Verdruss wegen Hecking - Wiesinger Kandidat
Von Martin Hoffmann
München - Der VfL Wolfsburg hat sich noch rechtzeitig Klarheit verschafft.
Dieter Hecking ist neuer Trainer der "Wölfe" und verschafft dem VW-Klub damit sorglose Festtage.
Die spektakuläre Wende in der Wolfsburger T-Frage hinterlässt dafür anderswo Verdruss: Bei Bernd Schuster, dessen sicher erscheinende Bundesliga-Rückkehr sich im letzten Moment zerschlagen hat.
Und beim 1. FC Nürnberg, der nach Heckings überraschendem Abgang trainerlos zurückbleibt.
Verärgerte Club-Fans
"Ich bin sehr enttäuscht", hält Club-Manager Martin Bader im SPORT1-Interview fest, wobei er im gleichen Atemzug betont, "nicht verbittert" zu sein: "Hecking hinterlässt hier keinen Scherbenhaufen."
Ein Grossteil der Nürnberger Fans legt da gerade weniger Wert auf Nuancen.
Der Ärger über Hecking ist gross, zumal der 48-Jährige als Umfaller dasteht.
Abfuhr noch im Oktober
"Ein Angebot würde ich mir nicht anhören", hatte er noch kurz nach Felix Magaths Entlassung im Oktober im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 in Richtung Wolfsburg erklärt:
"Ich habe mit dem 1. FC Nürnberg einen tollen Arbeitgeber. Ich merke, der Verein steht hinter mir. Meine Aufgabe ist es, den Club ins sichere Mittelfeld zu führen. Und deswegen braucht die Anfrage an mich nicht gestellt werden."
Sätze, die sich gerade auf zig Fanforen und sozialen Netzwerken verbreiten.
"Dieter, jetzt musst du auch an dich denken!"
Hecking selbst versichert in der "Bild am Sonntag", dass er sich seine Kehrtwende nicht leicht gemacht habe:
"Ich habe in den letzten Tagen die ganze Zeit hin und her überlegt. Es fällt mir schwer, Nürnberg zu verlassen. Aber ich habe mir auch gesagt: Dieter, jetzt musst du auch an dich denken!"
Hecking gibt offen zu, dass die "wirtschaftliche" ebenso eine Rolle gespielt hat wie die "familiäre Situation": Heckings Familie wohnt in Bad Nenndorf, 110 Kilometer entfernt von Wolfsburg.
Schon einmal ist der fünffache Familienvater deswegen bei Aachen aus einem laufenden Vertrag ausgestiegen, ging nach Hannover.
Ausstiegsklausel macht es möglich
Hecking geht es ausdrücklich aber auch ums Berufliche: "Natürlich will ich mich auch in meiner Trainerkarriere weiterentwickeln. Klaus Allofs hat mir die sportliche Perspektive in Wolfsburg aufgezeigt und er war sehr überzeugend."
Eine Ausstiegsklausel aus seinem bis 2014 laufenden FCN-Vertrag ermöglicht Hecking den Karriereschritt, laut "BamS" muss Wolfsburg 750.000 Euro Ablöse überweisen.
Co-Trainer-Frage wohl Knackpunkt
Hecking stach damit Real Madrids ehemaligen Meistercoach Bernd Schuster aus, auf den zuvor alles hinauszulaufen schien.
Schuster und Wolfsburg-Manager Klaus Allofs waren in den Verhandlungen schon so weit, dass die Vorstellung des "Blonden Engels" für Freitag anvisiert war.
SPORT1-Experte Thomas Berthold, der Schuster berät, betont, dass es entgegen anderslautender Medienberichte "keine finanziellen Nachforderungen" aus seinem Lager gegeben habe.
Der Deal scheiterte angeblich an Schusters Wunsch, ein komplett neues Trainerteam mitzubringen, während Wolfsburg ihm nur einen Assistenten gewähren wollte - so wie nun Hecking, der aus Nürnberg seine rechte Hand Dirk Bremser mitbringt.
Bader: Wiesinger ist Kandidat
Bremser fällt als Nachfolgekandidat in Nürnberg also aus, dafür wird U-23-Trainer Michael Wiesinger heiss gehandelt, der sich die Aufgabe dem Vernehmen nach auch zutraut.
Bader nimmt den ehemaligen Bayern-Profi bei SPORT1 auch offiziell in die Kandidatenliste auf:
"Ich werde nichts ausschliessen mit Wiesinger, aber ich werde keinen Favoriten nennen. Wiesinger ist zumindest eine sehr gute Alternative, sonst würde er nicht bei uns im Verein arbeiten."
Über die Festtage will sich Bader "in Ruhe" Gedanken machen. Er hat sich das zwar anders vorgestellt, aber: "So ist das im Fussball. Ich werde nicht nur dafür bezahlt, dass ich ruhige Weihnachten habe."
SPORT1



















