Barca: Mit Übervaters Segen für Tito siegen
Von Martin Hoffmann
München - Carles Puyol redete vom "nach vorne Schauen", was sollte er auch tun.
Es war am Kapitän des FC Barcelona, in Worte zu fassen, wie seine Mannschaft umgeht mit der erneut ausgebrochenen Krebskrankheit ihres Trainers Tito Vilanova.
Von einer "Nachricht, für die man nie bereit ist", sprach der Abwehr-Routinier. Von einer Begegnung mit Vilanova, "die uns Stärke vermittelt hat".
Und von dem, was nun mangels Alternative für ihn und seine Teamkollegen zu tun ist: "Der beste Weg für uns, Tito zu helfen ist weiterzumachen wie vorher und unsere Spiele zu gewinnen."
Roura im Rampenlicht
Das erste Spiel ohne Vilanova, der nach einer Tumor-Operation an der Ohrspeicheldrüse auf unbestimmte Zeit pausieren muss, steht am Abend an, Real Valladolid ist der Gegner (ab 18 Uhr).
Und zum ersten Mal wird dabei auch Barcelonas Interimstrainer Jordi Roura unfreiwillig im Rampenlicht stehen.
Ein Mann, bei dem die Mannschaft laut Auskunft von Sportdirektor Andoni Zubizarreta "in aussergewöhnlich guten Händen" ist.
Cruyff vertraut dem Übergangscoach
Vilanovas Co-Trainer ist 45 Jahre alt und ist wie Vilanova und dessen Vorgänger Josep Guardiola ein Eigengewächs, das mit den beiden in den achtziger Jahren Barcas Fussballakademie La Masia besuchte.
Roura, der sich schon damals mit Vilanova angefreundet hat, bestritt zwischen 1989 und 1991 zehn Spiele unter dem damaligen Barca-Coach Johan Cruyff, ehe ihn eine Knieverletzung schon mit Mitte 20 zum Karriere-Ende zwang.
Trotzdem ist er Barcelonas Trainer-Übervater noch in guter Erinnerung.
"Ich kenne ihn gut, er ist ein ruhiger Typ und kennt den Klub sehr gut", meint Cruyff: "Warum sollten wir ihm also nicht vertrauen?"
Gegner-Scouting und Videoanalysen
Roura arbeitet seit 2009 in Barcelonas Trainerteam, seine Hauptaufgabe war das Gegner-Scouting, er war federführend, bei den Videoanalysen, mit denen Guardiola seine Spieler exzessiv auf die Kontrahenten einstimmte.
Als Vilanova zu Saisonbeginn Guardiolas Erbe antrat, beförderte er Roura zum Co-Trainer.
Auch als Chef von Lionel Messi und Kollegen stand er schon einmal bei Barca an der Seitenlinie: Er vertrat Vilanova beim 1:0-Heimsieg gegen Valencia, als der wegen Schiedsrichter-Kritik gesperrt war.
Bestmögliche Ausgangslage
Treuhänder Roura hat nun das Glück, dass ihm sein Chef die bestmögliche Ausgangslage hinterlassen hat.
Die Katalanen haben neun Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Atletico Madrid und dreizehn auf Erzrivale Real.
Der Titelverteidiger tritt am Samstagabend beim FC Malaga an - der am Freitag von der UEFA wegen Finanz-Verstössen für ein Jahr vom Europapokal ausgeschlossen wurde und entsprechend in Aufruhr ist.
Vilanova schwört Mannschaft noch ein
Barcelona ist derweil auch noch von Vilanova auf das Spiel in Valladolid eingeschworen worden.
"Wir wollen dort gewinnen, das hat auch Tito in der Umkleidekabine betont", berichtet Zubizarreta.
Puyol betont, dieser Vorgabe gerecht werden zu wollen: "Wir sind eine verantwortungsbewusste Mannschaft: Wir müssen weitermachen wie bisher, trainieren wie bisher und uns auf Titos Rückkehr freuen."
Abidal als Mutmacher
Die Genesung von Teamkollege Eric Abidal, der in dieser Woche nach seiner Leberkrebserkrankung ins Teamtraining zurückgekehrt ist, ist für die Barca ein Mutmacher.
"Das Beispiel Abidal stärkt die Mannschaft - und ich bin sicher, dass Titos Fall das am Ende auch sein wird."
Eine Hoffnung, die die gesamte Fussballwelt mit Puyol teilt.
SPORT1











