''Es ist möglich, dass ich hier aufhöre''
Von Felix Götz
München - Durch den Sieg im Finale gegen den französischen Vertreter Dünkirchen HB hat Frisch Auf Göppingen zum zweiten Mal in Folge den EHF-Pokal gewonnen.
Dabei war es für die Schwaben keine leichte Saison: Verletzungen, Abgänge und Formkrisen machten dem Traditionsverein das Leben besonders in der Hinrunde schwer.
Im Verlauf der Spielzeit steigerte sich Frisch Auf jedoch. In der Toyota HBL steht Platz acht zu Buche.
Bei SPORT1 spricht Göppingens Erfolgscoach Velimir Petkovic über den Triumph im Europacup, die Probleme der Saison und die kuriose Transfer-Absage von Darko Stanic.
Zudem verrät der 55-Jährige, dass die kommende Saison für ihn die letzte in Göppingen sein könnte.
SPORT1: Herr Petkovic, Glückwünsch zum zweiten Sieg im EHF-Cup hintereinander. Die anschliessende Party soll gut gewesen sein...
Velimir Petkovic: Die war richtig gut und ziemlich lang. Aber das hatten sich meine Jungs verdient, weil sie tolle Leistungen abgeliefert haben.
SPORT1: Was war der Grund, dass Göppingen den Titel erneut geholt hat?
Petkovic: Ich glaube, dass unsere schwierige Saison in der HBL ein wichtiger Punkt war.
SPORT1: Wie meinen Sie das?
Petkovic: Naja, in der Liga war relativ früh klar, dass weder nach unten noch nach oben viel geht. Also konnten wir uns auf den EHF-Pokal konzentrieren. Wir haben gespürt, dass wir auf internationaler Ebene etwas reissen können. Aber nicht falsch verstehen: Das heisst nicht, dass wir uns in der Liga haben hängen lassen. Das beweisen auch die Ergebnisse.
SPORT1: Also waren die Bundesliga-Partien oft eine Art Vorbereitung auf die Spiele im EHF-Cup?
Petkovic: Ja, so kann man das sagen. Und dann dürfen Sie nicht vergessen, wen wir alles ausgeschaltet haben. Ich erinnere nur an Minsk und die Rhein-Neckar Löwen.
SPORT1: Welcher Sieg ist schöner: Der von 2011 oder der in diesem Jahr?
Petkovic: Wenn Sie zwei Kinder haben, dann können Sie nicht sagen, dass Sie ein Kind mehr mögen als das andere. So ähnlich ist das bei Titeln auch.
SPORT1: Die Saison in der HBL war für Frisch Auf nicht leicht - Platz acht. Wäre es ohne den Sieg im EHF-Cup ein enttäuschendes Jahr gewesen?
Petkovic: Irgendwie schon, weil wir uns ja im Vergleich zu den vergangenen Jahren verschlechtert haben. Ein Fehler war, dass die Erwartungshaltung in Göppingen ziemlich gross war. Man muss wissen, dass ein fünfter Rang wie 2010/2011 für Frisch Auf keine Selbstverständlichkeit ist. Man kann nicht immer über seinen Möglichkeiten spielen.
SPORT1: Wichtige Abgänge wie der von Lars Kaufmann und Verletzungen haben die Situation nicht leichter gemacht.
Petkovic: Richtig. Und die schwere Verletzung von Michael Haass bei der EM war wie ein Schlag mit der Faust ins Gesicht. Zudem hatten wir ein schweres Auftaktprogramm.
SPORT1: Und trotzdem ging es in der zweiten Saisonhälfte bergauf.
Petkovic: So ist es. Das war sehr ordentlich. Deshalb bin ich auch nicht unzufrieden.
SPORT1: Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Welche Ziele setzt sich Frisch Auf?
Petkovic: Wir machen das immer alle zusammen, wenn wir vor der Saison im Trainingslager sind: Mannschaft, Management, Trainer. Dann werden wir schauen, was realistisch ist.
SPORT1: Sicher ist, dass Keeper Darko Stanic dann doch nicht dabei sein wird. Stimmt es, dass er nicht kommt, weil er Angst vor der Belastung in der HBL hat?
Petkovic: Ja, so ist es. Jeder muss das für sich selbst entscheiden, das müssen wir akzeptieren.
SPORT1: Wenn ein Spieler so etwas sagt, ist es dann für den Verein besser, ihn nicht zu holen?
Petkovic: Vollkommen richtig. Wenn jemand nicht gerne zu uns kommen will, dann kämpfen wir auch nicht um ihn.
SPORT1: Zurück zur hohen Erwartungshaltung: Kam die vom Klub oder von den Fans?
Petkovic: Eher von den Fans. Wir im Klub versuchen immer, auf dem Boden zu bleiben. Aber: Als es dann nicht so lief, waren die Fans nicht enttäuscht, sondern haben hinter uns gestanden.
SPORT1: Göppingen ist ein Traditionsverein. Sind die Zuschauer deshalb besonders heissblütig?
Petkovic: In Göppingen ist für viele Menschen Handball nach Familie und Job die drittwichtigste Sache. Ich war bei vielen Vereinen in Deutschland und auch ausserhalb. Aber so habe ich das sehr selten erlebt. Das Publikum ist fanatisch und fast schon in Frisch Auf verliebt. Im EHF-Pokal hatten wir teilweise eine unvergessliche Stimmung in der Halle. Ich bin sehr froh, dass ich bei so einem Klub arbeiten darf.
SPORT1: Sie haben noch einen Vertrag bis 2013. Wie lange bleiben Sie noch?
Petkovic: Das ist eine gute Frage. Ich mache mir Gedanken, ob ich nach der kommenden Saison etwas anderes machen soll. Es ist möglich, dass ich hier aufhöre. Aber: Entschieden ist noch nichts.
SPORT1










