Vertragshickhack: Wenger macht Walcott Druck
Von Christian Paschwitz
München - An und für sich sollten sich die Wogen im Londoner Nordosten doch wieder halbwegs geglättet haben.
Mit einem 5:2 (3:0)-Schützenfest bei Schlusslicht FC Reading beendete der FC Arsenal unlängst Krisengerede und Negativstimmung gegen Trainer Arsene Wenger.
Im Champions-League-Achtelfinale wartet mit dem FC Bayern zwar ein schwerer, gleichwohl sehr attraktiver Gegner.
Mit den Engländern Kieran Gibbs (23), Carl Jenkinson (20), Alex Oxlade-Chamberlain (19), Jack Wilshere (20) sowie dem Waliser Aaron Ramsey (21) hat der 13-malige Meister gleich fünf Jung-Nationalspieler an sich gebunden.
Ziel: Nachlegen bei Wigan
Und: Mit einem Erfolg bei Wigan Athletic (Sa., 13.45 Uhr ) könnten die "Gunners" mit etwas Glück, sprich Ausrutschern der Konkurrenz, gar vom fünften auf den dritten Rang springen.
Und damit noch gelassener Weihnachten entgegensehen, weil die für den Boxing Day am zweiten Feiertag angedachte Partie gegen West Ham United verlegt worden ist.
Doch von Entspannung keine Spur: Für Wirbel sorgt einmal mehr die Personalie Theo Walcott.
"Wir werden ihn nicht verkaufen"
Wenger erhöht nun den Druck auf den Angreifer, der mit seiner Hinhalte-Taktik hinsichtlich einer Verlängerung seines zum Sommer auslaufenden Vertrags bereits seit Monaten für Störfeuer sorgt.
"Wir werden ihn auch nicht im Januar verkaufen (wenn das Transfer-Fenster wieder offen ist, Anm. d. Red.) , weil mir mein Gefühl sagt, dass er zu diesem Klub gehört und ich davon überzeugt bin, dass er verlängert", sagt der 63-Jährige.
Doch Arsenals Trainer-Urgestein, der zuletzt wie selten zuvor in seiner 16-jährigen Amtszeit in der Kritik stand, sieht auch unverhohlen Walcotts Bringschuld: "Wir zahlen Theo gern das Geld, das er verdient. Aber wir haben genauso viel in ihn investiert."
Vorzug gegenüber Giroud
Es bleibt abzuwarten, inwieweit Wengers klare Ansage den Nationalspieler berührt.
Tatsache ist, dass der Coach jedenfalls bereits mehrere Schritte auf Walcott zugegangen ist: Gegen Reading gab der Jährige Walcotts Drängen nach, liess ihn zentral zwischen den Flügelstürmern Lukas Podolski und Oxlade-Chamberlain ran.
Zungunsten Walcott brummte der als Mittelstürmer gekaufte Olivier Giroud dafür nur auf der Bank - dem Bevorzugten dagegen gelang der Tore-Schlusspunkt zum 5:2 (80.).
Walcott einst teuerster 16-Jähriger
Auch deshalb versucht Wenger, Walcott nicht bloss nüchtern zum Bleiben zu überreden, sondern appelliert auch spitzzüngig an dessen Ehrgefühl.
Zumal der sprintstarke Offensivmann einst zum teuersten 16-jährigen Spieler in der Geschichte des britischen Fussballs wurde, Arsenal für ihn fünf Millionen Pfund gezahlt hatte.
"Es ist immer leichter, einen 25-Jährigen ins Team zu holen, da weiss man, was man hat", sagte Wenger.
"Wenn man das Gleiche aber mit 17- oder 18-Jährigen macht, dann musst du dich als Trainer für sie viel mehr ins Zeug legen. Es ist ein hohes Risiko, wenn du sie lernen lässt, aber dabei Spiele verlierst", erwartet der gebürtige Elsässer verklausuliert mehr Loyalität und Dankbarkeit von Walcott.
Vergleich mit van Persie
"Wenn ein Spieler auf die 30 zugeht und vor seinem letzten grossen Vertrag steht, dann ist einzusehen, dass er nach Veränderung strebt", erklärt Wenger und zieht einen Vergleich mit dem zu Manchester United abgewanderten Robin van Persie. "Robin war aber 29 - Theo ist 23."
"Irgendwann sollten sie dem Klub das zurückgeben, was der Klub ihnen gegeben hat", so Wenger weiter.
Walcott tut das im Moment wettbewerbsübergreifend in Form von neun Toren in seinen jüngsten acht Startelfeinsätzen - und verbessert dadurch seine Verhandlungsbasis
Spekulationen um Ba
Doch neben wohl mehr Gehalt und dem Wunsch nach dauerhafter Versetzung ins Sturmzentrum könnten Walcott auch die Spekulationen um Demba Ba umtreiben:
Der Ex-Hoffenheimer und jetzige Torjäger von Newcastle United (elf Saisontore) soll auch bei Arsenal auf dem Zettel stehen, dürfte im Winter für die festgeschriebene Ablösesumme von neun Millionen Euro vorzeitig raus aus seinem bis 2014 laufenden Vertrag.
Arsenals durchwachsener Saisonverlauf mag Walcott ebenso zögern lassen: Im Liga-Pokal setzte es unlängst das peinliche Aus gegen Viertligist Bradford City.
Immerhin: In Wigan könnten erstmals seit Februar drei Ligasiege hintereinander herausspringen.
SPORT1











