Kiel mit süssem Sieg - Füchse mit Gewalt
Von Annette Bachert
München - Vier Auftritte, drei Siege und ein Unentschieden: Das ist die überzeugende Bilanz der deutschen Teams am 1. Spieltag der Champions League .
Allen voran der THW Kiel zauberte beim 32:27-Erfolg gegen den spanischen Meister Atletico Madrid eine souveräne Vorstellung aufs Parkett.
Glücklich mit den zwei Punkten, offenbarte der THW aber noch Steigerungspotential.
"Es war nicht das beste Spiel von beiden Mannschaften. Aber wir haben gewonnen in dieser heissen Arena. Und genau das ist gut für uns", sagte Dominik Klein den "Kieler Nachrichten".
Und Kiels Top-Torschütze Filip Jicha erklärte: "Das heutige Spiel ist für beide Mannschaften noch zu früh gekommen, beide Teams werden noch um einiges besser werden. Doch für den weiteren Verlauf in der Champions League war das ein süsser Sieg."
Viel Einsatzzeit für die Neuen
THW-Chefcoach Alfred Gislason setzte gegen den spanischen Pokalsieger konsequent auf seine Neuzugänge. Marko Vujin, Patrick Wiencek und Rene Toft Hansen trugen sich allesamt in die Torschützenliste ein, letzterer allerdings auch mit einer Roten Karte in den Spielberichtsbogen.
Doch die drei Zeitstrafen des Kreisläufers resultierten auf einer starken, wenn auch etwas unglücklichen Abwehrleistung.
Dennoch fand es Gislason "für diese Jungs ganz wichtig, dass wir aus dieser schweren Partie als Sieger hervorgegangen sind."
Gislason warnt vor Madrid
Doch wie Gislason hat auch Atletico-Trainer Talant Duschebajew einige Neuzugänge zu integrieren.
Und eben darin sieht der ehemalige Bundesliga-Akteur auch noch das grosse Manko seines Teams.
"Bei uns stimmen viele Sachen noch nicht. Das liegt eindeutig daran, dass wir sieben Neue haben. Über diese bin ich aber sehr glücklich. Das sind gute Leute, dennoch müssen wir noch sehr viel arbeiten", sagte Duschebajew.
Und Gislason ist sich sicher: "Madrid wird bald wieder eine Macht sein."
Auswärtsspiel in Berlin
Weniger als Macht, viel mehr als Gast in eigener Halle präsentierten sich die Füchse Berlin bei ihrem ersten Auftritt in der Königsklasse in der laufenden Saison. Das Team von Dagur Sigurdsson musste aufgrund von Terminschwierigkeiten statt im Fuchsbau Max-Schmeling-Halle im Velodrom am Prenzlauer Berg antreten.
Doch auch wenn die "Auswärtssieg, Auswärtssieg"-Sprechchöre der rund 3.800 Zuschauer nach dem 29:25-Erfolg über Dynamo Minsk die Berliner ein wenig versöhnten, schmollte Iker Romero: "Ich will zurück in die Schmeling-Halle."
Der mit acht Treffern erfolgreichster Berliner Ivan Nincevic wollte die besonderen Umstände aber nicht als Ausrede für die schlichtweg schlechte Leistung gelten lassen: "Mit der Halle hat das nichts zu tun."
Romero weckt Füchse auf
Gegen die grosse Unbekannte aus Weissrussland hatte der Halbfinalist von 2012 deutlich mehr Probleme als erwartet. Vor allem die aggressive, offensive Deckung machte den Berlinern zu schaffen. Und im Angriff liessen die Füchse die gewohnte Durchschlagskraft vermissen.
Bis zur 55. Minute war es eine enge Partie. Doch mit der Einwechslung von Spielmacher Romero bekam das Berliner Spiel noch einmal einen Schub und sicherte die ersten zwei Punkte in der Champions-League-Saison 2012/2013.
"Wir hätten dieses Spiel auch verlieren können, das hat jeder gesehen", sagte Coach Sigurdsson: "Am Ende haben wir es mit Gewalt gelöst."
Hens "total unzufrieden"
Am Samstag bereits punktete auch der HSV Hamburg beim 28:26-Erfolg in Spanier gegen Ademar Leon.
Doch wie Kiel und Berlin haderten auch die Hamburger mit ihrer Leistung.
Pascal Hens, der vor allem "mit seinem eigenen Spiel total unzufrieden" war, sagte: "Das Wichtigste ist, dass wir das Spiel gewonnen haben, um mit einem Erfolg in die Champions League zu starten. Wir haben zu viele falsche Entscheidungen getroffen, aber das wissen wir, und daran arbeiten wir jeden Tag weiter."
Flensburg mit Achtungserfolg
Bereits am Donnerstag erkämpfte die SG Flensburg-Handewitt in der Hamburger Gruppe A gegen den skandalumwitterten Montpellier HB ein 37:37-Remis.
"Ich bin nicht unzufrieden", sagte SG-CoachTrainer Ljubomir Vranjes und fügte an: "Wir haben immerhin gegen eine der besten Mannschaften der Welt gespielt. Aber bei einigen meiner Spieler hat es nicht so gut funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe."
Und der Flensburger Kapitän Tobias Karlsson bezeichnete das hart erkämpfte Unentschieden als "Weckruf, dass die Champions League begonnen hat."










