WM oder Super-GAU? DHB-Team kämpft um Zukunft
München - Es sind nur zwei Spiele gegen ein zweitklassiges Team - und doch geht es um nicht weniger als die Zukunft des deutschen Handballs.
In Hin- und Rückspiel kämpft die Nationalmannschaft am Samstag in Stuttgart und acht Tage später in Sarajevo gegen Bosnien-Herzegowina um das Ticket zur WM 2013 in Spanien (13. bis 27. Januar 2013).
Nach der verpassten Olympia-Teilnahme wäre ein erneutes Scheitern für den Ex-Weltmeister der Super-GAU.
"Die Spiele sind enorm wichtig, nicht nur für uns, sondern für den gesamten Handballsport in Deutschland", sagt Abwehrchef Oliver Roggisch.
Olympia-Aus schmerzt noch immer
Noch immer lastet die vergebene Olympia-Chance schwer wie Blei auf der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB).
Durch Platz sieben bei der EM in Serbien hatte das Team im Januar die Qualifikation verpasst - es war ein historischer Misserfolg: Erstmals in der Geschichte finden die Sommerspiele ohne ein deutsches Handball-Team statt.
Losglück für DHB-Team
Nach der Auslosung für die WM-Playoffs atmete die deutsche Handball-Szene kollektiv auf. Bosnien-Herzegowina, Losglück für das DHB-Team.
Weitaus stärkere Gegner wie Russland, Norwegen oder Tschechien wären möglich gewesen.
Bundestrainer Martin Heuberger kommt dennoch seiner Pflicht nach und warnt vor dem Aussenseiter.
"Müssen höllisch aufpassen"
Beim Gegner seien "sehr viele Spieler aus Europa unterwegs. Sie haben viel Qualität, da müssen wir höllisch aufpassen", sagte Heuberger der Handball-Woche.
Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar liess bei SPORT1 allerdings keinen Zweifel an der deutschen Favoritenrolle. "Es wäre nicht auszudenken, was passiert, wenn das in den Sand gesetzt wird", so der frühere Linksaussen: "Das ist eine Aufgabe, die gelöst werden muss, da gibt es überhaupt keine Diskussion. Wir sind stark genug, um Bosnien-Herzegowina zu schlagen."
Positive Serie
Der Trend der letzten Monate hat in der Tat so etwas wie Aufbruchstimmung geweckt.
Seit dem EM-Aus blieb die deutsche Mannschaft ungeschlagen, beeindruckte unter anderem in zwei Spielen gegen Europameister Dänemark (25:25/33:26).
Heuberger mit Verletzungssorgen
Personell zeigt das Team ein verändertes Gesicht. Kapitän Pascal Hens erklärte gleich nach der EM seinen Rücktritt, Rechtsaussen Christian Sprenger tat es ihm im März gleich.
In den Playoff-Duellen muss Heuberger zudem auf die verletzten Leistungsträger Holger Glandorf, Michael Haass und Patrick Groetzki verzichten.
Dominik Klein dabei
Linksaussen Dominik Klein wird dagegen zur Verfügung stehen .
Das Schiedsgericht des europäischen Verbandes EHF gab einem Einspruch des DHB statt.
Die Sperre von zwei Pflichtspielen, die nach dem letzten Hauptrundenspiel der EM gegen Polen (32:33) ausgesprochen worden war, ist hinfällig.
"Wir müssen ohnehin einige Ausfälle verkraften. Dass wir mit Dominik planen können, ist sehr wertvoll", sagt Heuberger.
Roggisch voller Elan
Als Interimskapitän plant der Trainer erneut mit Abwehrchef Roggisch.
Für den 33-Jährigen ist das Spiel in Stuttgart der 175. Auftritt im DHB-Trikot, aber genug hat der Weltmeister von 2007 noch längst nicht.
"Ich fühle mich fit wie lange nicht mehr", sagt Roggisch: "Und die jungen Spieler reissen mich mit."
Newcomer sorgen für Aufbruchstimmung
Etwa der 21-Jährige Johannes Sellin, der nach dem Rücktritt Sprengers auf Rechtsaussen gefordert ist.
Gegen Dänemark überzeugte auch der 25-jährige Steffen Weinhold als zusätzlicher Linkshänder auf der Spielmacherposition.
Die anstehenden Duelle könnten für einige zur Feuertaufe werden, in Sarajevo sei mit "einer hitzigen Atmosphäre" zu rechnen, sagt Heuberger: "Wir müssen sehen, wie junge Spieler wie Weinhold mit der Kulisse umgehen. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass es sie eher motiviert."
Zunächst gilt es ohnehin, vor heimischem Publikum die Pflicht zu erfüllen.
SPORT1










