''Kein Herz'': Kritik an Podolski wächst
Von Martin Hoffmann
München - Ian Wright fragte den Moderator zunächst ganz höflich.
"Kann ich etwas zu Podolski sagen?", bat der langjährige Stürmer des FC Arsenal bei "Absolute Radio" - und tat es dann auch.
"Ich erinnere mich", führte er aus, "wie bei seiner Verpflichtung gesagt wurde, dass er gut war, dann aber zu Bayern München gegangen ist und es nicht für ihn gelaufen ist."
Er müsse darauf zurückkommen in Anbetracht der blamablen Pleite der "Gunners" im Liga-Pokal bei einem Viertligisten:
"Wenn jemand mit 27 oder 28 über 100 Länderspiele für Deutschland bestritten hat, erwartet man nicht unbedingt von dir, dass du in Bradford ausgewechselt wirst."
Experten und Medien schiessen sich ein
Nun ist es zwar so, dass der - übrigens 27-jährige - Podolski bislang in fast jedem Pflichtspiel für Arsenal vom Feld genommen wurde.
Dennoch ist die Kritik von Wright, hinter Thierry Henry zweitbester Arsenal-Torjäger aller Zeiten, am deutschen Nationalstürmer bemerkenswert.
Es geht zwar etwas unter, weil es vor allem Trainer Arsene Wenger ist, der sich für den schwächsten Saisonstart seiner 16-jährigen Amtszeit rechtfertigen muss.
Dennoch fällt auf, dass sich Experten und Medien auf der Insel vor dem Montagsspiel beim FC Reading (ab 21 Uhr) auch auf Podolski einschiessen.
Einstellungsmängel kritisiert
Der renommierte "Guardian" nennt den Ex-Kölner namentlich als einen, der "verschiedenen älteren Spieler, deren Einstellung in Zweifel gezogen wird".
Direkter formuliert es John Cross, Arsenal-Reporter des "Daily Mirror": "Podolski zeigt kein Herz", twitterte er nach dem unauffälligem Auftritt bei der Blamage in Bradford.
Derselbe Cross, der noch vor drei Monaten schwärmte, Podolski habe "Siegermentalität" nach London gebracht.
Es ist ein altbekannter Vorwurf, der nach der Anfangseuphorie nun auch in der neuen Wahlheimat aufkommt: Dass Podolski an guten Tagen glänzt, aber in schlechten Zeiten mit seiner Mannschaft untergeht.
Wilshere appelliert
Podolskis Teamkollege Jack Wilshere formuliert das nicht so direkt, aber auch er fordert von ihm mehr Führungsstärke ein.
"Es ist eine schwere Saison, also müssen unsere Anführer jetzt Farbe bekennen", fordert der Jungstar.
Die Anführer, die er aufzählt: Kapitän Thomas Vermaelen, den Spanier Santi Cazorla, Per Mertesacker ("er hat viel Charakter") - und Podolski.
Wilshere verwahrt sich derweil gegen die zunehmende Kritik an Wenger: "Wenn man ein paar schlechte Ergebnisse angehäuft hat, sollte man nicht dem Trainer die Schuld geben, die Spieler müssen auf sich selbst schauen."
Wenger ein "Diktator mit massivem Ego"
Diverse Kritiker tun das nicht, speziell der ehemalige Arsenal-Mittelfeldspieler Stewart Robson hat sich mit einer beinharten Generalabrechnung mit Wenger hervorgetan.
"Meiner Meinung nach ist seine Zeit schon vor drei, vier Jahren abgelaufen", befand der 48-Jährige.
Wenger sei ein "Diktator" mit einem "massiven Ego": "Derzeit entwickelt er die Spieler zurück." Es sei "kein Zufall, dass Cesc Fabregas zum FC Barcelona geht und nun erzählt, er lerne dort jetzt die Taktik des Spiels."
Teammanager gibt sich gelassen
Robsons Giftpfeile sind eine Ausnahmeerscheinung, die meisten anderen Experten verteidigen Wenger und verweisen auf seine Verdienste.
Dennoch wäre die Arbeit des Coachs um einiges angenehmer, wenn sein Team in Reading, wo es zuletzt im Liga-Pokal einen spektakulären 7:5-Sieg gab, wieder ein Erfolgserlebnis feiert.
Arsenal wäre dann zumindest wieder Fünfter und damit zurück auf den internationalen Plätzen.
Wenger scheint sicher zu sein, dass Podolski und Co. das packen werden: "Ich bin seit 16 Jahren hier und die Erfahrung ist ein Vorteil. Man weiss, wie man das Ruder herumreisst."
SPORT1

