Angeschlagener HSV will zurück in die Spur
Von Annette Bachert
München - Schlimmer geht's immer! So oder so ähnlich könnte das Motto derzeit beim HSV Hamburg lauten.
Nicht nur, dass mit Oscar Carlen und Johannes Bitter zwei wichtige Akteure monatelang ausfallen. Nicht nur, dass Torsten Jansen und Marcin Lijewski verletzungsbedingt wochenlang pausieren müssen.
Nein, nach Pascal Hens, der in den vergangenen Wochen an einem Muskelfaserriss laborierte, fällt nun mit Blazenko Lackovic (Fingerbruch) der nächste Rückraum-Akteur länger aus.
In der Champions-League-Partie am 4. Spieltag gegen Partizan Belgrad kann HSV-Trainer Martin Schwalb nur noch auf zwei gestandene Rückraum-Spieler zurückgreifen - Domagoj Duvnjak und Michael Kraus.
Schwalb ist frustriert
"Es ist schon unfassbar, wie sehr wir gebeutelt sind", klagt Schwalb: "Ich hoffe nur, dass sich von denen, die jetzt viel spielen, keiner mehr verletzt."
Ob Kapitän Hens in dieser Ausnahmesituation nun vielleicht doch schon aufs Handballfeld zurückkehren wird, wird kurzfristig entschieden.
Terzic darf ran
Sicher spielen wird allerdings der 18-jährige Stefan Terzic.
Der serbische Neuzugang, der bislang kaum Spielzeit bei den Hanseaten erhielt, wird gegen seine Landsleute nun zu seinem ersten Einsatz in der Königsklasse kommen.
Der Linkshänder glaubt trotz aller Widrigkeiten fest an einen Sieg: "Sie werden bis zum Umfallen kämpfen, aber ich denke, dass wir gewinnen werden. Natürlich hoffe ich, dass ich spiele, aber das Wichtigste ist der Erfolg der Mannschaft."
Und fügt an: "Ich kenne ein paar Jungs aus der Mannschaft. Sie sind ein gutes Team, mit einer guten Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern."
Probleme mit jungen Spielern
Mit besonders jungen Spielern hatte der HSV erst am Mittwoch Probleme. Gegen die Studenten-Truppe vom TV Neuhausen fing sich das Schwalb-Team in letzter Sekunde den Ausgleichstreffer zum 28:28 ein .
In dieser Partie durfte Terzic nicht ran - für den Trainer aaus gutem Grund, wie er erklärt:
"Stefan ist mit seinen 18 Jahren einfach zu jung. Ich will ihm nicht die Karriere kaputt machen, indem ich ihn in einer ganz schwierigen Phase aufs Feld werfe."
Gegen Belgrad wird er Terzic nun aufs Feld werfen müssen, obwohl die Ausgangslage gegen die "körperlich und individuell sehr starken" Serben alles andere als einfach ist.
"Sie wittern jetzt natürlich ihre Chance auf zwei Punkte, aber die wollen wir unbedingt in Hamburg behalten. Denn mit 7:1 Punkten, und darunter schon Auswärtssiegen in Leon und Montpellier, hätten wir eine gute Ausgangsposition für die kommenden Aufgaben", gibt der HSV-Coach die Marschroute vor.
Partizan unter Druck
Mit bisher nur zwei Punkten aus drei Partien steht Partizan gegen den HSV bereits unter Druck, wollen sie die Chance aufs Achtelfinale wahren. Doch der Sieg gegen Ademar Leon, wo auch die Hamburger in dieser Spielzeit erfolgreich waren, macht den Serben Mut.
"Nachdem wir gezeigt haben, dass wir gegen Europas Top-Teams bestehen können, wollen wir jetzt so viele Punkte wie möglich sammeln. Wir glauben jetzt an Wunder, weil jeder Spieler sein Herz in die Hand genommen hat und das Ergebnis ein Sieg war", sagt Spielmacher Uros Mitrovic:
"Wir sind zwar nicht in der Position, Ansprüche gegen Teams wie Hamburg zu formulieren, aber wir werden bis zur letzten Sekunde kämpfen, auch wenn wir nicht als Sieger vom Platz gehen."
Flensburg vor schwerer Partie
Einen weiteren Sieg möchte auch der Tabellenführer der Gruppe A, die SG Flensburg-Handewitt, einfahren. Ein Remis gegen Montpellier und zwei Erfolge gegen Belgrad sowie Medwedi Moskau stehen bisher auf der Habenseite der Flensburger.
Doch glaubt man SG-Coach Ljubomir Vranjes, wird die Partie in Leon "das schwerste Spiel, das wir bislang in dieser Saison in der Königsklasse hatten".
So sieht das auch Rückraum-Ass Arnor Atlasson, der in der vergangenen Saison mit AG Kopenhagen bereits eine bittere Pleite in Kastilien erleben musste.
"Das fanatische Handball-Publikum von Leon ist europaweit bekannt. Ademar ist deshalb zu Hause eine ganz andere Mannschaft als auswärts. Wir waren vor einem Jahr nicht wirklich dicht an einem Auswärtssieg dran", erklärt der Isländer, der mit Kopenhagen damals mit 26:28 verlor.
