''Das ist meine Chance, mich zu beweisen''
Von Hardy Heuer
München - Tobias Reichmann gehört erstmals zum A-Kader der deutschen Nationalmannschaft.
Bei den Tests gegen Serbien am Samstag in Schwerin und am Sonntag in Rostock hofft der Rechtsaussen nun auf sein Debüt im Team von Bundestrainer Martin Heuberger.
Doch nicht nur beim Nationalteam, auch in der DKB Handball-Bundesliga läuft es für den 24-Jährigen besser denn je.
Nach seinem Wechsel vom THW Kiel im Sommer zur HSG Wetzlar ist Reichmann in wenigen Wochen zum Stammspieler geworden und feierte mit Wetzlar den besten Start seit Bundesligazugehörigkeit.
Im SPORT1-Interview spricht Tobias Reichmann über die Chancen gegen Serbien, den Wechsel nach Wetzlar, seine Ziele und eine harte Erfahrung.
SPORT1: Herr Reichmann, Sie sind zum ersten Mal in den A-Kader berufen worden. Was bedeutet das für Sie?
Tobias Reichmann: Es freut mich riesig, dass ich die Chance bekomme, mich hier zu beweisen. Ich bin stolz darauf, hier zu sein.
SPORT1: Die Konkurrenz auf Rechtsaussen mit Patrick Groetzki und Markus Richwien ist stark. Haben Sie das Potential sich dort durchzusetzen?
Ich glaube schon, dass ich das Potential dazu habe. Ich versuche auf jeden Fall mein Bestes zu geben, die weiteren Dinge entscheidet der Trainer.
SPORT1: Die Nationalmannschaft hat sich für die WM in Spanien im Januar qualifiziert. Werden Sie dort für Deutschland auflaufen?
Das weiss ich nicht, das müssen Sie den Trainer fragen. Ich bin das erste Mal dabei - und wenn es gut läuft, dann kann es vielleicht passieren.
SPORT1: Gegen Serbien erwarten Sie und das Team zwei harte Spiele. Wie gross sind die Siegchancen?
Die Siegchancen sind auf jeden Fall da, aber es werden zwei hart umkämpfte Spiele. Wenn wir in der Deckung und im Angriff ordentlich spielen, dann können wir da auch gewinnen.
SPORT1: Beim THW Kiel zu spielen, ist der Traum fast jeden Handballers. Sie haben sich nach drei Jahren dort verabschiedet. Warum?
Mir haben die Spielanteile als junger Spieler nicht gereicht. Ich wollte einfach mehr Einsatzzeit und habe mich deshalb entschieden, zur HSG Wetzlar zu wechseln. Ich bereue den Schritt nicht. Ich kann jetzt 60 Minuten spielen - und das bringt mich auf jeden Fall weiter.
SPORT1: Zuletzt gab es Kritik am THW, dass grosser Wert auf Legionäre gelegt wird und somit keine neuen Talente für die Nationalmannschaft aus Kiel nachrücken. Wie sehen Sie das?
Ich glaube einfach, dass der THW andere Prioritäten als viele Vereine setzt.
SPORT1: Auch wenn Sie nicht übermässig viel Spielzeit bekommen haben: Sie spielten dort Championsleague und gewannen bedeutende Titel. Das wird in Wetzlar wohl vorerst nicht passieren. Ist dieser Wechsel nicht auch ein kleiner Rückschritt?
Für mich bedeutet das in erster Linie, einen neuen Abschnitt meiner Karriere zu beginnen, in dem ich mich beweisen muss. Ich sehe das positiv, weil ich nun mehr Spielzeit bekomme.
SPORT1: Sie sind jetzt seit einigen Wochen bei der HSG. Wie haben Sie sich eingelebt?
Ich wurde super von der Mannschaft aufgenommen. Es macht viel Spass, mit ihr zu spielen, und ich bin froh, da zu sein.
SPORT1: Merken Sie einen Unterschied bezüglich der Professionalität zum THW?
Das Training ist natürlich anders aufgebaut. Kiel hat alle drei, vier Tage ein Spiel, das ist in Wetzlar nicht der Fall. Die Trainingsinhalte sind anders gelegt.
SPORT1: Können Sie sich dann überhaupt verbessern?
Ich glaube, dass die Spielanteile entscheidend sind. Im Training kann man die 60 Minuten Einsatzzeit nicht simulieren.
SPORT1: Wetzlar hat in diesem Jahr den besten Start seit Bundesligazugehörigkeit gefeiert, danach zwei Spiele verloren. Wie bewerten Sie den Liga-Auftakt?
Der Auftakt ist trotz der beiden Niederlagen positiv, wenn man sieht, was für ein Potential in der Mannschaft steckt. Wir müssen bloss an der Konstanz arbeiten und können dann den ein oder anderen schlagen.
SPORT1: Welche Ziele haben Sie sich mit der HSG gesetzt?
Wir wollen den Klassenerhalt so früh wie möglich unter Dach und Fach bringen. Ich persönlich will mich sportlich weiterentwickeln.
SPORT1: Sie sind in dieser kurzen Zeit bereits von Kiels Bank- zu Wetzlars Stammspieler geworden. Coach Wandschneider sagt: Eine harte Erfahrung. Sehen Sie das ähnlich?
Ja, schon. Es ist für mich etwas ganz anderes, nicht nur fünf oder zehn Minuten zu spielen, sondern 60 Minuten aufzulaufen. Ich bin froh, dass ich die Chance bekomme, mich zu beweisen.
SPORT1: Er hat Sie auch als Rohdiamanten beschrieben. Hat Ihr ehemaliger Coach Alfred Gislason das nicht erkannt?
Doch, das hat er auch erkannt. Für mich ging es jetzt allein darum, zu einem Verein zu wechseln, wo ich durch längere Spielanteile meine Fähigkeiten beweisen kann.
SPORT1: Lag es vielleicht auch an der starken Konkurrenz?
Das auch, na klar. Sprengi (Christian Sprenger, Anm. d. Red.) ist ein sehr guter Spieler, und ich habe es nicht geschafft, ihn zu verdrängen.
SPORT1
