweiten Spiel zu einem wenig überzeugenden 30:27-Sieg beim Aussenseiter Israel gekommen.
Baur macht sich für Kraus-Comeback stark
Baur: "Wir haben keine guten Spiele gesehen. Grundsätzlich haben wir den Anspruch, gegen jeden Gegner mithalten zu können."
Als Impulsgeber für das oft an Kreativität mangelnde Offensivspiel kursiert weiter der Name des in Ungnade gefallenen Michael Kraus.
"Ich weiss, dass ein Austausch stattfindet", sagte Baur, der ein Comeback des HSV-Spielmachers begrüssen würde: "Wenn wir nur die beiden Spiele nehmen, dann müssen wir etwas ändern. Dann können uns viele Spieler helfen."
Junioren kämpfen um WM-Quali
Mittel- bis langfristig ruhen die Hoffnungen aber auf dem von Baur betreuten Nachwuchs.
Im Januar trifft das Team der Jahrgänge 1992 und 1993 im Qualifikationsturnier in Krefeld auf Finnland, Österreich und Tschechien. Nur der Sieger löst das Ticket für die WM in Bosnien-Herzegowina (14. bis 28. Juli).
"Die Qualität der Truppe ist richtig gut. Wir werden alles daran setzen, gute Ergebnisse einzufahren", sagte Baur.
Man habe auf jeder Position Spieler, die den Schritt in die Bundesliga oder die Nationalmannschaft schaffen könnten: "Sie müssen nur weiter an sich arbeiten und weiterentwickeln."
Bundesligisten in der Pflicht
Dazu bedarf es jedoch regelmässigen Einsätzen in der Bundesliga.
Derzeit spielt aber nur ein geringer Teil des aktuellen Kaders bei Vereinen der höchsten Spielklasse. Und wenn, dann sind die Einsatzzeiten oft geringer als erhofft.
"Es wäre von Vorteil, wenn die Spieler sich vermehrt auf höchstem Niveau messen und sich dort austoben könnten", sagte Baur.
Erst wenn die jungen Akteure an ihre Grenzen stiessen, würden sie sich nachhaltig verbessern.
Auch Verständnis für Vereine
Gleichzeitig zeigte der Weltmeister von 2007, der die Junioren am 1. Juli von Christian Schwarzer übernommen hatte, aber auch Verständnis für die Vereine.
"Man muss immer beide Seiten sehen. Den Klubs geht es erst an zweiter Stelle um die Entwicklung der Leute, zuerst steht der Erfolg. Die Vereine sind wie kleine Wirtschaftsunternehmen. Das muss man akzeptieren", sagte Baur.
SPORT1










