HSV auf dem Zahnfleisch gegen reiche Bären
Von Benjamin Bauer
München - Serienmeister, mit 13 Spielern nahezu die komplette russische Nationalmannschaft im Team und finanzstark: Medwedi Tschechows Visitenkarte ist furchteinflössend.
Die Moskauer, auch die "Bären aus Tschechow" genannt, gastieren am 2. Spieltag der Champions League beim HSV Hamburg und gehören zusammen mit dem Schwalb-Team zu den siegreichen Mannschaften am ersten Spieltag der Gruppe A.
Während die Hanseaten Ademar Leon 28:26 in Schach hielten, feierten die Russen gegen RK Partizan Belgrad einen 38:31-Erfolg .
HSV im Dauereinsatz
Nach dem Sieg gegen Gummersbach in der DKB Handball-Bundesliga empfängt der HSV Tschechow zwar mit breiter Brust, allerdings ist die Partie für die Norddeutschen bereits das dritte Spiel innerhalb von sechs Tagen.
Trainer Martin Schwalb ist über die Situation nicht glücklich und wittert ein physisches Problem: "Nach den beiden schweren Spielen und den anstrengenden Reisen der letzten vier Tage, wartet ein weiterer Kraftakt auf uns. Gegen Moskau müssen wir nochmal auf die Zähne beissen und alle Kräfte mobilisieren", appellierte er an sein Team, das Letzte rauszuholen.
Kraus fürchtet Qualitätsverlust
Kapitän Michael Kraus sieht aufgrund der körperlichen Strapazen sogar die Qualität des Hamburger Spiels in Gefahr.
"Natürlich ist es anstrengend, alle zwei Tage ein Spiel zu haben. Aber so ist es nun mal in der Champions League, und dafür haben wir hart gearbeitet, weshalb wir uns auch nicht beschweren wollen. Sicherlich leidet die Attraktivität des Spiels etwas darunter, aber am Ende zählen nur die Punkte. Und die werden wir mit viel Willen und Leidenschaft in Hamburg behalten."
Tschechow noch ungeschlagen
Während die Hamburger die bisher einzige Saisonniederlage am ersten Spieltag in Wetzlar verkraften mussten, kennen die Gäste das Gefühl der Pleite nicht.
Die Auswahl von Trainer Vladimir Maximov führt die russische Liga mit sieben Siegen aus sieben Spielen souverän an.
Im direkten Duell führen die Hanseaten allerdings klar. Vier Mal behielt der HSV die Oberhand, zwei Mal trennt man sich in sechs Aufeinandertreffen remis.
Fehlende Konkurrenz als Nachteil?
Vorteil der Hamburger könnte der mangelnde Wettbewerb in Russland sein.
"Das ist absolut öde. Medwedi ist den anderen Mannschaften zwei Schritte voraus", beschrieb Konstantin Igropulo von den Füchsen Berlin im SPORT1-Interview die Situation bei seinen Landsleuten.
"90 Prozent der russischen Nationalspieler spielen bei Medwedi Tschechow, wo sie gutes Geld verdienen. Sie wollen sich nicht verändern, sondern lieber mit ihren Familien dort bleiben. Es ist eben nicht so leicht, das Land zu verlassen, eine neue Sprache zu lernen und sich an einen anderen Lebensstil zu gewöhnen", erklärte Igrolulo, der von 2005 bis 2008 selbst bei Tschechow aktiv war.
Es ist also das Duell der bequemen Russen gegen die gestressten Hanseaten.
SPORT1










